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Feiermuffel Corona

Und der Partydruck steigt

Über die Ostertage winkt schönstes Wetter. Die Sehnsucht nach Feiern steigt, doch Corona vermiest die Frühlingsgefühle. Basler*innen erzählen, wie sie mit diesem Zwiespalt umgehen.

03/31/21, 04:21 PM

Aktualisiert 03/31/21, 04:21 PM

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Freiheit, wir sehnen uns nach dir.

Freiheit, wir sehnen uns nach dir. (Foto: Valerie Zeiser)

Nie war der Partydruck grösser: Einfach mal Musik aufdrehen und mit Freund*innen die Nacht durchtanzen. Oder am Rheinboard abhängen, grillieren, neue Leute kennenlernen. Nach dem langen Winter die Stadt zurückerobern, den Kopf durchlüften, sich frei fühlen. 

Aber: Corona. Die steigenden Ansteckungszahlen vermiesen uns die Frühlingsgefühle und die Partyabenteuer. Und das jetzt schon zum zweiten Mal. 

Für die Menschen wird es immer schwieriger, die 15-Personenregel einzuhalten. Letztes Wochenende brannte es vor dem Basler Nordstern. In St. Gallen kam es zu Zusammenstössen zwischen Jugendlichen und der Polizei

Wir wollten wissen: Wie gehen die Basler*innen mit dem Druck um? Wir waren nach Feierabend am Rhein und haben nachgefragt. 

«Wir sind vergleichsweise privilegiert.»

Louisa, 27

Electra (37) und Louisa (27) kommen einigermassen gut zurecht mit der Situation. Sie sitzen auf einer Bank unterhalb des Hotel Merian und geniessen die Abensonne. «Wenigstens ist das Leben schon sozialer als vor einem Monat» sagt Electra. Und Louisa ergänzt: «Wir sind im Vergleich zu anderen Ländern sehr privilegiert, wir können wenigstens raus». Aber so richtig «raus» gehen sie abends nur zum Joggen. Das hat wenig mit feiern zu tun.  «Vor Corona gingen wir oft Salsa tanzen, das fehlt uns sehr.»

Rheinaufwärts treffe ich auf eine Gruppe Jugendlicher. Anders als Louisa und Electra gehen sie durchaus noch raus am Abend. «Wir treffen uns häufig am Hafen», erzählt mir der Älteste, nennen wir ihn Leo, und lehnt sich ans Geländer der Rheinpromenade. «Am Hafen ist es nicht so stressig.»

Die Polizei würde zwar öfters vorbeifahren, «mit ihren Teslas», sagt er und grinst breit, «aber sie greifen nicht ein. Was wollen sie schon machen?», sagt er und schaut fragend in die Runde. Die Kolleg*innen nicken. «Eigentlich würden wir gerne mal wieder ins Nordi», sagt sein Kollege. «Vielleicht im Sommer. Aber ich erwarte nicht viel.» 

Vor dem Kaffee-Mobil der Mitte nähe Wettsteinbrücke sitzt ein junges Pärchen auf der Bank. «Wir sind zufrieden», sagt sie, trotz Corona. «Wir kochen am Abend viel und geniessen die Sonne.» Auch ihn stört es nicht gross, dass im Moment kein Ausgang möglich ist. «Eigentlich warte ich vor allem darauf, bis die Schwimmbäder wieder aufmachen», sagt er. «Es wäre aber auch schön, wenn wir im Sommer ins Restaurant könnten», findet sie. «Wider mol mit Kollege in d Staine ein go zieh.»

«Irgendwie findet man Lösungen.»

Gishani, 17

Gleich ein paar Meter weiter sitzen eine Mutter und ihre Tochter auf einer Bank. Die zwei lächeln so herzlich, dass ich sie direkt anspreche. Was machen sie im Moment, wenn man sich nicht mit anderen treffen kann? «Spazieren und Vitamin D tanken», sagt die Mutter und setzt ihre Sonnenbrille auf. «Das tut extrem gut.» Ihre Tochter sagt: «Wir hatten genug schlechtes Wetter für dieses Jahr.» Der Ausgang am Abend sei den beiden gar nicht so wichtig, «Ich würde einfach gerne wieder arbeiten können», erzählt mir die Mutter, die einen Job  in einem Fitnesszentrum hat. Die Studios sind ebenso geschlossen wie die Beizen. 

Ich mache mich wieder auf den Weg zurück Richtung Mittlere Brücke. Am Wasser sitzt Gishani (17) mit ihrer gleichaltrigen Kollegin. Sie haben gerade Schulferien. Die beiden gehen nicht oft in den Ausgang, hoffen aber im Sommer auf bessere Lösungen. «Irgendwie gehen die Jugendlichen ja doch raus abends und feiern, einfach eingeschränkt halt», sagt Gishani. «Irgendwie findet man Lösungen», fügt ihre Kollegin an. 

Das werden wohl viele, denn das Wetter ist über Ostern halbwegs okay. Und das Leben lockt. 

Das Osterwetter in Basel: Verlockend.

Das Osterwetter in Basel: Verlockend. (Foto: meteoblue.ch)

Testen Testen Testen

Aber wie gesagt: Die Ansteckungszahlen steigen und der Impfstoff ist noch knapp. Derweil geben Politik und Wissenschaftler*innen Durchhalteparolen durch und zeigen Verständnis für die Coronamüdigkeit der Menschen. Und es gibt Hoffnung, dass die Menschen im Sommer wieder mehr Freiheiten haben.

So zeigt sich der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, hoffnungsfroh, dank Massentests und Impfungen: «Ich gehe davon aus, dass ab April präventiv Tests so verbreitet sein werden, dass wir eine wirkliche Testoffensive haben, die sich dämpfend auf die dritte Welle auswirken wird», sagte er der Sonntagszeitung. Ausserdem ist der Mitte-Politiker optimistisch, «dass wir für die Sommerferien eine gute Durchimpfung haben werden, die wieder viele Freiheiten zulässt».

Und auch Infektiologe Manuel Battegay rät eher zu vorsichtigen, schrittweisen Lockerungen als zu weiteren Verschärfungen: «Mehr Massnahmen nützen nichts, wenn die Leute nicht mehr mitmachen», sagte er im Interview mit dem «Blick». Jetzt brauche es einen Modus, bei dem die Menschen wieder eine aktive Rolle bekommen, «dann werden die nötigen Massnahmen auch besser eingehalten, bis genügend Menschen geimpft sind».

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