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Pick-e-Bike

Haben Pick-e-Bike-Diebstähle zugenommen? Keine Spur

Pick-e-Bike entsperren und los geht’s durch die ganze Stadt? Leider nein. Klybeck, Kleinhüningen und entlang der Grenze sind No Go-Zonen für die Mietvelos. Klauende Grenzgänger*innen? Vandalismus? Wir wollten wissen, warum.

08/27/21, 03:00 AM

Aktualisiert 08/27/21, 08:09 AM

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Sie nennen sowas «Geschäftsleitungs-Treffen». Jedenfalls will Auswärts-Bajour-Mitarbeiter Hansi Voigt nach Znacht und besprochenen Traktanden im Gästezimmer bei Bajour-Geschäftsführer Valentin Ismail in seiner Wohnung im Hafengebiet übernachten. Sein gemietetes Pick-e-Bike will Hansi vor Ismails Haus abstellen. Doch: Das Elektrovelo lässt sich nachts um 1 Uhr nicht abstellen. Die Fahrt mit dem Vehikel kann nicht beendet, sondern lediglich unterbrochen werden. Hansi ists Wurst. Er denkt an einen Bedienungsfehler, den es morgen den Picke-Bike-Leuten zu melden gilt. Müde senkt er sein Haupt auf Ismails Kissen.

Falsch gedacht. Ein Blick auf die Pick-e-Bike-Karte auf dem Handy hätte genügt. Das ganze Klybeck und in Kleinhüningen sind No Go-Zonen: Mietvelos können hier nicht abgestellt werden. Ebensowenig entlang der Grenze zu Frankreich und zu Deutschland.

Hier können die Pick-E-Bikes abgestellt werden. Klybeck und Kleinhühnigen sind No Go-Zonen.

Hier können die Pick-E-Bikes abgestellt werden. Klybeck und Kleinhühnigen sind No Go-Zonen. (Foto: Bajour)

Warum kann man die E-Bikes nicht auf dem ganzen Stadtgebiet nutzen? Und weshalb sind Klybeck und Kleinhünigen Sperrzonen?

Anruf bei Stephan Brode, Pick-e-Bike-Geschäftsführer. Warum können am Hafen keine E-Bikes abgestellt werden? «Das Hafengebiet ist unübersichtlich und daher schwer zu überwachen. Insbesondere an den Wochenenden wurden dort Rennen gefahren und nachweislich Vandalismus betrieben», sagt Stefan Brode.

Soviel zum Hafengebiet. Dass es aber im Klybeck und in Kleinhüningen keine Elektrovelos gibt, sei eine komplett willkürlich gezogene Linie, sagt der Geschäftsführer. «Das hat nichts mit allfälligem Vandalismus in dieser Region zu tun.» Sie hätten einfach eine begrenzte Anzahl E-Bikes und könnten diese nicht dem ganzen Kantonsgebiet zur Verfügung stellen. Die Nachfrage nach Elektrovelos sei im Klybeck und in Kleinhüningen auch nie besonders hoch gewesen, erklärt Brode noch.

Der Geschäftsführer meint, dass entgegen allfälliger Vorurteile der Vandalismus im Kleinbasel nicht höher sei als im Grossbasel. Die meisten Vandalismus- und Diebstahlfälle hätten sie am Anfang ihrer Geschäftsgeschichte 2018 in Arlesheim gehabt, meint Brode. 

Einen grundsätzlichen Anstieg von Vandalismus oder Diebstählen hätten sie nicht verzeichnet, das käme immer in Wellen, sagt der Pick-e-Bike-Geschäftsführer. «Es wäre natürlich einfacher, wie gewisse Zeitungen einfach einer Bevölkerungsgruppe die Schuld in die Schuhe zu schieben, aber so einfach ist es nicht. Das zeigt gerade das Beispiel mit Arlesheim.» Brode spielt auf den Titel des BaZ-Artikels ​​«Nordafrikanische Banden klauen E-Bikes in der Nordwestschweiz» an. Brode sagt: «Diese Beobachtung haben wir nicht gemacht. Und wirkliche Zahlen dazu gibt es ja auch nicht.»

Vandalismus könne überall vorkommen, fügt er weiter an. In Gebiete um Schulen dürfe man auch häufig keine Pick-e-Bikes abschliessen, in Parkanlagen auch nicht. «Das sind Vandalismus-Brennpunkte. Besonders an den Wochenenden kam es dort besonders häufig zu Zerstörungen an unseren Bikes.»

Dennoch sind die Grenzgebiete zu Frankreich und Deutschland automatisch vom System ausgeschlossen. Das gelte nicht nur für Basel, sondern sei in der ganzen Schweiz so, muss Brode zugeben: «An irgendeinem Punkt müssen wir ja die Grenzen ziehen, wo wir keine E-Bikes mehr anbieten, und diese im tiefsten Industriegebiet zu ziehen, würde keinen Sinn ergeben.»

Diese Grenzen seien jedoch nicht in Stein gemeisselt. Er könne sich vorstellen, dass das Angebot auch noch auf das Klybeck und Kleinhüningen ausgeweitet wird. Das Einzugsgebiet werde seit Jahren stetig vergrössert.

Hansi fuhr am nächsten Morgen mit dem über Nacht abgestellten Bike zum Bahnhof. Pick-e-Bike hat ihm dafür 279 Franken abgebucht. Nach einem kurzen Telefonat gab’s dann 270 Franken zurück. Offensichtlich ist den Pike-E-Biker*innen nicht nur eine gewisse Gelassenheit, sondern auch eine hohe Kulanz zu eigen.

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