Bürokratie statt Brokkoli
Die Zukunft des beliebten Bio-Gemüsekiosk an der Tramhaltestelle Allschwilerplatz steht auf dem Spiel – in einer Petition wird eine neue Lösung gefordert. Diese ist aus Sicht der Verwaltung kaum realisierbar.
Innerhalb von zwei Tagen haben knapp 1000 Menschen die Petition für den Erhalt des Bio-Gemüsekiosks und des Stadtgartens am Allschwilerplatz unterschrieben. Die Neugestaltung des Platzes beschäftigt die Bevölkerung, aber auch den Kanton. Wie die bz schreibt, liegen bereits 63 Einsprachen gegen die Umbaupläne vor. Sie kritisieren, dass für den Bio-Gemüsekiosk von Niklaus Fäh auf dem neuen Platz keine Lösung vorgesehen ist.
Seitdem klar ist, dass der Kanton am Allschwilerplatz Strassen, Tramgleise und unterirdische Leitungen sanieren muss, sorgen sich Teile der Anwohner*innenschaft um die Zukunft des beliebten Kiosks. SP-Grossrat Jean-Luc Perret von der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) kann nachvollziehen, dass die Bevölkerung an dem Kiosk hängt. Er sagt zu Bajour: «Ich wohne selbst im Quartier und begrüsse, dass Niklaus Fäh den Platz mit seinem Angebot belebt und den Zusammenhalt der Anwohner*innen fördert. Daher habe ich mich zu Beginn auch für den Erhalt , des Kiosks starkgemacht.»
«Geplant sind ein Street-Food-Angebot und eine Piazza, die zum Verweilen einladen und den Platz beleben sollen.»Jean-Luc Perret, SP-Grossrat und Mitglied der Uvek
Eine Lösung sei aber nicht so einfach zu finden. Perret ist wichtig zu betonen, dass es ein Ziel der Uvek gewesen sei, den neuen Allschwilerplatz für die Bevölkerung aufzuwerten. So würden mehr Parkplätze aufgehoben als ursprünglich vorgesehen, um mehr Raum für Grün- und Mitwirkungsflächen, Sitzbänke und Trinkbrunnen zu haben. «Geplant sind auch ein Street-Food-Angebot und eine Piazza, die zum Verweilen einladen und den Platz beleben sollen.»
Niklaus Fäh, der seit 2020 in der Tramwartehalle am Alllschwilerplatz eingemietet ist, stehe es – wie allen anderen auch – offen, sich für diese neuen Angebote zu bewerben. Perret räumt ein, dass Fäh dann in Konkurrenz mit anderen Bewerber*innen für diese Nutzungen stünde, aber es wäre schon allein aus Gründen der Gleichbehandlung im Beschaffungsgesetz nicht gestattet, ein gesondertes Angebot allein für seinen Kiosk zu schneidern. «Fäh möchte neu ein semi-mobiles Angebot an der Tramhaltestelle betreiben. Das haben wir in der Kommissionberatung sorgfältig geprüft und es ist schlicht nicht umsetzbar», so Perret.
«Wir sind ein Quartierdienstleister und kein kommerzieller Food-Anbieter.»Niklaus Fäh, Betreiber vom Bio-Gemüsekiosk
Für Niklaus Fäh kommt es nicht infrage, sich für den Foodtruck-Stand zu bewerben, sollte dieser ausgeschrieben werden. Er sagt: «Wir sind ein Quartierdienstleister und kein kommerzieller Food-Anbieter.» Seine Philosophie sei eine völlig andere und er sehe seine Aufgabe vor allem darin, Begegnungen zwischen Menschen im Quartier zu ermöglichen, den Austausch zu fördern und ein regionales, frisches Bioangebot zu bieten.
Wichtig ist ihm auch, dass der Kiosk an der Tramhaltestelle bleibt: «Nur hier ist die soziale Komponente gegeben, da sich die Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder in die Stadt hier begegnen. Der Foodtruck-Standort als mögliche Alternative ist zu weit weg, um die soziale Aufgabe, die wir heute erfüllen, zu ermöglichen.»
Fäh zeigt sich gegenüber Bajour enttäuscht darüber, dass die Uvek damals lediglich ein fixes Gebäude und ein Pavillion evaluiert und nicht wie von ihm vorgeschlagen ein semi-mobiles Angebot geprüft habe. «Gibt’s nicht, geht nicht – diese Lösung ist mir zu einfach», sagt er.
Unterschiedliche Perspektiven
Er habe nie den Wunsch geäussert, ein fixes Gebäude an der Tramhaltestelle zu beziehen, und hätte sich gefreut, wenn die Verwaltung im Sinne der Bevölkerung nach einer kreativen Lösung für seinen Bio-Gemüsekiosk gesucht hätte. Er sagt: «Nun mus das Quartier versuchen, diese Entwicklung mittels Einsprachen und einer Petition zu korrigieren.»
Eine andere Perspektive aus dem Quartier bringt Perret ein: «Ich hoffe, dass der Platz bald umgestaltet, begrünt und aufgewertet wird, und bin sicher, dass die vielen Initiativen aus dem Quartier dort alle ihren Raum finden werden.» Es sei bedauerlich, dass diejenigen, die sich auf einen grüneren Allschwilerplatz mit mehr Bäumen, entsiegelten Flächen, höherer Aufenthaltsqualität, einer Piazza mit mobilen Angeboten und Raum für neue Quartierideen freuen, nun länger darauf warten müssten.