Provisorium bis mindestens 2050
Die neue Passerelle im Bahnhof SBB wird noch nicht wie gewünscht von der Bevölkerung angenommen. Weil es sich bei dem Projekt um ein Provisorium handelt, dürfen dort jedoch keine Geschäfte oder Cafés angesiedelt werden, um den Ort attraktiver zu machen.
Auf den Punkt:
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Nomen est Omen: Die «provisorische Passerelle» im SBB ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Sie soll in Betrieb bleiben, bis der geplante Tiefbahnhof gebaut wird. Das wird «voraussichtlich nach 2050 der Fall sein», wie die SBB-Mediensprecherin Carmen Hefti zu Bajour sagt. Die im Dezember eröffnete Passerelle sei ein temporärer Bau mit befristeten Genehmigungen. «Deswegen hat uns der Bund den Auftrag und die Genehmigung für den Bau einer Passerelle ohne Geschäfte erteilt», sagt Hefti. Auf Läden, Cafés oder Pop-ups können die Besuche*innen während des kommenden Vierteljahrhunderts daher nicht hoffen.
SBB-Gesamtprojektleiter Wolfgang Stolle sagte gegenüber der bz, dass die neue Passerelle «von der Bauweise auch hundert Jahre bestehen bleiben» könnte – es sei ungewiss, ob und wann der von der Region Basel gewünschte Tiefbahnhof komme. Das Provisorium könnte also mindestens 25 Jahre bestehen bleiben, ohne dass es dort ein kulinarisches Angebot oder andere Geschäfte gibt. Ob es so besser von den Besucher*innen angenommen wird, bleibt fraglich.
«Der Bund hat uns den Auftrag und die Genehmigung für den Bau einer Passerelle ohne Geschäfte erteilt.»Carmen Hefti, SBB-Mediensprecherin
Ganz offensichtlich ist es aber auch nicht das Ziel der 60 Millionen Franken teuren und vom Bund finanzierten provisorischen Passerelle, die Verweildauer der Pendler*innen zu verbessern und einen attraktiven Aufenthaltsort am SBB zu schaffen. Sie dient allein dem Zweck, die bestehende und meist gut besuchte Passerelle zu entlasten.
Ziel ist es, dass die Reisenden bis mindestens 2050 weiterhin sicher und pünktlich auf das gewünschte Perron oder zum gewünschten Ausgang gelangen, heisst es im Projektbeschrieb auf der SBB-Website. Die Hauptaufgänge und -abgänge der neuen 147 Meter langen und zehn Meter breiten, behindertengerechten Passerelle befinden sich im Süden bei der Meret Oppenheim-Strasse und im Norden beim Elsässerbahnhof auf dem Perron der Gleise 30 und 31. Von dort gelangen die Reisenden via Westflügel und Schalterhalle Richtung Innenstadt sowie zu den Trams und Bussen.
«Die provisorische Passerelle wird langsam von mehr Personen genutzt.»Carmen Hefti, SBB-Mediensprecherin
Einen Monat nach der Eröffnung wird die neue, alternative Passerelle noch nicht von der Bevölkerung angenommen. Hefti ist aber zuversichtlich: «Die provisorische Passerelle wird langsam von mehr Personen genutzt.» Ihr volles Potenzial habe sie jedoch noch nicht ausgeschöpft. «Erfahrungsgemäss dauert es ein wenig, bis man neue Wege und Gewohnheiten annimmt – insbesondere, wenn die bisher genutzten Wege, wie in diesem Fall die Hauptpasserelle, weiterhin bekannt und bequem sind.»
Sie verweist zudem darauf, dass im Rahmen des Projekts «Leistungssteigerung Basel SBB» aktuell noch Abschluss- und Umgebungsarbeiten stattfinden würden, wie zum Beispiel die Veloabstellplätze auf Seite Meret Oppenheim-Strasse. Auch sollen die Wegleitung und Orientierung beim Westflügel und den Perronaufgängen zur Passerelle bis Ende April fertiggestellt werden. «Wir sind zuversichtlich, dass nach Abschluss dieser Arbeiten die Passerelle von mehr Personen genutzt wird», so Hefti.
Vergleich mit Winterthur hinkt
Auch in Winterthur gab es am Bahnhof SBB eine provisorische Passerelle, die 2018 eröffnet und 2022 wieder abgebaut wurde. Beide Projekte lassen sich nicht wirklich miteinander vergleichen – zum einen wurden sie für eine unterschiedlichen Zeitdauer geplant, zum anderen wurde in Winterthur nach der Eröffnung der provisorischen Passerelle der vorherige Weg in Form einer Unterführung aufgrund von Bauarbeiten geschlossen. Moritz Weisskopf, Mediensprecher der SBB, sagt: «Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, die Passerelle wurde genutzt und von der Bevölkerung gut angenommen.»
Ob dies in Basel auch der Fall sein wird, wird sich zeigen, zumal alle anderen bisherigen Wege für die Besucher*innen weiterhin bestehen bleiben. Zeit genug, sich an die neue Passerelle am Basel SBB auch ohne Einkaufs- und Gastronomieangebot zu gewöhnen, hat die Bevölkerung allemal.
Mitarbeit: Dominik Asche