Bereitet uns die Schule genug aufs Leben vor?
Wie steht’s um die finanzielle Bildung in den Schulen? Die Jungfreisinnigen BL finden: ungenügend. Viele junge Menschen würden die Schule verlassen, ohne vertieftes Wissen in Steuern oder Altersvorsorge zu haben. Die Jungfreisinnigen BL fordern deshalb in einer Petition eine jährliche Lerneinheit zu diesen Themen auf Sekundarstufe I. Das Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» im Rahmen des Lehrplan 21 hat zwar heute schon zum Ziel, Jugendlichen die «alltägliche Lebensführung» zu lehren und eine ZHAW-Studie kam letztes Jahr gemäss SRF zum Schluss, das Finanzwissen von Schweizer*innen sei zwar gut, aber ausbaufähig. Auffallend: Personen mit höherer Schulbildung erzielten insgesamt «signifikant bessere Ergebnisse als jene mit niedrigerem Bildungsniveau», so die Studie. Und: Jüngere Altersgruppen schnitten im Durchschnitt schlechter ab als ältere. Ausgehend davon fragen wir heute grundsätzlich nach der schulischen Vorbereitung auf das Erwachsenenleben.
Unter dem Diktat der Ökonomisierung bereitet die Schule auf das Funktionieren als Rädchen der Wirtschaft vor. Dabei vernachlässigt sie die allgemeine Menschenbildung.
Schade, habt Ihr kein "jein"
Ich kann weder ja noch nein sagen. Ob die Schule die Kinder gut vorbereitet, kommt auch auf die Lehrperson an, auf das Zwischenmenschliche zwischen Kinder und Lehrpersonen. Wir dürfen nicht vergessen, dass eigentlich auch die Eltern die Pflicht haben, ihre Kinder "lebensfähig" zu erziehen und zu selbständigem Denken, selbständigen Handeln zu bringen. Man kann nicht immer alles auf die Schule abschieben. Grad bei den Finanzen: da haben wir einfach den Kindern gelernt, wie man mit Sackgeld umgeht und ein Kassenbüchlein dazu führt, etc.
Und die Eltern?
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass immer mehr Themen und Anliegen an die Schulen delegiert werden. Wo bleiben die Eltern? Sind es nicht in erster Linie diese, die Kinder aufs Leben vorbereiten sollen?
Weniger ist mehr
Als Mutter von drei Teenagern durfte ich die Sek dreimal „mitleben“. Meine Erfahrung ist die, dass die meisten Fächer zu tief ins Detail gehen und vor allem in Mathe ein Niveau verlangt wird, das die meisten Schüler*innen nie mehr brauchen werden. Stoff und Wissen, das wieder verfliegt, sobald die entsprechenden Prüfungen abgelegt sind. Ich würde es sehr begrüssen, wenn die Schule ein paar Stunden für das praktische Wissen im Leben, wie eben Steuern, KK, Versicherungen usw. zur Verfügung stellen würde, damit die Jugendlichen sich schon einmal damit auseinandersetzen mussten und später zumindest wissen, von was die Rede ist.
Theater, Philosophie, Literatur und Sprache
Wenn ich lerne, wie ich mit Geld umgehen soll, aber keines habe, nützt mir das wenig. Und warum soll die Schule alle Defizite auffangen? Wenn schon Fächer ausbauen, würde ich Theater, Philosophie und Literatur/Sprache ausbauen, nach Wahl dazu auch Gestalten und Musik. Da entwickeln die Kinder ihre Persönlichkeit und lernen mit Emotionen umzugehen. Emotionen sind wichtig und die haben alle ;-).
Nein
Leider schult und die Schule nur Teilweise. Als Theaterpädagoge von Schulklassen und in der Arbeit als Sozialarbeiter stosse ich leider immerwieder auf dieses Thema. Aber Altersvorsorge reicht bei weitem nicht: Infos zu Mietrecht, Scheidungsrecht, Kindererziehung, Gesundheitswesen (Krankenkassen), IV, EL, Kredite, Schulden, Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit fehlen oft komplett. Wenn jemand einen guten Lohn hat, ist vieles kein Problem, Defizite im Wissen, werden durch Geld gedeckt, wenn die Finanzen aber knapp sind, fehlt grundlegendes Wissen in vielen Bereichen. Aber hauptsache, die MINT Fächer werden gefördert, obwohl kaum jemand dann dies auch studiert. Die Wirtschaft will es so und ihre Parteien setzen es um.
Nicht aufs Leben
Es gibt Kinder mit Interessen und Begabungen in MINT, im Musischen, im Handwerklichen oder im Sport. Diese Berufsrichtung werden sie dann entsprechend einschlagen und sich gezielt darin weiterbilden. Und verzweifeln fast, wenn sie für Schulfächer lernen müssen, die ihnen überhaupt nicht liegen. Da wird meines Erachtens zuviel auf "Allgemeinbildung" gepocht, die man dann im Leben/Beruf nicht braucht. Die "Ausbildung" fürs Leben fehlt allerdings: der Umgang mit Geld im Allgemeinen, Vorsorge, Krankenkasse, Steuerklärung, etc. (s. Katalog von Christian Mueller). Das könnte man jeweils an direkten Beispielen bestens veranschaulichen - in jeder Familie gibt es dazu Erfahrungen.
Wie wird es sein, wenn das Leben bildet?
Schule mit einem Anwesenheitszwang gehört zur „Zuvielisation“. Sie macht Menschen lebensfeindlich und wenig bewusst zu Objekten irgendwelcher Interessen. Wie es einmal war und nicht mehr sein kann. Frei sich bilden stärkt Autonomie und Selbstverantwortung. Lebensfreundlich auf der Basis von Bedürfnissen und Potenzialen des Subjekts. Mit seiner sozialen Verbundenheit für eine Gemeinschaft. Dabei werden Finanzen und Geld menschen- und naturgerecht sowie professionell zweckmässig als ein Teil der materiellen Welt bewirtschaftet.
Just do it!
Es gibt bereits Konzepte in Schulen, die Schüler:innen auf das Leben im 21. Jahrhundert vorbereitet. Der Freiday und das Ideenbüro Schweiz bieten genau diesen Raum, um wichtige Zukunftskompetenzen wie Selbstorganisation, Teamarbeit, kreatives Problemlösen und demokratisches Handeln zu entwickeln. Durch eigene Projekte übernehmen Schüler:innen Verantwortung und sammeln wertvolle Erfahrungen, die über den Schulalltag hinausgehen. Das Ideenbüro Schweiz fördert das Demokratie-Lernen, indem Schüler:innen Herausforderungen gemeinsam lösen und ihre Schule aktiv mitgestalten. Mehr dazu unter https://frei-day.org/ und https://www.ideenbuero.ch/