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«Hört auf, den Jugendlichen einen Vorwurf zu machen.»

05/23/20, 09:02 AM

Aktualisiert 05/23/20, 01:41 PM

Das ist ein Symbolbild und zeigt lediglich, wie schön Frühsommmerabende früher einmal waren.

Das ist ein Symbolbild und zeigt lediglich, wie schön Frühsommmerabende früher einmal waren.

Es ist die Saison der Zielgruppen. Man will diesen Zielgruppen nichts verkaufen, man will sie erziehen. Zielscheibe des allgemeinen Argwohns waren erst die Betagten. Graue Haare und noch im Coop. Gehts noch?

Dann waren die mit Mundschutz dran. 

Dann die ohne Mundschutz.

Dann das Militär an der Grenze.

Dann die Jogger*innen.

Jetzt die Jungen. Die Jungen machen Party in der Steinen. Die Jungen treffen sich im Park zum Frisbee spielen. Die Jungen sollen zu 20igst zurück in die Schule, aber mit Freund*innen chillen im Park ist nicht erlaubt. Erklär das mal einem dieser jungen Hormonbomber im Landeanflug auf seine Lieblingssaison: Den Frühsommer. 

Wir haben nichts erklärt, aber uns umgehört. Die Pausenhöfe der Gymis und Mittelschulen, waren verwaist. In den Parks stressen die Pollen. Also haben wir uns in ihr natürliches Habitat begeben und auf Instagram gefragt: Na, Kids, whats poppin’?

Vier Jugendliche erzählen:

Laura (19)

Auf einer Skala von 0 bis 10 sind Lauras Freund*innen bei 6 bis die Nerven reissen.

Auf einer Skala von 0 bis 10 sind Lauras Freund*innen bei 6 bis die Nerven reissen.

«Hört auf den Jugendlichen einen Vorwurf zu machen wenn ihr wieder die Bilder aus der  Steinenvorstadt kommentiert. Zumindest kann darauf keine Jugendlichen erkennen. Ich verstehe auch nicht, wie man die Restaurants aufmachen kann, aber im Park sollen nicht mehr als 5 Freundinnen zusammensitzen dürfen, das ist doch ungerecht?

Eine Freundin von mir hat mit ihrem Freund auf einem Bänkli gechillt, dann kam die Polizei und hat ihnen 100 Franken Busse verpasst. Voll übertrieben. Aber es gibt auch nette Polizisten, die nicht gleich eine Busse geben. Man merkt gerade voll, dass es bei den Polizist*innen Unterschiede gibt.

Auf einer Skala von 1 bis 10 denke ich, in meinem Freundeskreis sind wir bei ungefähr 6. Bei 10 reissen die Nerven und alle machen Party. Wir halten noch eine Weile durch. Aber wenns im Sommer richtig warm wird, spätestens dann könnte es für die Jungen schwer werden, Abstand zu halten.»

Joanna (18)

Joanna muss am Telefon selber lachen, als sie das Zusammensein mit mehr als fünf Freund*innen als «Ausrasten» bezeichnet.

Joanna muss am Telefon selber lachen, als sie das Zusammensein mit mehr als fünf Freund*innen als «Ausrasten» bezeichnet.

«Ich bin am Gymnasium Oberwil. Party ist in meinem Freundeskreis nicht so im Fokus, wir chillen lieber im Wald. Dass wir nur zu fünft sein dürfen ist schon mühsam, aber wir halten uns dran. Lieber jetzt noch bisschen durchhalten, dann können wir im Sommer hoffentlich wieder grössere Gruppen sein. In meinem Freundeskreis ist wegen der Regeln noch niemand ausgerastet und hat gesagt, Regeln hin oder her, jetzt gehen wir ZU SECHST zum Therwiler Weiher oder so. Die Stimmung ist easy.

Ich persönlich fände es aber trotzdem gut, wenn alle ihren Egoismus kurz abschalten könnten und in der Öffentlichkeit nicht in Gruppen chillen. Das reduziert das Risiko, das eine zweite Welle kommt.»

Maria (15)

«Ihr» Konzert von Billie Eilish wurde verschoben, aber Maria behält trotzdem die Nerven. Muss man auch erstmal können.

«Ihr» Konzert von Billie Eilish wurde verschoben, aber Maria behält trotzdem die Nerven. Muss man auch erstmal können.

«Seit bald zwei Wochen gehe ich wieder in die Schule. Da sitzen wir dann ziemlich nah beieinander, nur zu den Lehrer*innen halten wir Abstand. Es ist komisch, in der Schule so nahe nahe zu sein und wenn wir frei haben und rausgehen, sollen wir Abstand halten. Die meisten halten den Abstand aber ein. Ich treffe meine Freund*innen weniger als früher und wir gehen auch nicht mehr in die Stadt.

Es ist schade, dass so viele Konzerte abgesagt wurden, im Juni wäre ich nach Berlin gefahren ans Konzert von Billie Eilish. Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem ich mehr Sachen ohne meine Eltern unternehmen darf. Ich hab neue Freund*innen kennengelernt, es hätte ein gutes Jahr werden können und jetzt das.

Ich frag mich schon, warum trifft das ausgerechnet die Zeit, in der ich jung bin? Man gewöhnt sich an alles. Meine Freunde und ich warten einfach, bis es vorbei ist. In den Ausgang gehen wir nicht.»

Luca (14)

Luca hatte grad kein anderes Foto von sich zur Hand, aber wir finden das hier ohnehin ziemlich gut.

Luca hatte grad kein anderes Foto von sich zur Hand, aber wir finden das hier ohnehin ziemlich gut.

«Es ist mühsam, dass man immer drüber nachdenken muss, wieviele wir jetzt sind, und ob wir nicht doch plötzlich zu sechst sind. Dann müsste jemand nach Hause gehen. Das ist sicher anstrengend. Ich denke, je wärmer es draussen wird, desto schwieriger wird es für uns, die Gruppen klein zu halten. Aber so zwei Wochen oder so halten wir es sicher noch aus. Was wir auf keinen Fall machen ist, uns bei jemandem zuhause zu treffen. Man muss sich schon einschränken. Wenn man sich nicht einschränkt, gibts Stress mit der Polizei. Wir hatten aber noch nie ein Problem deswegen.

Also wenn ich ehrlich bin habe ich nicht das Gefühl, dass das die Jungen sind, die sich jetzt unverantwortlich verhalten. Wenn ich rausgehe und Gruppen von Menschen sehe dann sind die meistens älter. Ich treffe mich schon manchmal mit meinen Freunden, aber Ausgang ist bis jetzt eh noch nicht so Thema bei uns.»

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Im Unterschied zum vergangenen Wochenende, als rund um die «Partybilder» aus der Steinenvorstadt hitzige Diskussionen stattfanden, scheint es am Donnerstag und Freitagabend über Auffahrt ruhig geblieben zu sein. Die Kolleg*innen von der «bz Basel» haben sich bereits früher in Basels Partymeile umgehört und festgestellt: Bewährungsprobe bestanden: Mehr Abstand in der Steinenvorstadt.

Wie die «Basler Zeitung» berichtet, wurde die «Büchli Bar» in der Steinenvorstadt aufgrund von Verstössen gegen die Corona-Auflagen vorübergehend polizeilich geschlossen. Die Barbetreiber wehren sich mit einem Schreiben auf Facebook und beklagen, zum Sündenbock aller Betriebe gemacht zu werden.