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Gefeierte Superspreader

07/23/20, 09:34 AM

Superspreader-League statt Super League?

Superspreader-League statt Super League? (Foto: Keystone)

Tagelang wurde die junge Frau, die in Grenchen trotz positiven Corona-Befundes an eine Party ging, durch Boulevardpresse und Newsportale gezogen. «Rücksichtslos» war noch eines der netteren Worte, die in den hunderten Kommentaren zu den Artikeln über die Frau zu lesen waren. 

Ganz anders hingegen der Auftritt des grossen FCB. Nur Stunden vor Anpfiff des Spiels in St. Gallen gab der Club bekannt, dass einer ihrer Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden sei und sich in Quarantäne begeben habe. Amtlich – nämlich vom Kantonsarzt – abgesegnet, könne der Rest des Teams um die wichtigen drei Punkte im Kampf um Platz zwei der Super League kämpfen. Und kämpfen heisst nicht nur die im Fussball nötigen Zweikämpfe, sondern auch die eher unnötigen Freudentänze und Umarmungen nach den Toren – und davon gab es bekanntlich gestern mehr als genug.

Journalismus mit Haltung?

Bajour.

Es ist also durchaus möglich, dass schon bald die halbe FCB-Mannschaft und im dümmsten Fall auch Spieler des Gegners positiv auf das Coronavirus getestet werden, auch der Fahrer des Mannschaftsbusses und weitere Staffmitglieder dürften sich eines Risikos ausgesetzt haben. Und deren Familien. Und die Klassenkamerad*innen deren Kinder. So funktioniert das Virus.

Fragwürdige Vorbilder

Aber darum geht es gar nicht; die Menschen, die Kontakt hatten untereinander sind identifizierbar, die Ansteckungsketten könnten im schlimmsten Fall nachvollzogen und unterbrochen werden und nicht zuletzt sind junge fitte Sportler vermutlich nicht besonders gefährdet. 

Viel schlimmer ist das Zeichen, das die Vorbilder in Rotblau gesetzt haben. Oder das Zeichen, das der Kantonsarzt die Vorbilder setzen liess. So ein bisschen à la: War ja nur einer und er hatte keine Symptome, war zuletzt nicht mal im Kader, die anderen waren ja negativ und ein bisschen Jubel und umarmen nach einem Tor gehört doch dazu. Und zwar nicht ausgesprochen, aber unterschwellig auch: Jetzt tut mal nicht so.