Soll der Cityring eine Autospur ans Velo abgeben?
Das Auto soll Platz machen: Auf dem Grossbasler Cityring sollen Velos und Busse künftig Vorrang haben. Dafür müsste eine Autospur gestrichen werden. Das hat das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) am Mittwoch angekündigt. Velofahrende sollen in einem ersten Schritt zwischen der Spitalstrasse und dem Spalentor breitere Velostreifen erhalten. Zudem bekommt die Buslinie 30 eine eigene Spur. Dafür fallen einzelne Abbiegespuren weg, und einige Strassen mit zwei Autospuren werden auf eine Spur reduziert. Laut Berechnungen des Kantons verlängern sich die Fahrzeiten für Autos «in einem verträglichen Rahmen». Der ACS beider Basel kritisiert die Pläne und kündigt Rekurs an. Er befürchtet mehr Stau, mehr Ausweichverkehr in den Quartieren und eine schlechtere Erreichbarkeit der Stadt. Zudem bemängelt der ACS, dass eine klare Gesamtplanung für die Velovorzugsrouten fehle.
Ja!
Der Entscheid ist überfällig, diese «Rennbahn» aus einer alten Fehlplanung zu besänftigen. Noch besser als eine Busspur auf dieser Strecke wären Tramgeleise, zusammen mit dem längst geforderten Johannitertram, um die frühere Ringlinie wieder herzustellen. Während das «Petersgrabentram» die Innenstadt nicht wirklich entlasten kann und nur neue Probleme schafft (Tramstau am Barfi; Fasnacht; Herbstmesse), würde hier eine echte Entlastung möglich. Die Buslinie 30 wird zwar Doppelgelenkbusse erhalten, aber sie werden auch mit einem 3.5-Minuten-Takt die Spitzenzeiten noch immer nicht bewältigen können.
Die geplanten Massnahmen bieten eine grosse Chance
Die Planungen am Cityring gehen auf einen politischen Auftrag zurück, den der Grosse Rat bereits vor sechs Jahren überwiesen hat. Der ACS hat selbstverständlich das Recht einen Rekurs einzureichen, aber das Vorhaben ist grundsätzlich demokratisch abgestützt. Wer die Situation vor Ort kennt, weiss: Der Bus steht auf dieser Strecke regelmässig im Stau – nicht selten reihen sich gleich mehrere Fahrzeuge hintereinander. Für Velofahrende ist die Strecke um Teil gefährlich. Die geplanten Massnahmen bieten daher eine grosse Chance es profitieren alle, die diese Busstrecke nutzen oder per Velo unterwegs sind. Und das ist ein erheblicher Teil der Bevölkerung: Nur rund ein Drittel der Baslerinnen und Basler besitzt überhaupt noch ein Auto.
Stauminuten oder Gesundheit, das ist hier die Frage
Ich persönlich fahre die Strecke Johanniterbrücke – Spalentor mehrmals die Woche. Entsprechend bin ich über die Vorlage sehr glücklich, weil diese Strecke für Velofahrende wenig Vergnügen, dafür aber mächtig Blech-Stress und reichlich passiv konsumierte Abgasen bietet, mit kaum Platz für Ausweichmanöver, sollte ein Auto mal ein Velo übersehen. Schlussendlich ist es eine Frage des Abwägens – was ist uns als Gesellschaft wichtiger: Etwas weniger Stauminuten für Autofahrende, oder aber pünktlichere ÖV und verbesserte Sicherheit für Velofahrende? Ein Blick auf die Strassenunfall-Karte von Basel zeigt uns übrigens: Allein in den letzten 15 Jahren gab es 14 Unfälle mit Beteiligung von Fahrrädern mit Schwerverletzten und einer mit Todesfolge zwischen Johanniterbrücke und Spalentor. Unfälle mit «nur» Sachschaden und Leichtverletzten waren es Dutzende.
Eine logische Massnahme, die längst hätte kommen dürfen
Bus und Velo zu beschleunigen macht flächeneffiziente Fortbewegung in unserer Stadt flüssiger, sicherer und schneller. Dass dies sinnvoll ist, steht ausser Frage. Gut, wird das endlich gemacht. Nichts Neues unter der Sonne: Dass unser Kanton den umweltfreundlichen Verkehr (also auch Bus und Velo) gemäss Gesetzesauftrag fördern und priorisieren muss, ignorieren die Autofans konstant.
Entlastung für die Innenstadt!
ich begrüsse diesen entscheid sehr. neben den argumenten von anima ineichen ist zentral: mit mehr sicherheit auf der cityring-spur für die velofahrenden wird diese strecke attraktiver, schneller. Schneller, als die chaotische Strecke durch die Innenstadt- - von velos viel befahren, mit den fussgängern, zuliefern und den wichtigen trams. Diese cityspur ist auch wichtig für die Innenstadt!
Ideologie statt Verkehrsfluss
Wer den Verkehr auf einer Hauptschlagader künstlich verknappt, produziert unweigerlich (noch mehr!) Stau. Dabei wird oft vergessen, dass Stauminuten in der Innenstadt keine blosse Unbequemlichkeit sind, sondern einen massiven ökonomischen Schaden darstellen. Wenn man den Cityring als Hauptachse verstopft, sucht sich der Verkehr zwangsläufig andere Wege. Der vom ACS völlig zu Recht befürchtete Ausweichverkehr verlagert das Problem lediglich in die Wohnquartiere/Nebenstrassen. Zudem werden blockierte Knotenpunkte (Spalentor, Johanniterbrücke, USB) den ÖV noch weiter einschränken und somit auch die Verkehrssicherheit sicher nicht verbessern. Diese Spurreduktion ist zu bekämpfen. Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden!
Die Zeiten ändern sich!
Der ACS und stellvertretend sein Geschäftsführer, Daniel Seiler, leben mobilitätsmässig im letzten Jahrhundert. Sie trauern der stadtquerenden Autobahn, in Basel City-Ring genannt, nach. Dabei sind heute IN der Stadt der ÖV, das Velo und die Füsse die nachhaltigsten Beförderungsmittel. Genau deshalb wird jetzt auch diese Verkehrsachse, als Stadtautobahn geplant, für die umweltgerechteren Mobilitätsträger angepasst. Das heisst im Klartext: als bisherige Autonutzende umsteigen oder mit dem Auto aussen rum. Westwärts über die Nordtangente Richtung Frankreich, die anderen Destinationen in den Süden und Osten via Osttangente zur N2 und N18.
Es fehlt an einer klaren und durchdachten Planung
Der Cityring gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen in Basel. Die Regierung anerkennt zwar das bestehende Stauproblem, schlägt aber gleichzeitig vor, eine Autospur zu reduzieren – das halte ich für problematisch. Die Problematik zeigt sich auch auf Autobahnen: Wird eine Spur gesperrt, kommt es häufig zu starkem Ausweichverkehr, etwa nach Birsfelden. Ein ähnlicher Effekt wäre auch auf dem Cityring zu erwarten, der gewissermassen als Verlängerung der Autobahn funktioniert. Insgesamt überzeugt mich das Vorgehen bei der Umsetzung der Velovorzugsroute nicht. Es fehlt an einer klaren und durchdachten Planung – ein Kritikpunkt, den ich bereits im Abstimmungskampf geäussert habe.
Blockadepolitik
Der City-Ring ist eine Hauptverkehrsachse. Solide Hauptverkehrsachsen sorgen für Entlastung in den Quartieren. Es ist deshalb absurd hier die Kapazitäten abzubauen und den MIV bewusst zu blockieren. Leider basiert die Linke Verkehrspolitik ausschliesslich auf solchen unsinnigen Blockaden. Mit dem Velo könnte man problemlos alternative Routen nutzen. Statt zu entflechten wird aber leider bewusst nur blockiert.