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Glücksort

Im Sunnebeedli Landluft und Sonne tanken

Das Sonnenbad St. Margarethen verzückt seit über hundert Jahren Gross und Klein.

Stephan Petersen

07/09/20, 04:19 AM

Aktualisiert 07/21/21, 02:56 AM

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Auch die Enten findens toll. (Foto: Yaël Debelle)

Auch die Enten findens toll. (Foto: Yaël Debelle)

Machen Orte glücklich? Ja, manche schon. Besonders, wenn sie so liebevoll beschrieben werden wie hier: Die Basler Journalistin Yaël Debelle hat zusammen mit Co-Autor Stephan Petersen 80 Glücksorte in Basel ausfindig gemacht und diese in einem einzigartigen Stadtführer versammelt. Das Buch erschien im September 2020 und landete auf der Bestseller-Liste.

Yaël Debelle starb vier Monate nach Erscheinen des Buches. Sie hatte einen besonderen Blick für das Schöne und Spezielle. Ihre Texte waren Bijous, die Basel zum Leuchten brachten. Zu Ehren einer der «talentiertesten Journalistinnen der Schweiz» («Tachles») schalten wir Yaëls 10 Lieblingsorte in Basel noch einmal auf. Und lassen uns von Yaël ein bisschen lichtes Sommerglück ins Herz tragen.

«Hüllälos Sünnälä». Das ist die Spezialität des Sonnenbades. Es gibt drei Séparées, eines für Herren und zwei für Damen, in denen Badehosen, Bikinis und Handys unerwünscht sind. Wie Gott uns schuf, lautet hier der Leitsatz – oder bräunen ohne die blöden Bikiniränder. Die Séparées sind umgeben von efeuumrankten Mauern, Margeriten blühen zwischen den Holzpritschen. Normalerweise kennt man solche Liegegestelle vom Gefängnis. Hier aber sind sie begehrt und beliebt: Unzählige Pritschen von anno dazumal dienen dem Aalen im Sonnenlicht. Wer richtig schwitzen will, wählt diejenigen an den Wänden, die Mauern reflektieren die Hitze gnadenlos.

1903 wurde das Bad gegründet, auf der grünen Ebene des Bruderholzes. Lange wurde es vom Verein für Volksgesundheit betrieben und hiess Luft-, Licht- und Sonnenbad. Es sollte der körperlichen Ertüchtigung und Erholung dienen. Noch heute stemmt ein Verein das historische Bijou, Freiwillige pflegen die Anlage mit den grünen, gelben und blauen Umziehkabinen aus Holz, dem schmucken Kassenhäuschen und den hundertjährigen Linden.

Hüllenlos sind die Menschen nur in den Séparées. Ansonsten ist das «Sunnebeedli» ein Familienbad, es wird gekreischt und gelacht, geplanscht und herumgetollt. Ruhezonen dienen den Erwachsenen zum Lesen und Dösen. Das Restaurant Sunnebeedli ist für alle offen, auch ohne Badeeintritt. Ein kühles Quöllfrisch-Bier im Strandkorb, ein Flammkuchen unter den Platanen – in der liebevoll bewirteten Gartenbeiz fühlt sich Essen und Trinken wie Urlaub an. Auf dem Heimweg lohnt sich ein kleiner Abstecher zu den Nachbarn des Sunnebeedli. Leo und Lörli, die beiden Hofkatzen des St. Margarethenguts, mögen Streicheleinheiten. Und die Kälber schlecken gerne minutenlang Menschenhände ab. Auf dem Hof wohnen rund 130 Kühe, Kälber und Rinder. Jeden Morgen werden die Kühe zu den Weiden gebracht. Ein Alpaufzug, nur 600 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, Landleben hoch über den Dächern der Stadt.

Wie kommst du da hin?

Sonnenbad St. Margarethen und Restaurant Sunnebeedli, Friedhofstrasse 9, 4102 Binningen.

ÖV: Tram 2 und Bus 36, Haltestelle Margarethen, 5 Minuten Fussweg.

Das Buch

Der Bestseller «Glücksorte in Basel. Fahr hin und werd glücklich» von Yaël Debelle und Stephan Petersen, Droste Verlag, Düsseldorf. Hier kannst du das Buch kaufen.

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