Pflück dich durch die regionalen Felder
Ob im Wald, auf dem Selbstpflückfeld oder sogar mitten in der Stadt – der Frühling lädt dazu ein, ein Stückchen Natur mit nach Hause zu nehmen. Egal ob Deko basteln oder Kühlschrank füllen: Mit unseren Tipps findest du heraus, wo du aktuell fündig wirst und was du beim Selberpflücken beachten musst.
🌱Bärlauch
Das Wichtigste beim Sammeln von Bärlauch: Die richtigen Pflanzen erwischen. Die Verwechslung mit der hochgiftigen Herbstzeitlose kann tödlich enden, aber auch die Blätter von Maiglöckchen verursachen Bauchschmerzen. Deshalb solltest du dich unbedingt über die Unterschiede informieren, beispielsweise auf Tox Info Suisse, bevor du dich zum Sammeln aufmachst.
Am Besten ziehst du in den Wald los, um Bärlauch zu pflücken. In schattigen Gebieten in der Nähe eines Baches wächst er gleich flächendeckend.
Beim Pflücken gibt es eine Bärlauch-Knigge: Morgens ist die beste Erntezeit, da er in der Sonne leicht das Aroma verliert. Die Blätter soll man nicht einfach abreissen, sondern mit einem scharfen Messer oder einer Schere zwei bis drei Zentimeter über dem Boden abschneiden. Im Interesse der Regeneration der Pflanze sollte der Bärlauch nicht fleckenweise gerodet werden, sondern über die gesamte Fläche verteilt geerntet. Bärlauch ist empfindlich: Am schonendsten transportierst du ihn locker in einem Korb und schützt ihn mit einem feuchten Tuch vor dem Austrocknen.
Nicht nur die Blätter sind essbar: Die Blütenknospen kann man zu Bärlauch-Kapern einlegen, mit den Blumen lassen sich Gerichte dekorieren und die Samen können ähnlich wie Pfeffer gebraucht werden. Die Bärlauch-Hochsaison ist von März bis Mai – sobald er blüht, verliert er seinen Geschmack.
Unser Tipp: Bei einem Spaziergang im Allschwiler Wald vom Schiesstand bis nach Binningen bleibt kein Körbchen leer!
🌷Blumenfelder
Die Klassiker unter den Selber-Pflück-Spots sind die Blumenfelder. Dort kannst du dir den Blumenstrauss gleich selber zusammensuchen, dabei bieten die Felder eine breite Palette von saisonalen Arten an.
Die meisten Blumen mögen es, wenn man sie in Bodennähe schräg abschneidet. Die Ausnahme sind Zwiebelblumen wie Tulpen oder Narzissen – die sollten mit einem geraden Schnitt gepflückt werden. Dafür liegen bei den Blumenfeldern scharfe Messer bereit. Hast du deine Blumen zusammen, ist es am Besten, direkt nach Hause zu gehen. Notfalls kannst du die angeschnittenen Stängel in ein nasses Zeitungspapier wickeln, damit die Schnittfläche nicht austrocknet. Zuhause sollten sie nochmal angeschnitten und in eine saubere Vase gestellt werden. Die Blätter im Wasser musst du entfernen, da sie sonst schimmeln. Am längsten hast du etwas vom Strauss, wenn du das Wasser täglich wechselst und jeden Tag einen Zentimeter vom Stängel abschneidest. Expert*innentipp im Frühling: Stelle deinen Blumenstrauss über Nacht auf den Balkon, die kühle Luft verzögert das Welken der Blüten.
Mitte März beginnt die Saison auf den Blumenfeldern. Als erstes blühen Hyazinthen und Narzissen, im April kommen die Tulpen nach, gefolgt von Pfingstrosen.
Wir haben für dich die schönsten Blumenfelder gesammelt:
- Blumenfeld Bäumlihof, Allmendstrasse 72, 4058 Basel (März bis November)
- Blumenfeld Bruderholz, Oberer Batterieweg, 4103 Basel (März bis November)
- Blumenfeld Allschwil, Herrenweg 131, 4123 Allschwil (April bis November)
🍓Beeren
Mitte Mai geht es auf den Beerenfeldern der Region los, bis September kann gepflückt werden. Als erstes bereit sind die Erdbeeren, der Verkaufsschlager schlechthin – und ja, Erdbeeren gehören zu den Sammelnussfrüchten und sind daher keine «echten» Beeren, aber wir wollen hier nicht klugscheissern. Ab Juni sind die Johannisbeeren reif, gefolgt von Himbeeren Mitte des Monats und kurz darauf Heidelbeeren und Brombeeren.
Bezahlt wird nach Gewicht. Bekanntlich wird bei den Beeren, die es gar nie in den Korb geschafft haben, ein Auge zugedrückt. Aber bleib fair. Wähle die Beeren sorgfältig aus und pflücke nur solche, die wirklich bereit sind – in der Küche reifen sie nicht mehr nach. Nimm eigene Behälter mit, so kann an Verpackungsmaterial gespart werden. Am besten wählst du flache Körbe, sind sie zu tief, zerquetschen die Beeren unter ihrem eigenen Gewicht.
Beerenfelder in der Region:
- Wiesner Beeren- und Spargelkulturen, Beeriland, Mittleri Rüti 5, 4103 Bottmingen
- Kellerhals Beeren- und Obstkulturen, Kreuzfeldhof 21 F, 4414 Füllinsdorf
- Hof der Familie Haumüller, Wölferstrasse 40, 4414 Füllinsdorf
🍒Früchte
Einige Beerenfelder haben auch Obstkulturen, bei denen man die Früchte selbst pflücken kann. Kirschen sind schon Mitte Juni reif, das restliche Obst kann je nach Sorte in den Monaten danach geerntet werden. Vor dem Beeren- oder Obst-Pflücken lohnt sich ein morgendlicher Anruf beim Hof. Bei unsicherem Wetter oder zu kleinem Ertrag bleiben sie manchmal geschlossen.
Obstkulturen zum Selber-Pflücken:
- Kellerhals Beeren- und Obstkulturen, Kreuzfeldhof 21 F, 4414 Füllinsdorf (Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen)
- Obsthof Drechsle, Feldbergstraße 22, 79639 Grenzach-Wyhlen, DE (Äpfel, Aprikosen, Birnen, Mirabellen, Pfirsiche, Quitten, Zwetschgen)
- Hochstammobstgarten Bruderholz, Untere 20 Jucharten (Bruderholzrain/Kirschtalrain), 4102 Binningen (Äpfel, Birnen, Kirschen, Quitten, Zwetschgen)
🍆Gemüse
Auch ein Gemüsefeld zum Selberpflücken gibt es in der Region. Auf dem Augusterfeld in Füllinsdorf kannst du ab Juli Bohnen, Tomaten, Auberginen, Gurken, Zucchetti, Peperoni und Peperoncini ernten. In der Zwischenzeit, bis das Gemüse reif ist, gibt es ein Trostpflaster: Den grünen Spargel und Rhabarber vom Hof kannst du schon Mitte April kaufen.
Für ungeduldige Hobbygärtner*innen gibt es Gemüsesorten, die jetzt im März noch im Hochbeet, auf dem Balkonkasten oder im Garten ausgesät werden können.
Diese Gemüsesorten sind besonders für Anfänger*innen geeignet:
- Erbsen – fühlen sich in der Sonne oder im Halbschatten wohl
- Radieschen – am besten in lockere, feuchte Erde in der Sonne oder Halbschatten
- Karotten – mögen sandige Böden und Sonne, wachsen aber auch im Halbschatten
- Salate – mögens gern warm, wähle also ein Fleckchen mit viel Sonne
- Zwiebeln – mögen trockene Erde in der Sonne
Mit etwas Beet-Erfahrung kannst du dich an diesen versuchen:
- Kohl – mag den Standort in der Sonne
- Lauch – wächst in der Sonne oder im Halbschatten
- Pastinaken – geben sich auch mit Halbschatten zufrieden, mögen feuchte Erde
- Spinat – fühlt sich an einem gut durchlüfteten Ort in der Sonne wohl
- Tomaten – wollen an den sonnigsten Ort deines Gartens oder Balkons
Wer gar keinen grünen Daumen hat, für den sind saisonale Gemüseboxen etwas – wir haben sie für euch verglichen.
🌼Stadtpflanzen
Man muss gar nicht aufs Land fahren, um den Kühlschrank mit Gesammeltem zu füllen – auch in der Stadt kannst du dich bedienen. Dabei gibt es einige Dinge zu beachten:
Der oberste Grundsatz lautet immer: Bist du dir nicht wirklich sicher, was du vor dir hast, dann lass es stehen. Vergewissere dich, dass du dich nicht auf geschütztem oder privatem Boden befindest. Ausserdem solltest du darauf achten, dass du aufgrund der Schadstoffbelastung zehn Meter Abstand zur Strasse einhältst. Pflücke nur, was auch wirklich reif ist und hamstere nicht gleich ganze Fundorte leer, das setzt den Pflanzen zu sehr zu.
Was kann in der Stadt alles gepflückt werden? Unsere Auswahl:
Frühling
- Linden: Von April bis Juni kannst du die jungen Lindenblätter pflücken. Sie schmecken leicht nussig und haben kaum Bitterstoffe. Du kannst sie roh in den Salat mischen oder die etwas grösseren Blätter füllen. Zu lange sollte man mit dem Pflücken nicht warten – werden die Blätter zu gross, sind sie zäh. Die Blüten im Frühsommer eigenen sich für Tee.
- Löwenzahn: Oft als Unkraut verschrien, findet man Löwenzahn in der Stadt auf Grünstreifen, am Wegrand oder im Park. Die gesamte Pflanze, inklusive der Wurzel im Winter, ist essbar. Er blüht von April bis Juni – sind die Blüten noch gelb, hat er weniger Bitterstoffe. Aus den Blüten lässt sich Löwenzahnhonig kochen, die Blätter eignen sich als Salat.
Sommer
- Holunder: Der Strauch blüht von Mai bis Juni. Der Klassiker unter den Rezepten mit Holunderblüten ist Sirup oder Gelee. Die Holunderbeeren wachsen im Herbst, sind roh aber giftig und müssen erst gut durchgekocht werden, zum Beispiel zu Konfitüre. Ausserdem hat der Holunderstrauch viele giftige Zwillinge, also lieber Vorsicht walten lassen!
- Sammelsurium an Blüten: Viele Blüten sind essbar! Besonders im Sommer gibt es unzählige, die man in der Stadt sammeln kann. Während Rosen oder Lavendel einen starken Eigengeschmack haben und sich gut in erfrischenden Getränken machen, sind andere eher mild. Kornblumen, Klatschmohn, Malven und Co lassen sich einfach trocknen und das ganze Jahr über als Deko für Gerichte brauchen.
Herbst
- Hagebutte: Die roten Beeren der Rosensträucher können vom September bis November gepflückt werden. Idealerweise hatten sie schon den ersten Frost, dann sind sie süsser. Unbedingt sollten die Kerne und Härchen im Inneren entfernt werden – sie lösen Juckreiz aus. Mit der Hagenbuttenkonfitüre lassen sich Kekse oder Linzertorten machen, die Früchte können aber auch roh gegessen oder als Tee getrunken werden.
- Nüsse: Wal- und Haselnüsse fallen zwischen September und Oktober vom Baum, dann können sie gesammelt und getrocknet oder weiterverarbeitet werden. Aus den Walnüssen lässt sich Pesto machen, Haselnüsse lassen sich auf viele Arten verbacken.
Winter
Brennessel: Junge Brennesselblätter können das ganze Jahr über gepflückt werden, an sonnigen Orten treiben sie sogar in milden Wintern aus. Die jungen Triebe können als Tee getrunken werden. Die Blätter kann man ähnlich wie Spinat dünsten oder als Suppe geniessen. Wichtig: Der Name der Brennessel ist Programm, deshalb vor der Zubereitung unbedingt die Blätter mit dem Nudelholz überrollen – so werden die Nesseln zerstört.
Gänseblümchen: Gänseblümchen blühen sogar unter dem Schnee. Die Blüten wie Blätter sind essbar und machen sich gut als Dekoration auf dem Salat oder der Suppe.
📍Tipps zum Schluss
Auf der Seite Mundraub zeichnen Nutzer*innen Fundorte ein, bei denen man sich bedienen darf. So kommt eine interaktive Europakarte mit Nutzbäumen und Kräuterpflanzen auf öffentlichem Grund zusammen. Auf der Seite kann man sich Tipps zur Ernte holen, über die gefundenen Pflanzen informieren und passende Rezepte entdecken. In Basel sieht die Karte noch etwas karg aus, wer also im Alltag über Fundorte stolpert – gerne ergänzen!
Eine ähnliche Mission verfolgt Meinobstgarten. Menschen, die einen Überschuss an Obstbäumen haben oder sich nicht um diese kümmern können, zeichnen ihre Bäume in der Karte ein. So geben sie ihr Einverständnis, dass man sich am Obst bedienen darf oder sich dafür mit den Besitzer*innen absprechen kann. Verzeichnet sind die jeweiligen Sorten der Früchte und der Zeitraum der Ernte.