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Partnerschaft

Das Ansammeln ist Teil seiner DNA

Bajour empfiehlt die Kunsttage Basel – vier Tage lang Kulturabenteuer! Doch bei einem derart reichhaltigen Angebot kann einem schwindlig werden vor lauter Qual der Wahl. In Kooperation mit den Kunsttagen präsentieren dir drei Kenner*innen deshalb ihre persönliche Tour durch Museen, Galerien und Off-Spaces. Heute mit Galerist Stefan von Bartha.

08/31/22, 09:49 AM

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Stefan von Bartha

Stefan von Bartha

...und sein Team führen und kuratieren VON BARTHA an ihren zwei Standorten in Basel und Kopenhagen. Die Galerie wurde 1970 gegründet und präsentiert heute ein internationales Programm zeitgenössischer Positionen im Dialog mit der Moderne. 

Stefan von Barthas Stationen an den Kunsttagen

  1. Fondation Beyeler
  2. Filiale
  3. KBHG Stiftung
  4. Vitrine Gallery
  5. VON BARTHA

72 Stunden, 55 Standorte, 5 Favoriten, eine Tour! Am besten starten wir mit einem «All-Time-Classic»: der Fondation Beyeler in Riehen. Die aktuelle Ausstellung zu Piet Mondrian ist dank der Auswahl der Werke und Präsentation ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Künstlers. Selten hat mich eine Ausstellung derart begeistert! Man wird sich der Komplexität des Künstlers und seines Werkes erneut bewusst. 

Anschliessend bewegen wir uns in die Stadt, ins Kleinbasel in die Filiale. Die Geschichte des Kunstraums hat 1981 in Basel angefangen. Ein fantastisches Jahr, so ist es doch auch mein Geburtsjahr. Das Team hinter der Filiale hat eine Vielzahl wegweisender Projekte in der Stadt umgesetzt, aber meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit dafür erhalten. Ich werde auf jeden Fall die aktuelle Ausstellung besuchen und dieser Geschichtsträchtigen Adresse meinen Respekt zollen. 

Weiter geht es nun über die Johanniterbrücke zur KBHG Stiftung, welche für mich eine sehr persönliche und emotionale Ausstellung mit der Sammlung Transsylvanischer Keramiken und Stoffe meines Vaters zeigt. Die tiefe Bindung meines Vaters zu seiner Herkunft und Geschichte ist wenigen bewusst und diese Ausstellung bringt Vieles zum Vorschein, was in dieser Form zuvor noch nie gezeigt wurde. 

Eine wunderschöne Ansammlung – im Spirit von Carl Laszlo keine Sammlung, sondern Ansammlung – von grosser Handwerkskunst aus einer Region, welche heute unter einem ganz anderem Stern steht als damals. Das Ansammeln ist Teil unserer DNA. In der KBHG Stiftung bekommt man etwas zu sehen, was über Jahrzehnte anhand etlicher Besuche und Gespräche in Ungarn und Rumänien zusammengetragen wurde. Auch würde ich sehr das Buch zur Ausstellung empfehlen!

Mit diesem schweren Buch stechen wir nun rüber zur Vitrine Gallery und ihrem Basel Ableger beim Voltaplatz. Ein spezieller Raum für Basel mit grosser Wirkung, eine Vitrine. Zu den Kunsttagen findet sich hier die Ausstellung von Martin Chramosta. Eine Serie von Keramiken empfängt einen sprichwörtlich auf der Strasse. Die Werkgruppe ist während einer Residency im Instituto Svizzera in Rom entstanden und hat hier den Weg nach Hause, nach Basel gefunden. 

Die Keramiken stehen auch im Dialog mit einer Serie von Werken aus Metall. Mit der Distanz durch die Aussenbetrachtung wirken sie fast wie leichte Zeichnungen. Und wenn man nun noch Zeit und Lust hat, lohnt sich natürlich der Weg hoch an den Kannenfeldplatz zu unserer Galerie.

Bei VON BARTHA eröffnen wir während der Kunsttage eine neue Ausstellung mit dem Schweizer Künstler Boris Rebetez. In seinem Werk setzt sich Boris immer wieder vertieft mit den Themen Architektur, Material und dem damit verbunden Lebensraum auseinander.

Unsere Ausstellung bringt all diese Themenbereiche zusammen – Boris Rebetez' Präsentation bespielt den gesamten Raum. Der Besucher beginnt mit Wandreliefs und Kollagen und wird dann weiter zur neuen Videoarbeit «Place des Cubes» geführt. Ein Film über einen vergangenen Ort in Frankreich, eine Aufnahme von 24 Stunden und eine Stimmung, welche auf der einen Seite beruhigt, aber zugleich auch ein Gefühl von Unsicherheit über die Geschichte dieses Momentes herbeiruft.

Am Ende der Galerie befinden sich neue und unglaublich schöne Leuchtobjekte. Vieles lässt sich leicht in das Gesamtwerk von Boris Rebetez einordnen, doch die Ausstellung bietet auch viele neue und unerwartete Momente. Ich möchte aber nicht zu viel Preis geben, ein Besuch lohnt sich allemal und zwar bei allen 5 vorgestellten Orten. Und auch die weiteren 50 Stationen der Kunsttage Basel sind eine Reise wert!

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