Stören dich die vielen Demos in der Innenstadt?

Stören dich die vielen Demos in der Stadt?

Die Kantonspolizei hat die Demonstrationsstatistik 2025 veröffentlicht. «Mehr Kundgebungen als Tage im Jahr» titelt die BaZ mit Verweis auf die Gesamtzahl von 394 Kundgebungen (86 unbewilligt). Allerdings werden da auch Standkundgebungen und Mahnwachen dazugerechnet – Demonstrationen, die sich durch die Innenstadt bewegen, wurden 2025 68 Stück gezählt (19 mehr als im Vorjahr). Zum Vergleich: 2022 fanden über 100 Kundgebungen weniger statt, es gab aber fast gleich viele Demonstrationen (69). Der starke Anstieg an Kundgebungen in den vergangenen Jahren ist also vor allem auf Standkundgebungen und Mahnwachen zurückzuführen. Dennoch wird derzeit viel über die Demonstrationszüge in der Innenstadt diskutiert. Die prekäre Lage der Kurd*innen in Syrien/Rojava mobilisiert in Basel, wo es eine grosse kurdische Community gibt. Laut Prime News hat es in den vergangenen 20 Tagen sieben Demos dazu gegeben – mit teils längeren Blockaden und Störungen, wie die Basler Verkehrsbetriebe bestätigen.

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David Rutschmann
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Dan Wiener
29. Januar 2026 um 17:19

Was nützen Demos grundsätzlich?

Im Prinzip stören mich die Demos kaum, aber ich frage mich prinzipiell, was diese Demos überhaupt bringen. Sind sie jeweils ein kollektiver Ausdruck von Wut? Aufmerksamkeit bekommen? Die Reaktion der Leute, die den Demos direkt begegnen, ist meist negativ. Zudem nützen die Demos denjenigen, für die demonstriert wird, nichts. Also wenn schon Demo, wäre etwas mehr Phantasie gefragt. Etwas, das mehr bringen würde, als die ewigen Transparente, das Schreien von Losungen im Chor, das Blockieren von Verkehr oder gar Kämpfe mit der Polizei, die als Feindbild für alles herhalten muss. Fazit: Ohne jede Ironie und ganz nüchtern betrachtet, sind Demos in der klassischen Form meist überflüssig. Das ist kein Grund sie zu verbieten oder einzuschränken. Es ist aber ein Aufruf an die Demonstrations-Organisator:innen, sich mehr zu hinterfragen und originellere und weniger destruktive Formen des Protestes zu entwickeln.

Johannes Reh
31. Januar 2026 um 09:53

Solidarisieren oder Selbstinszenieren?

Wenn ich in meinem Freundeskreis frage, wieso sie an Demos gehen, wird oft mit schwammigen Begriffen wie «solidarisieren» und «Zeichen setzen» um sich geworfen. Die Frage, ob dies den Betroffenen in irgendeiner Weise hilft, wird gar nicht gern gehört. Mir scheint es sich in erster Linie um Selbstdarstellung zu handeln, die nicht hinterfragt werden darf.

Abgesehen davon ist die Heuchlerei überwältigend. Wir sind die armen Opfer, die von der Staatsgewalt unterdrückt werden. Die SVP und den Marsch fürs Läbe (von denen ich sehr wenig halte) zu bedrohen ist aber ganz ok.

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Beatrice Isler-Schmid
29. Januar 2026 um 18:28

Kontraproduktiv

Alles, was zu viel gemacht wird, nutzt sich ab und ist kontraproduktiv und schadet dem berechtigten Thema, verwässert die Botschaft. Weniger ist mehr, wäre die Devise. Und wenn, dann friedlich, denn Sachbeschädigungen und Schmierereien sowie Blockieren des Verkehrs oder Kämpfe mit der Polizei stehen im krassen Gegensatz zur demokratischen Freiheit des Demonstrierens.

Julia
30. Januar 2026 um 05:30

Keine Rücksicht

Ich frage mich wirklich, was der Zweck hinter so Demonstrationen ist. Die Demos hier in Basel bringen den Menschen in diesen Ländern einfach nichts. Dafür gibt es Menschen, die genau dann nach einem 10-stündigen Arbeitstag auf dem Weg nach Hause sind und mit Ausfällen und Umleitungen noch später zu Hause ankommen als geplant. Das ist dann scho frustrierend, denn man kann nichts dafür. Im Januar ist das extrem. 7 Demos in 20 Tagen!

Jürg Schrank
31. Januar 2026 um 11:50

Die vielen Demos in der Stadt – total kontraproduktiv!

Eine Planung der täglichen Aktivitäten ist in letzter Zeit unmöglich geworden (Arztbesuche, Teilnahme an Meetings, Einkäufe, Reisen im ÖV etc.). Der ÖV wird blockiert. Viele Straßen können während längerer Zeit nicht überquert werden. Das Einhalten von Terminen wird dadurch häufig verunmöglicht.

Dazu kommt noch, dass mich der Inhalt der Demos überhaupt nicht interessiert. Über politische und gesellschaftliche Themen orientiere ich mich jeweils in den Medien – und zwar dann, wenn mich etwas wirklich interessiert. Ich lasse mir mir die Meinung hierzu nicht aufzwingen.

Luzi Jenny
30. Januar 2026 um 12:01

Verantwortung der Medien?

Es ist leider so, die meisten Anliegen der Demonstrierenden werden nicht gehört. Das hat aber auch einiges mit der Berichterstattung – auch von bajour! – zu tun: Bleibt es friedlich, kommt gar nichts; gibt es Krawall, wird darüber berichtet – oft ohne überhaupt zu erwähnen, um was es geht. Auch heute schreibt bajour gerade mal 2 Sätze über die kurdischen Demonstrationen. Kein Wort darüber, wie es den vielen Basler*innen mit kurdischen Wurzeln geht. Eine kurdische Nachbarin sagt, sie könne nur noch weinen und beten – darüber schreibt niemand. Das sind unsere Nachbarn, es geht uns hochgradig etwas an! Auch was das Wiedererstarken des IS für die Frauen, die Demokratie und die Minderheiten in Nordsyrien bedeutet. Leider sind die letzten griffigen Artikel schon ordenlich alt, z.B.: https://bajour.ch/a/rojava-demonstrationen-in-den-basler-medien:-erst-kommt-das-fressen. Für Basel wäre es wichtig, dass da umfassender berichtet wird und bajour hätte die Möglichkeit dazu. Bitte nutzen!

Steffi
29. Januar 2026 um 18:13

Gut, dass wir noch demonstrieren können

Wenn ich einer Demo wegen nicht meine gewohnten Wege gehen kann, stört es mich vielleicht im Augenblick. Aber grundsätzlich ist das Demonstrationsrecht ein hohes Gut. Ob jede Demo den gewünschten Effekt hat oder nicht die ewig nörgelnden und frustrierten MitbürgerInnen nur in ihren Vorurteilen gegen Andersdenkenden bestärkt? Ich weiss es nicht.

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Christian Mueller
Aktivist

Nein

Immer wenn ich warten muss, denke ich: Wir haben es gut. Wir dürfen demonstrieren, ohne Angst zu haben. Die Zeit nutze ich dann, über Freiheit nachzudenken und den vielen Hasskommentaren auf BaZ.ch und Facebook etwas anständiges entgegenzuhalten.

Moritz Zimmer
30. Januar 2026 um 09:21

Erlaubt ist, was nicht stört?

Erschreckend, welche Argumente gegen ein demokratisches Grundrecht salonfähig geworden sind. Herzliche Grüsse aus Minnesota!

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