Passerelle am Bahnhof SBB

Provisorium bis mindestens 2050

Die neue Passerelle im Bahnhof SBB wird noch nicht wie gewünscht von der Bevölkerung angenommen. Weil es sich bei dem Projekt um ein Provisorium handelt, dürfen dort jedoch keine Geschäfte oder Cafés angesiedelt werden, um den Ort attraktiver zu machen.

Passerelle Bahnhof SBB
Gähnende Leere in der provisorischen Passerelle. (Bild: Dominik Asche)

Auf den Punkt:

  • Die «provisorische Passerelle» am SBB wird noch nicht von der Bevölkerung angenommen.
  • Das Provisorium ist für mindestens 25 Jahre geplant.
  • Geschäfte oder kulinarische Angebote sind dort nicht erlaubt, auch keine Pop-ups.

Nomen est Omen: Die «provisorische Passerelle» im SBB ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Sie soll in Betrieb bleiben, bis der geplante Tiefbahnhof gebaut wird. Das wird «voraussichtlich nach 2050 der Fall sein», wie die SBB-Mediensprecherin Carmen Hefti zu Bajour sagt. Die im Dezember eröffnete Passerelle sei ein temporärer Bau mit befristeten Genehmigungen. «Deswegen hat uns der Bund den Auftrag und die Genehmigung für den Bau einer Passerelle ohne Geschäfte erteilt», sagt Hefti. Auf Läden, Cafés oder Pop-ups können die Besuche*innen während des kommenden Vierteljahrhunderts daher nicht hoffen.

SBB-Gesamtprojektleiter Wolfgang Stolle sagte gegenüber der bz, dass die neue Passerelle «von der Bauweise auch hundert Jahre bestehen bleiben» könnte – es sei ungewiss, ob und wann der von der Region Basel gewünschte Tiefbahnhof komme. Das Provisorium könnte also mindestens 25 Jahre bestehen bleiben, ohne dass es dort ein kulinarisches Angebot oder andere Geschäfte gibt. Ob es so besser von den Besucher*innen angenommen wird, bleibt fraglich.

«Der Bund hat uns den Auftrag und die Genehmigung für den Bau einer Passerelle ohne Geschäfte erteilt.»
Carmen Hefti, SBB-Mediensprecherin

Ganz offensichtlich ist es aber auch nicht das Ziel der 60 Millionen Franken teuren und vom Bund finanzierten provisorischen Passerelle, die Verweildauer der Pendler*innen zu verbessern und einen attraktiven Aufenthaltsort am SBB zu schaffen. Sie dient allein dem Zweck, die bestehende und meist gut besuchte Passerelle zu entlasten. 

Ziel ist es, dass die Reisenden bis mindestens 2050 weiterhin sicher und pünktlich auf das gewünschte Perron oder zum gewünschten Ausgang gelangen, heisst es im Projektbeschrieb auf der SBB-Website. Die Hauptaufgänge und -abgänge der neuen 147 Meter langen und zehn Meter breiten, behindertengerechten Passerelle befinden sich im Süden bei der Meret Oppenheim-Strasse und im Norden beim Elsässerbahnhof auf dem Perron der Gleise 30 und 31. Von dort gelangen die Reisenden via Westflügel und Schalterhalle Richtung Innenstadt sowie zu den Trams und Bussen. 

«Die provisorische Passerelle wird langsam von mehr Personen genutzt.»
Carmen Hefti, SBB-Mediensprecherin

Einen Monat nach der Eröffnung wird die neue, alternative Passerelle noch nicht von der Bevölkerung angenommen. Hefti ist aber zuversichtlich: «Die provisorische Passerelle wird langsam von mehr Personen genutzt.» Ihr volles Potenzial habe sie jedoch noch nicht ausgeschöpft. «Erfahrungsgemäss dauert es ein wenig, bis man neue Wege und Gewohnheiten annimmt – insbesondere, wenn die bisher genutzten Wege, wie in diesem Fall die Hauptpasserelle, weiterhin bekannt und bequem sind.»

Sie verweist zudem darauf, dass im Rahmen des Projekts «Leistungssteigerung Basel SBB» aktuell noch Abschluss- und Umgebungsarbeiten stattfinden würden, wie zum Beispiel die Veloabstellplätze auf Seite Meret Oppenheim-Strasse. Auch sollen ​​die Wegleitung und Orientierung beim Westflügel und den Perronaufgängen zur Passerelle bis Ende April fertiggestellt werden. «Wir sind zuversichtlich, dass nach Abschluss dieser Arbeiten die Passerelle von mehr Personen genutzt wird», so Hefti. 

Vergleich mit Winterthur hinkt

Auch in Winterthur gab es am Bahnhof SBB eine provisorische Passerelle, die 2018 eröffnet und 2022 wieder abgebaut wurde. Beide Projekte lassen sich nicht wirklich miteinander vergleichen – zum einen wurden sie für eine unterschiedlichen Zeitdauer geplant, zum anderen wurde in Winterthur nach der Eröffnung der provisorischen Passerelle der vorherige Weg in Form einer Unterführung aufgrund von Bauarbeiten geschlossen. Moritz Weisskopf, Mediensprecher der SBB, sagt: «Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, die Passerelle wurde genutzt und von der Bevölkerung gut angenommen.»

Ob dies in Basel auch der Fall sein wird, wird sich zeigen, zumal alle anderen bisherigen Wege für die Besucher*innen weiterhin bestehen bleiben. Zeit genug, sich an die neue Passerelle am Basel SBB auch ohne Einkaufs- und Gastronomieangebot zu gewöhnen, hat die Bevölkerung allemal. 

Mitarbeit: Dominik Asche

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Valerie Wendenburg

Nach dem Studium, freier Mitarbeit bei der Berliner Morgenpost und einem Radio-Volontariat hat es Valerie 2002 nach Basel gezogen. Sie schreibt seit fast 20 Jahren für das Jüdische Wochenmagazin tachles und hat zwischenzeitlich einen Abstecher in die Kommunikation zur Gemeinde Bottmingen und terre des hommes schweiz gemacht. Aus Liebe zum Journalismus ist sie voll in die Branche zurückgekehrt und seit September 2023 Redaktorin bei Bajour. Im Basel Briefing sorgt sie mit ihrem «Buchclübli mit Vali» dafür, dass der Community (und ihr selbst) der Lesestoff nicht ausgeht.

Kommentare

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Florian Suter
Hausarzt im Ruhestand

Das ist so eine Sache mit Fotos …

Klar, die Entlastungs-Passerelle am Bahnhof SBB liegt nicht sehr attraktiv für Fahrgäste, die in die Innerstadt nach Basel wollen. Aber man kann, finde ich, durch ein Foto der gähnend leeren Passage ein wahrhaft tendenziöses Bild von der Passage suggerieren. Falls man sich die Mühe machte, nicht auf einen Moment gähnender Leere als Fotomotiv zu warten, sondern ein freundlicheres Foto zu machen (wie ich am 17. Dezember 2025 - ich wollte es nämlich auch wissen …), sähe man: Es geht zwar lange (noch?) nicht immer so zu wie im Dichtestress der Hauptpasserelle, aber es gibt doch dann und wann Leute, die die neue Passerelle benutzen (gerne hätte ich mein Foto hochgeladen … bloss: wie? Und wo?)