Der tote Hebel spricht zu uns
Johann Peter Hebel war Dichter, Theologe und Pädagoge aus Basel. 2026 jährt sich sein Todestag zum 200. Mal. Die Hebelstiftung plant in diesem Jubiläumsjahr, Hebels Büste auf dem Petersplatz umzudrehen und durch Lautsprecher reden zu lassen. Wir haben nachgefragt, weshalb die Message des lang verstorbenen Aufklärers noch heute relevant ist.
Schräg gegenüber dem Peterskirchplatz, auf dem die Büste von Hebel steht, befindet sich das Café Hebel, dort treffen wir auf Sebastian Mattmüller, den Präsidenten der Hebelstiftung. Mattmüller steigt sofort ins Thema ein und erzählt von der Basler Hymne, die vor über 200 Jahren von dem von Heimweh-zerfressenen Hebel gedichtet wurde, als er fern von Basel lebte, mit der bekannten Anfangszeile «Z‘Basel an mim Rhi, jo dört möchti si!».
Davon sind heute unter anderem der FCB-Fangesang sowie auch der Fasnachtsmarsch inspiriert. Mattmüller, seit 2020 Präsident der Hebelstiftung, ist überzeugt, dass wir noch mehr von dem verstorbenen Dichter Johann Peter Hebel in unsere Zeit übertragen können.
Er spricht wieder zu uns
Aus langen Rohren mit trichterförmigen Lautsprechern sollen schon bald kurze Texte in verschiedenen Dialekten zu Hebels Werk erklingen. Damit das Gedankengut Hebels direkt aus dem Mund seiner Büste kommen kann, muss der Kopf des Dichters zuerst so gedreht werden, dass die Sprachrohre zu den Passant*innen gelangen.
Für das Konzept verantwortlich sind die Kulturvermittlerin Barbara Piatti und das Gestaltungsbüro Staufenegger + Partner. «Unser Anspruch ist Zugänglichkeit», sagt Mattmüller zur geplanten Installation.
Der Verfasser der 20-Minuten-Zeitung seiner Zeit
«Hebel war ein Vermittler», sagt Mattmüller. Seine Message hat Hebel unterhaltsam und unkompliziert in die damals beliebten «Kalendergeschichten» gepackt, die von einem breiten Publikum gelesen wurden, sozusagen wie die 20-Minuten-Zeitung heute.
Es geht in den kurzen dort publizierten Geschichten darum, sich nicht besser als die anderen zu fühlen und selber zu denken. «Das ist hochaktuell. Schauen Sie auf Social Media, da ist es oberflächlich und schnelllebig», sagt Mattmüller gestikulierend. Aus Hebels Lehren könnten wir in diesen Zeiten lernen, trotzdem genau hinzuschauen und zum Beispiel Vorurteile nicht blind zu übernehmen.
Die Mitarbeiterin des Café Hebel hört die Unterhaltung und zeigt uns eine Ausgabe von Hebels Kalendergeschichten aus dem Jahr 1808, die im Café ausliegt. In diesen Heften stehen neben lebensnahen Tipps auch in Geschichten verpackte Lebensweisheiten wie: «Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wer den Verstand nicht hat, sie zu nutzen».
«Wir wollen auch Leute erreichen, die nicht lesen.»Sebastian Mattmüller, Präsident der Hebelstiftung
2026 und niemand kennt mehr diesen Hebel
Hebel-Texte kämen nicht mehr vor in Schule oder Uni, sagt Mattmüller. Der frisch pensionierte Lehrer und Musiker findet das schade. Hebel sei als typischer Aufklärer doch sehr relevant. Bedeutende Schriftsteller wie Goethe oder die Gebrüder Grimm lobten seine alemannischen Gedichte und die lehrreichen Kurzgeschichten. Kurt Tucholsky empfahl die Lektüre von Hebels Texten «als Reinigungsbad für die Seele». Allerdings sind diese berühmten Fans von Hebel schon eine Weile unter der Erde.
Damit sich nun eine neue Generation, ausserhalb von Akademiker*innen-Kreisen, von dem Gedankengut des Aufklärers inspirieren lassen kann, nimmt die Stiftung dieses Jahr viel Geld in die Hand. «Wir geben Geld aus wie noch nie und wollen nun im Jubiläum auch Leute erreichen, die nicht lesen», führt Mattmüller weiter aus. Gelingen soll dies unter anderem durch eine aufwändige Installation auf dem Peterskirchplatz.
Weitere Veranstaltungen im «Hebeljahr»
Dieses Jahr ist zusätzlich zur Installation und deren festliche Einweihung am 15. April auch die Publikation des Sammelbandes «Hebel-Wirkungen», unter anderem mit Texten von Franz Hohler und der Schweizer Buchpreisträgerin Zora del Buono (Nimbus Verlag) geplant sowie ein Konzert der Männerstimmen Basel, die das Stück «Vergänglichkeit» von Hebel in der Peterskirche zu Uraufführung bringen.