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Ginkgo-Alarm im Kleinbasel: Dieser Baum stülpt dir die Nasenflügel unters Hirn

11/03/21, 04:00 AM

Aktualisiert 11/05/21, 08:10 AM

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Der S**hund da rechts, der isses. Aber das weisst du bereits, weil du ihn auch schon gerochen hast.

Der S**hund da rechts, der isses. Aber das weisst du bereits, weil du ihn auch schon gerochen hast. (Foto: Daniel Faulhaber)

Irgendwer muss das Kind endlich beim Namen nennen: Der Ginkgo an der Ecke Klybeckstrasse / Klingentalgraben stinkt so dermassen jämmerlich, als kochten Beelzebub und seine Satanskinder in der Hölle ein Fondue. Er ist, wir legen uns fest, der am schlimmsten stinkende Baum der ganzen Stadt. Herbstidylle, Heiterkeit, feine Melancholie: Alles dahin. 

Weil dir beim unachtsamen Spazierengehen unter dem Ginkgo dieser brachiale Gestank wie ein olfaktorischer Vorschlaghammer die Nasenscheidewand zertrümmert. Es ist wirklich arg, was rund um diesen Baum abgeht. Das ganz bestimmt zuverlässig informierte Fachpersonal vom online-Baumpflegeportal formuliert es so: Schweiss, Erbrochenes und Verwesung liegen in der Luft. So ist das. 

Zutreffend erscheint uns auch dieser Satz aus der Süddeutschen Zeitung über eine Ginkgo-Allee in Essen: «Unter den Bäumen ist Ginkgo biloba das, was der Schläfer unter den Terroristen ist. Er verhält sich viele Jahre ruhig und schlägt plötzlich brutal zu. Dann riecht es nach Kotze.» 

Korrekt. Man sollte nicht untertreiben müssen, wenn es um den Ginkgo geht.

Ausgerechnet vor der Kaserne also, an einer der belebtesten Ecken Kleinbasels, bricht Herbst für Herbst die Seuche aus. «Da kann man nichts machen», sagt Simon Leuenberger, Kreisleiter des Grünflächenunterhalts Kleinbasel. «Der Baum steht auf Privatboden, das ist nicht unser Hoheitsgebiet.» Die Stadtreinigung putzt zwar regelmässig die stinkenden Früchte vom Trottoir. Aber wer dieser Tag von unten in den Baum hinaufschaut, der sieht: 

Da hängt ein ordentliches Arsenal kugelförmigen Miefs. Das Schlimmste ist yet to come.

Heilige Maria Mutter Gottes. Bald wirds hier richtig ruppig.

Heilige Maria Mutter Gottes. Bald wirds hier richtig ruppig. (Foto: Daniel Faulhaber)

Die Schale der Ginkgo-Frucht ist mit Buttersäure angereichert. Darum stinkt sie so gottsjämmerlich. Optisch ähneln die Früchte Mirabelle. Aber vom Charakter her sind sie das Gegenteil. Sie sind das Böse. 

Laien schätzen den Ginkgo für seinen Style. Er hat hübsch aufgefächerte Blätter und eine schöne Krone. Im Herbst wird er zauberhaft gelb. Aber man sollte sich von der Optik nicht täuschen lassen. Profis wie Leuenberger kennen das Problem dieser Marke Baum, darum werden auf Stadtgebiet nach Möglichkeit keine Ginkgos im Strassenbereich gepflanzt. 

Ginkgo-Früchte stinken nicht nur, sie sind auch glitschig und bringen Passant*innen zu Fall. Ginkgoschleim am Rockzipfel, na dann gute Reise im Tram. Der Baum ist belastend auf mehreren Ebenen. 

Wir wollen hier niemanden langweilen, sondern eigentlich nur polemisch gegen den Stinko wettern. Trotzdem in aller Kürze: Die allermeisten Baumarten sind einhäusig, das heisst, beide Geschlechter finden sich auf derselben Pflanze. Dann gibt es Bäume, die bilden weibliche und männliche Exemplare. Sanddorn, Hopfen, Esche, oder eben der Ginkgo gehören dazu. Damit solche zweihäusigen Bäume Früchte machen, muss in der Nähe des Weibchens ein männlicher Baum stehen, der den Pollen produziert. 

Wir wissen nicht, wo im Kleinbasel dieser andere Ginkgo steht. Besser für ihn. Ginkgos leben gefährlich. In Riehen kam es 2017 und 2018 zu wiederholten «brutalen Attacken» (Blick) auf Ginkgos. 2018 wurden 18 Stück von ihnen unweit der Fondation Beyeler mit einer Säge mitten in der Nacht bis in die Mitte des Stamms angesägt. Die Ginkgos haben nicht überlebt. Die Stadtgärtnerei erstattete Anzeige. Vergebens, sagt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Die Ginkgo-Killer sind noch immer auf freiem Fuss. 

Lauft.

Kein Traumjob: Ginkgo-Schüttler*in

Leuenberger sagt, die Stadtgärtnerei versucht «im Strassenraum nach Möglichkeit zu vermeiden», Ginkgos zu pflanzen, wegen der Früchte. Im Herbst gebe es immer Klagen von Anwohner*innen, das kann keine*r wollen. Das Problem: Das Geschlecht von Ginkgos ist bis ins Alter von zirka 25 Jahren enorm schlecht zu unterscheiden. Dann kann es vorkommen, dass man denkt, man pflanzt einen Kerl und dann stinkts im Herbst plötzlich bestialisch aus der Krone. 

Das ist dann natürlich dumm. Die Grossbasler Kolleg*innen von Leuenberger haben auf dem Bruderholz so ein Problem, wo eine ganze Allee aus Ginkgobäumen steht. Wer auch immer die gepflanzt hat: Er hasst das Bruderholz sehr. Auf jeden Fall muss im Herbst manchmal ein Team der Stadtgärtnerei ausrücken, um auf dem Bruderholz die stinkenden Früchte von den Ginkgos zu schütteln. Also so richtig mit Spezialgerät und Hebebühne. Ein Scheissjob. 

Damit hier abschliessend kein Missverständis entsteht: Der Ginkgo ist als Baum grundsätzlich ok, da muss man schon differenzieren und die Autorin vom Werk trennen. Diese Farbe! Die filigrane Form der Blätter! Zauberhaft. Kreisleiter Leuenberger sieht das ebenso. «Der Ginkgo ist ein wunderschöner Baum», schwärmt er, zudem gehöre er zu den ältesten Baumarten überhaupt. Die Stadtgärnerei und auch er persönlich sind der Meinung, dass der Ginkgo «weiterhin seinen Platz an einem geeigneten Ort im städtischen Raum haben muss».

Von uns aus muss das nicht sein. Dies ist eine Warnung. Meidet den Ginkgo. 

Wir sind dufte …

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