Frauen in den 3E

«Es ist schon lange an der Zeit»

Beim Kleinbasler Brauch Vogel Gryff wurden erstmals Frauen in die Reihen der Drei Ehrengesellschaften aufgenommen. Eine der beiden Frauen ist Emélie Dunn. Wir haben sie getroffen und gefragt, wieso sie in der Männerdomäne mitmachen möchte und ob die Tradition nun gleichberechtigter wird.

Vogelgryff 2026
Die 32-Jährige Juristin Emélie Dunn ist im Vorstand der Grünen Basel-Stadt. (Bild: Dominik Asche)

Emélie Dunn, Sie sind eine der ersten Frauen in dieser sehr alten Tradition. Wie fühlt sich das an?

Ich freue mich extrem auf diesen Tag. Ich habe auch riesigen Respekt. Ich nehme das nicht locker, weil es eine Tradition ist, die schon so lange zurückgeht. Ich bin stolz, dass ich Teil davon sein darf.

Welche Rolle haben der Vogel Gryff und die Drei Ehrengesellschaften (3E) in der Vergangenheit für Sie gespielt?

Ich bin in Basel geboren. Ich wohne seit eh und je da. Ich bin in das Peters-Schulhaus zur Schule gegangen und dort waren die alten Brauchtümer schon immer von grosser Bedeutung. Wir sind wie wahrscheinlich jede Primarklasse schon immer an den Vogel Gryff gegangen. Und jetzt, wo ich seit Langem wieder im Kleinbasel wohne, fühle ich mich extrem verbunden zum Vogel Gryff.

Wie viel Überwindung hat es Sie gekostet, sich als Frau bei den 3E anzumelden?

Ich glaube nicht, dass es für mich spezifisch als Frau Überwindung gekostet hat, sondern mehr, weil ich Respekt vor dem Brauchtum habe. Ich wurde ermutigt und dann habe ich mir das noch einmal überlegt. Dann fand ich, das passt für mich, das ist das Richtige.

Vogelgryff 2026
Dunn wurde von Freunden zur Anmeldung ermutigt. (Bild: Dominik Asche)

Anscheinend gab es innerhalb der 3E gemischte Reaktion dazu, dass nun Frauen aufgenommen werden. Haben Sie das mitbekommen? 

Ich habe es mitbekommen, vor allem vom letztjährigen Gryffemählil, wo wieder kontrovers darüber gesprochen wurde, als angekündigt wurde, dass vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahr Frauen aufgenommen werden würden. Aber so ist es halt überall im Leben, wenn es um Veränderungen geht. Es gibt gewisse Menschen, die nicht gut damit umgehen können. Ich sehe es deshalb eher so, dass gewisse Menschen vielleicht eher Probleme haben mit Veränderungen und nicht unbedingt mit Frauen. Hoffentlich.

Was ändert das jetzt für den Vogel Gryff, dass jetzt Frauen dabei sind?

Ich glaube nichts. Also wieso auch?

Wir haben am Bärentag, dem Alternativprogramm des Vogel Gryff, die Aufnahme von zwei Frauen angesprochen. Es ist in der Antwort darauf der Begriff «Women's Washing» gefallen. Sind Sie jetzt die Quotenfrau in dieser Männerdomäne?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich glaube, es braucht einfach einen gewissen Push, bis sich mehr Frauen anmelden werden. Ich möchte nicht glauben, dass man jetzt versucht, das für ein «Women’s Washing» zu benutzen. Ich habe mit vielen in den 3E Kontakt und die freuen sich alle extrem darauf. Man macht das, weil man merkt: Es reicht. Es ist an der Zeit, schon lange.

Aber sind nun zwei Frauen im Gegensatz zu 450 Männern nicht nur einen Tropfen auf den heissen Stein?

Schauen wir es so an: Es sind 450 Männer, die zum Teil seit Ewigkeiten dabei sind. Seit fünf Jahren können sich nun Frauen anmelden. Da gibt es einen längeren Prozess, weil man nur aufgenommen wird, wenn Leute wegziehen oder sterben. Ich habe mich dann auch nicht sofort angemeldet. Wie bei allem im Wandel braucht es jetzt Zeit.

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Das Kostüm des Vogel Gryff wiegt 38 Kilogramm und wurde bisher ausschliesslich von Männern getragen. (Bild: Dominik Asche)

Warum sollen sich noch mehr Frauen bei den 3E anmelden?

Wir sollten repräsentieren, dass wir mindestens 50 Prozent der Gesellschaft sind.

Haben Sie Tipps für Frauen, die sich in Zukunft anmelden wollen?

Nein, macht es, wenn ihr Freude habt. Wenn euch der Brauchtum irgendwie am Herzen liegt. Ich würde mich extrem freuen, wenn mehr Frauen am Gryffemähli teilnehmen würden.

Vogelgryff 2026
Dunn wurde Mitglied bei der Ehrengesellschaft zum Greifen. (Bild: Dominik Asche)
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Dominik Asche machte eine Lehre bei Radio X in Basel. Als Digital Produzent baute er in verschiedenen Unternehmen Social Media Accounts mit auf. Die Ausbildung zum Pressefotografen am MAZ brachten ihn zurück in den Journalismus. Als Multimedia Journalist zu Bajour.

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