Ein Stück Paris am Rhein

Im St. Johann entführt der neue Concept-Store «Nouvel Été» Kund*innen in eine andere Welt. Nina Sommer und Daniel Infanger bieten in ihrem Laden Produkte an, die den Alltag erleichtern oder zumindest verschönern.

Nouvel Ete Nina Sommer Daniel Infanger
Daniel Infanger und Nina Sommer vor ihrem neuen Concept-Store. (Quelle: Valerie Wendenburg)

Etwas versteckt in der St. Johanns-Vorstadt, in einem ehemaligen Bioladen und direkt an den Gleisen des 11er-Trams, befindet sich ein neuer Concept-Store. Im Innern taucht man in eine andere Welt – vertraut ist allein der Blick auf den Rhein am hinteren Ende des neuen Ladens. Angesichts der vielen bunten Produkte und Karten, Schallplatten und Pflanzen, die einem ins Blickfeld springen, ist erst einmal Orientierung angesagt. 

Bei genauerem Betrachten aber wird das «Concept» des Stores schnell klar. Jede Ecke widmet sich einem anderen Thema: «Wir verkaufen hier nur schöne Dinge zu Themenwelten, die uns selbst am Herzen liegen», sagt Nina Sommer. Das sind selbst produzierte oder eingekaufte Produkte aus den Bereichen Papeterie, Mode, Musik- und Popkultur, Fotografie und Film, Literatur, Künste und Handwerke, Bijouterie und Cyanotypie – das ist eine als Blaudruck bekannte monochrome Fototechnik. 

Nouvel Ete
Pflanzen als Hingucker im Geschäft. (Quelle: Valerie Wendenburg)

Im ganzen Laden sind an vielen Orten Pflanzen und Blumen ausgestellt, denn Nina Sommer absolvierte auch eine Ausbildung zur Floristin. Zusammen mit ihrem Partner, dem Fotografen Daniel Infanger, hat sie «Nouvel Été» Anfang März eröffnet. «Das Geschäft ist unsere Herzensangelegenheit», sagt sie. Es sind keine leeren Worte, denn sie hat zu jedem einzelnen ihrer Produkte eine Geschichte zu erzählen, weiss, wo es herkommt und wie es entstanden ist. Kein Wunder, denn Produkte aus den Bereichen Papeterie, Bijouterie, Floristik und Fotografie stellen sie selbst in ihrem Studio her. So auch die Cyanotypie-Karten, die einen besonderen Platz in ihren Regalen einnehmen.

Nina Sommer erzählt, dass ihr Partner erst später zum Gespräch dazustossen wird. Er überwacht für sie die Produktion von Cyanotypie-Karten, die sie für das Kunstmuseum Basel produziert. Ein älterer Herr betritt das Geschäft, er nimmt sich Zeit, schaut sich überall um und wird schliesslich fündig, er hat ein Cyanotypie-Set gekauft. Ebenso wie drei jugendliche Mädchen, die im Laden sind und Schmuck anprobieren. «Es kommen Menschen jeden Alters zu uns. Ich sage immer, die Leute hier verbindet, dass sie analoge Themen und schöne Dinge in ihrem Leben schätzen», so die stolze neue Geschäftsinhaberin. 

Sie müssen aber auch das nötige Geld im Portemonnaie haben. Die hochwertigen Dinge haben ihren Preis, auch wenn er nicht übertrieben erscheint.

Nouvel Ete Nina Sommer
Nina Sommer vor dem Cyanotypie-Angebot. (Quelle: Valerie Wendenburg)

«Wir sind immer auf der Suche nach speziellen Dingen und unsere Kundinnen und Kunden auch.» Nina Sommer weiss, wovon sie spricht. Die gelernte Marketingfachfrau hat 2010 die Boutique «Toi et Moi» ins Leben gerufen, welche sich heute in der Hegenheimerstrasse befindet.

Dort ist sie 2019 ausgestiegen und hat anschliessend den Shop im Basler Kunstmuseum geleitet. «Nouvel Été» ist schneller entstanden als geplant. Seit einigen Monaten haben Nina Sommer und Daniel Infanger einen Webshop aufgebaut, in dem alle Produkte angeboten werden, die nun auch in den Regalen und Tischen im Geschäft ausgestellt sind. Parallel dazu haben die beiden Karten, Fotografien, Drucke und Schmuckstücke selbst produziert, die auch bereits von anderen Geschäfte eingekauft werden. Produkte von Nouvel Été gibt es aktuell in Stores in Basel, Zürich und auch Italien. Weitere sollen dazu kommen. Um dies zu realisieren, stellt das Paar aktuell einen B2B-Shop auf die Beine.

«Als wir gesehen haben, dass dieses schöne Geschäft am Rhein frei ist, haben wir das als Chance gesehen, die wir ergreifen müssen.» 

Nouvel Ete
Am Ende des Geschäfts hat man von der Terrasse einen Blick auf den Rhein. (Quelle: Valerie Wendenburg)

Während Nina Sommer erzählt, kommt Daniel Infanger ins Geschäft, etwas in Eile, aber mit einem Strahlen im Gesicht: «Es hat alles geklappt», sagt er. Die Produktion der Cyanotypie-Karten sei nicht einfach und der Auftrag des Kunstmuseums aufwändig gewesen, erklärt Nina Sommer. Beide gehen auf die grosse Dachterrasse am Ende des Ladens, die oberhalb des Rheins mit Blick auf die Johanniterbrücke und aufs Kleinbasel liegt. Es ist ein kühler Wind zu spüren und nur wenige Meter entfernt sonnen sich Leute im Rhybadhysli Santihans. Die Stimmung lädt zum Verweilen ein, aber dazu haben die beiden kaum Zeit. Zu viel ist noch zu erledigen an diesem Tag. 

Aktuell dreht sich an einem Tisch alles um das Thema «Fantastische Frauen», es sind Notizbücher von Frida Kahlo ebenso ausgestellt wie ein Spiel namens «Geniale Frauen» oder ein Bildband über die weltweite Frauenbewegung. Einen Tisch weiter geht es vor allem um Pflanzen. Ins Auge sticht ein formschöner aus Ton gefertigter Wasserspender, der in Spanien hergestellt wurde. 

Nouvel Ete
«Geniale Frauen» im Fokus. (Quelle: Valerie Wendenburg)

Sehr viele der Produkte aber stammen aus Paris, denn das Geschäft folgt dem Pariser Konzept der Concept-Stores. Gemeinsam verbringen die beiden Ladenbesitzer*innen immer wieder Zeit in der französischen Hauptstadt, um sich dort inspirieren zu lassen, Ware einzukaufen und auch zu arbeiten. Beide haben immer wieder in Paris Aufträge, er als Werbefotograf und Filmemacher, sie in den Bereich Floral Design und Styling. Diese Dienstleistungen sind ihre Haupteinnahmequellen, erzählen beide. Denn der neue Shop sei kurz nach der Eröffnung noch lange nicht rentabel. 

In der hinteren Ecke des Ladens hängen Vinyl-Schallplatten an der Wand, die wieder «total im Trend sind», sagt Daniel Infanger.

Nouvel Ete Daniel Infanger
Daniel Infanger in «seiner» Ecke des Ladens bei den Vinyl-Schallplatten. (Quelle: Valerie Wendenburg)

«Es ist doch eine ganz andere Art des Musikhörens», weiss der Schlagzeuger, der vor allem für die Abteilungen Musik und Fotografie im Concept-Store verantwortlich ist. Man kann im Laden analog Musik hören und sich auch gleich einen neuen Plattenspieler kaufen, wenn man auf den Geschmack gekommen ist. 

Auch wenn die beiden Besitzer*innen ihre eigenen Bereiche im Laden haben, ist er ihr Gemeinschaftsprojekt. Ihr erster Kunde war der Schweizer Musiker Stephan Eicher, der vor einem Konzert kurz im damals neu eröffneten Laden vorbeigeschaut hat.

Nach ihm haben schon einige Kund*innen den Weg ins «Nouvel Été» gefunden – etablieren muss sich das Geschäft aber noch. «Wir möchten hier auch einen Ort zum Verweilen bieten», sagt Nina Sommer, die die gemütliche Terrasse im Sommer auch für ihre Kundschaft nutzen will. Ob im Laden oder draussen: Eine Auszeit vom Alltagstrubel ist garantiert. 

Nouvel Ete
Concept-Store

«Nouvel Été»

St. Johanns-Vorstadt 70

4056 Basel 

076 605 33 28

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10.30-18.30 Uhr, Sa: 10-17 Uhr, So: geschlossen

Basel Briefing

Das wichtigste für den Tag
Jetzt Abonnieren
Jetzt Member Werden

Das könnte dich auch interessieren

14. Juni 2024 – 3 Welten, 1 Stadt

Michelle Isler,Jan Soder,David Rutschmann am 14. Juni 2024

Eine Stadt, drei Welten

Wie ist der Vibe in Basel, wenn am selben Tag schickes Art-Basel-Publikum, feministische Demonstrierende und Fussballfans die Stadt einnehmen? Eine Reportage.

Weiterlesen
Weizenfeld Art Basel

Helena Krauser am 14. Juni 2024

Der Seiltanz

Rund um die Art Basel entsteht ein Spannungsfeld aus Kritik und Referenzen. Basel Social Club, die Liste und politische Aktivist*innen reiben sich an der prominenten Antagonist und kommen doch nicht ohne sie aus.

Weiterlesen
Wochenkommentar Feministischer Streik

Ina Bullwinkel am 14. Juni 2024

Journalist*innen UND Arbeitnehmer*innen

Am Feministischen Streiktag sollten Journalistinnen an ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen denken und anprangern dürfen, was in ihrer Branche schlecht läuft – ohne als aktivistisch oder undankbar zu gelten, kommentiert Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Weiterlesen
Frage des Tages Wohnschutz

Michelle Isler am 14. Juni 2024

Ist es richtig, den Wohnschutz zu schwächen?

Weiterlesen

Kommentare