You’ll never walk alone – was du tun kannst, wenn du ein ungutes Gefühl hast

Wie du dich in Basel auf deinem Heimweg begleiten lassen kannst und welche Rolle die Polizei dabei spielt.

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Eine wichtige Bemerkung vorab: Es ist nicht die Verantwortung potenzieller Opfer, Übergriffe jeglicher Art zu verhindern. Schuld sind immer die Täter*innen. Tatsache ist aber, dass es Situationen gibt, in denen man sich unsicher fühlt und etwas dagegen unternehmen möchte. Was tun in Basel?

Wir haben da nachgefragt, wo man sich mit gefährlichen Situationen auskennt: Bei der Polizei. Bei Gefahr oder einer verdächtigen Beobachtung solle man unbedingt die Notrufnummer 117 wählen, sagt Polizeisprecher Martin Schütz auf Anfrage. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einsatzzentrale sind geschult, Schilderungen und Sachverhalte einzuordnen und umgehend die richtigen Massnahmen einzuleiten.»

Die Polizei sei aber nicht ausschliesslich für Notfälle da: «Personen, die sich ohne konkrete Gründe auf dem Heimweg unsicher fühlen, können die Kantonspolizei selbstverständlich auch kontaktieren. Auch in diesen Fällen können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Situation analysieren und Ratschläge geben.»

Versicherung springt in die Bresche

Eine telefonische Heimwegbegleitung, wie man sie aus Deutschland oder Schweden kennt, könne die Kantonspolizei aber nicht anbieten – ihr fehlen die personellen Ressourcen. «Die Einsatzzentrale muss bei Notfällen jederzeit reagieren können», sagt Schütz.

Seit November kann in der Schweiz die App «WayGuard» gratis heruntergeladen und kostenlos genutzt werden. Die App soll die Begleitung auf dem Heimweg bieten, die die Polizei oder oft auch das private Umfeld nicht leisten kann. Laut der AXA-Versicherung, die die App entwickelt hat, haben sich mehr als 16'000 Nutzer*innen in der Schweiz dafür angemeldet. 

Die App ermöglicht es, sich von Bekannten oder vom WayGuard-Team virtuell begleiten zu lassen. Die Begleitperson sieht via GPS-Tracking in Echtzeit die aktuelle Position und kann im Ernstfall den Notruf verständigen. Gemäss der AXA-Versicherung werden in der Schweiz die meisten Begleitungen ohne telefonischen Kontakt, also nur via Standortübertragung durchgeführt. Wenn zum Telefon gegriffen wird, rufen die meisten lieber eigene Bekannte an, als das WayGuard-Team.

Sicherheitsgefühl versus Datenschutz

Auch via App ist es möglich, mit einem Alarmknopf einen Notruf zu tätigen. In diesem Fall wird das WayGuard-Team angerufen, das Hilfestellungen bietet oder sich mit Blaulichtorganisationen in Verbindung setzt. Warum die Schweizer Polizei nicht nur begeistert vom Angebot ist, hat Watson erklärt.

Bajour hat bei AXA-Mediensprecherin Marion Bahnholzer nachgefragt, was es mit der App auf sich hat:

Bei der Registrierung muss ich meine Handynummer angeben. Bekomme ich jetzt AXA-Werbeanrufe?

«Nein. Die Handynummern werden derzeit ausschliesslich für die WayGuard-App genutzt.»

Derzeit?

«Derzeit ist nichts dergleichen geplant. Grundsätzlich wäre es aber möglich, mit entsprechender Einwilligung der Nutzer die Handynummern für Marketingzwecke zu verwenden.»

Wer sind die Personen in der Leitzentrale, wie sind sie ausgebildet?

«Das Team WayGuard besteht aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der grössten privaten Notruf- und Serviceleitstellen Deutschlands. Sie sind speziell dafür geschult, andere professionell zu begleiten und in unangenehmen Situationen für sie da zu sein. Die Mitarbeiter erhalten gezielte Schulungen. Das Team bearbeitet auch für grosse Autohersteller in Deutschland die sogenannten eCalls, die durch automatische Notrufsysteme in Autos ausgelöst werden. Es  ist daher im Umgang mit Stresssituationen des Anrufenden aus der täglichen Arbeit vertraut.»

Welche Sprachen sprechen die Personen in der Zentrale, die das Telefon bedienen?

«Die App ist vorerst nur in Deutsch verfügbar.»

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