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Best of Baseldytsch

Bim Zmöörgele duurs Muul schnuufe

Es darf in keinem von Inas Briefings fehlen: ihre abenteuerlichen Ausflüge ins Baseldytsch. Welche Begriffe der Neubaslerin begegnen und was ihre bisherigen Highlights waren – hier ist Teil 1 vom Best of.

07/13/21, 03:44 AM

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Warum lerne ich Baseldytsch?

Eine Frage, die sowohl Muttersprachler*innen als auch deutsche Expats in Basel bewegt: Ina, warum lernst du überhaupt Baseldytsch? Manche fragten das mit Erstaunen oder Respekt, andere mit Misstrauen oder Verständnislosigkeit. 

Die Erklärung ist simpel: Ich habe mir schon früh vor dem Zügeln überlegt, einen Baseldytsch-Kurs zu belegen, um Kontakte zu knüpfen und Anschluss in der Stadt zu finden. Ausserdem mag ich das Konzept von Sprachkursen: Man lernt nicht nur Vokabeln und Aussprache, sondern viel über Kultur, Land und Leute.

Ein anderer wichtiger Grund: Ich bin Reporterin. Das heisst, ich gehe raus, spreche mit Menschen. Und eben nicht nur mit Politiker*innen, sondern mit den Leuten von nebenan, die Mundart sch(w)ätzen. Den Gedanken, bei jedem zweiten Satz nachfragen zu müssen oder gar eine Antwort auf Hochdeutsch einzufordern, fand ich sehr unangenehm. Also ab zum Kurs, wenngleich alles um mich herum eine Art Basel(-dytsch)-Schulung war.

Auf der Dreiländerbrücke

Wie alles begann

Am 5. Februar 2021 beschloss Bajour-Redaktorin Ina Bullwinkel, ihre eigene Kategorie im Briefing einzuführen: Baseldytsch mit Ina. Ein einziges Mal hat sie pausiert – es meldeten sich Fans, ob es etwa schon zu Ende sei mit der Rubrik. Das war eine schöne Überraschung, dass dieses launige Extra am Briefing-Ende sofort vermisst wurde. Seither gab es keine Pause mehr.

Welche Basics habe ich gelernt?

Sinne

An ein Verb, das mir in den ersten Tagen in Basel Probleme bereitet hat, kann ich mich gut erinnern: «loose». Es kommt recht häufig vor und ich konnte es mir anfangs durch nichts herleiten. Es gehört zu den Wörtern, die man einfach kennen muss. Als ich über das Zueloose nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass mehrere Wörter, die die Sinne betreffen, lustig oder ungewohnt für mich tönen (auch tönen ist lustig für mich, btw). Da wäre zum Beispiel «luege» oder auch «schmegge», das riechen und schmecken bedeuten kann. Ist das nicht verwirrend? Oder schmeckt ihr Basler*innen ganz einfach die Luft? Sehr poetisch.

Die Kinnlade ist mir jedoch abegheit, als eine Kollegin zu mir meinte: «Du muesch duurs Muul schnuufe.» Ich kam mir vor wie ein Pferd! 😤 An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich aber ablesen, dass sie es absolut nicht böse meint. Schlucken musste ich trotzdem kurz. 😂

Zeit

Zeit ist gar nicht so einfach auszudrücken auf Dialekt, zumindest für mich. Bedeutet: selbst die Wochentage heissen anders und das ist nur der Anfang. Meine Favoriten sind Zyyschtig und Samschtig. Zyyschtig, weil ich mich frage, wie man vom Wort «Dienstag» so weit abschweifen konnte (das geht laut einer kurzen Google-Recherche wohl auf den germanischen Gott Ziu zurück). Und Samschtig klingt so, wie der Tag ist: eine samtig-kuschelige Decke, die sich an mich schmiegt, ein samschtiges Wochenende eben. 😍  

Neben den Wochentagen gibt es auch noch den «Bündelidaag». Als meine Sprachlehrerin fragte, was damit gemeint sei, dacht ich stolz «Oh, das weiss ich» und sagte: «S isch dr Daag, wo s Altbapyyr abgholt wird!»

🔴 Döööt, falsche Antwort. 🔴

Mein Gedanke war: Wenn das Altpapier-Bündeli abgeholt wird, muss Bündelidaag sein. Gemeint ist damit aber der Samstag vor den Schulsommerferien bzw. einfach der Tag, an dem man seinen Koffer für die Ferien packt. (Ich muss mir immer verkneifen, Urlaub zu sagen) 🏖 

Kommen wir zu den schwierigen Zyt-Wörtern:

Friener hani denkt, grad bedütet jetzt, denn hani gelernt, es bedütet gliich, imene Momänt. «Bis grad» isch also e legitimi Ussaag und nit völlig plemplem. Amigs bin ich über «Ende Jahr» oder «Anfang Monat» stegglet, bis ichs sälber bruucht ha! Ganz vomenelai. So schlyycht sich s Schwyzerdytsch iine.

Mir hat jemand geschrieben, dass «amigs» gar nicht baslerisch ist, sondern eher ein Züri-Import und ich lieber «mängmol» sagen sollte. Aye, aye!

Zmöörgele

Ein Baseldytsch-Problem, das mich so gut wie jeden Samstag ereilt: der Gang zum Begg. Um dir ein Gefühl für mein Problem zu geben: Ich habe in meinem Smartphone eine Notiz unter dem Namen «Brötchen». Darin steht:

- Schwööbli = Milchbrötchen

- Schlumbi

Es ist nämlich so, dass es zum einen nicht Brötchen, sondern Weggli heisst. Und zum anderen gibt es hier auch ganz andere Brötchen als ich das aus meinen bisherigen Wohnorten kenne. Bevor ich nach Basel gekommen war, hatte ich mich zudem gerade erst daran gewöhnt, in Berlin Schrippen statt Brötchen zu sagen. Wer soll denn da noch hinterherkommen? Einer meiner peinlichsten Begg-Besuche verlief deshalb so:

«Griezi, ich wött gärn drey Brötchen, äh, Schrippen, ääh, Krosse, äääh, ich mein Schlumbi!»

Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Krosse hiessen übrigens die «Schlumbi» bei der Bäckerei meiner Kindheit in Bremen. Das war wohl noch ganz tief in meinem Unterbewusstsein abgespeichert. 

Eine sehr hilfreiche Liste hat mir Leserin Christiane als Reaktion auf das Briefing geschickt:

  • Büürli (aus hellem Brotteig, aussen dunkel und knusprig, oft auch als Doppelbüürli angeboten, erzeugt sehr viele «Breesmeli»)
  • Silserli = Laugenbrötchen, oft mit Salami (DER, nicht die! 😉), Schinken oder Käse. Von Elsässer Verkäuferinnen als «Loigeli» bezeichnet
  • Mutschli oder Knöpfli (kleine runde weiche Brötchen, gerne als gefüllte Kleinigkeit zum Aperitif)
  • Milchweggli (häufig am 1. August als «Erscht-Auguscht-Weggli» angeboten, mit kleinen Spitzen und eingesteckten Fähnchen)
  • Brioches (französisch, aber in Basel geläufig, Süssgebäck mit einem kleinen «Gupf»)

Das komische B

«Ach ja, und wir machen nicht dieses komische B» – das war einer der ersten Sätze, die ich nach Jobbeginn von meiner Chefin Andrea gehört habe. Ich musste kurz überlegen, dann wusste ich: Sie meint das Eszett oder auch scharfe S. Hier ist dieser ominöse Buchstabe: ß.

Ich hatte anfangs gedacht, ich könnte mir das nie abgewöhnen. Dann die Überraschung: Nach etwa einem Monat fing es an, dass ich in den deutschen Medien regelmässig (regelmäßig) über das ß stolperte. Huch! Ich hatte recht schnell beschlossen: Diesen Buchstaben braucht es eigentlich nicht. Weg damit. Ich hätte die Taste auf meinem Laptop ja rausgerissen, aber das Fragezeichen, das unter dem Eszett liegt, brauche ich noch.

Ab und zu kommt es aber dennoch zu Verwirrungen auf meiner Seite. So fragte mich ein Kollege, ob das so stimme – die Masse von dem Foto. Die Masse? MB oder was? Nein, es ging um die Maße (langes a)! Und dann, letztens, sah ich eine Schlagzeile beim SRF: Busse für Catcalling? Was soll denn das, fragte ich mich: Ein ganzer Bus voller Leute, die anderen sexistische Sprüche nachrufen? Natürlich war die Buße (langes u) gemeint.

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