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Wird die «kleine Freiheit» unter Mietwohnungen begraben?

09/04/20, 02:43 PM

Aktualisiert 09/07/20, 10:32 AM

Garten offen. Noch.

Garten offen. Noch.

Eine Bajourleserin schrieb eine Mail an die Redaktion: Sie habe gelesen, dass Bajour im Massenkündigungsticker über Sanierungen Buch führe. Jetzt habe sie im Kantonsblatt vom 12. August die «kleine Freiheit» entdeckt. Dort steht, dass in der Feldbergstrasse 23 neue Wohnungen entstehen sollen. Im Wortlaut: «Umbau Erdgeschoss in fünf Wohnungen («bisher Restaurationsbetrieb)».

Heisst das, die «kleine Freiheit» muss jetzt raus? Die Beiz ist erst seit Oktober 2019 dort.

Besuch vor Ort. Tatsächlich, vor dem Restaurant steht ein Schild des Baudepartements, das über den Bau informiert. Und nur dank dieses Schilds hat das Team der kleinen Freiheit erfahren, dass sie vielleicht rausmüssen. Vom Vermieter selbst haben sie nichts gehört.

Mit freundlichen Grüssen.

Mit freundlichen Grüssen.


«Wir waren sehr überrascht über die Situation», sagt Umut Koylu, Geschäftsführer der «kleinen Freiheit». «Das wird für unsere Firma eine Herausforderung». Er verstehe, dass dem Eigentümer die Rendite wohl das Wichtigste sei, aber: «hier wird wahrscheinlich ein spannendes, Menschen vereinendes und Kultur förderndes Projekt für Profit gebodigt.»

Bei den Vermieter*innen der Liegenschaft handelt es sich gemäss mapBS Basel Stadt um einen Privatbesitzer aus Belgien und die Marom Immobilien GmbH. Diese hat ihren Sitz in Zürich. Allerdings gibt es weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse auf die Schnelle zu finden. (Anm. d. Redaktion: Ob es sich nur um eine Briefkastenfirma handelt, wie ursprünglich hier zu lesen war, wissen wir noch nicht. Wir bleiben dran.)

Auch Geschäftsführer Umut Koylu hat niemanden erreicht. Laut Bau- und Verkehrsdepartement sind Vermieter*innen nicht verpflichtet, Mieter*innen einen geplanten Umbau mitzuteilen, wie es auf Anfrage heisst. «Die feine Art» sei es aber nicht, den Mieter nur über die Tafel vor dem Haus über den Umbau zu informieren. 

Nachbar*innen haben keine Freude

Für Umut Koylu von der «kleinen Freiheit» ist klar: «Wir sind jederzeit offen für einen Dialog.» Aber:«Wir werden nicht widerstandslos den Betrieb einstellen und ein solch beliebten und belebten Quartiertreff begraben.» Einigen Anwohner*innen am Ersasmusplatz wäre das aber wohl gerade recht. Ismail Korkut, der Wirt der Beiz, kämpft schon seit der Eröffnung um Akzeptanz.

Gewisse Nachbar*innen würden ihm wöchentlich Polizei und Ämter auf den Hals hetzen, sagt Koylu. Und im Mai hätten sie über 100 Briefe an die gesamte Nachbarschaft versendet. Darin stehen die Öffnungszeiten der Beiz feinsäuberlich aufgelistet. Ausserdem gibt der Brief auch gleich einen Tipp, wie man sich gegen allfällige Nachtruhestörungen wehren kann: «Für Reklamationen» sei «alleinig die Polizei zuständig» steht da.

Der Brief, der im Mai an die ganze Nachbarschaft versendet wurde

Der Brief, der im Mai an die ganze Nachbarschaft versendet wurde

Was Ismail Korkut besonders stört: «Die Briefe kamen, bevor wir die Gartenbeiz überhaupt in Betrieb genommen haben.» Lärmemissionen hätte es bis dann auch noch nie gegeben. Sie seien ja erst im Herbst eingezogen.

Er ist nicht der erste Wirt am Erasmusplatz, der mit Anwohner*innen kämpft. Schon sein Vorgänger, Uli Künzer, Wirt vom ehemaligen Wiener Beisl, wurde mit Lärmklagen eingedeckt, wie die TagesWoche (selig) 2017 schrieb. Unmut Koylu will sich aber nicht vertreiben lassen. Der Mietvertrag läuft noch und das Projekt sei langfristig angelegt. 

Die «kleine Freiheit» hat noch bis am 11. September Zeit, Rekurs einzulegen.

Bajour wollte mit den Anwohner*innen über ihren Brief sprechen, doch die Mail blieb unbeantwortet.

Wurde dir gekündigt? Oder kennst du jemanden?

Ja, Scheisse.