Braucht Basel die Durchmesserlinie wirklich?
Das Herzstück-Herzensprojekt von Esther Keller und Isaac Reber hatte nach dem im Herbst veröffentlichten Bericht von ETH-Professor Ulrich Weidmann in Bundesbern einen schweren Stand. Kurz darauf stampften die Baudirektor*innen der beiden Basel eine überarbeitete Projektidee aus dem Boden: die Durchmesserlinie. Eine unterirdische Direktverbindung zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof. Diese abgespeckte Variante für 7 Milliarden Franken erhielt diesmal auch das «Go» aus Bern. Doch der Zug gerät schon wieder ins Stocken. Erster Halt: Referendum. Mit 2244 gültigen Stimmen bringt nun die Partei der Arbeit (PdA) Basel das Projekt vors Volk. Ein entsprechender Eintrag war am Mittwoch im Kantonsblatt zu lesen. Am 7. Januar 2026 bewilligte der Grosse Rat weitere Arbeiten am Bahnknoten Basel. Der Regierungsrat beantragte dafür 3,6 Millionen Franken für Planungen rund um den Bahnknoten Basel, mitunter 850’000 für «Lobbying in Bundesbern». Die PdA bezeichnet die Durchmesserlinie auf ihrer Webseite als «unsinnig» und spricht von «sinnlos verschwendeten Millionenbeträgen». Jetzt entscheidet die Basler Stimmbevölkerung.
Das Nadelöhr zwischen dem Margarethen- und dem Tüllingerhügel behindert den internationalen Personen- und Güterverkehr. Die nötige Kapazitätserweiterung ist nur unterirdisch möglich. Die S-Bahn dort fahren zu lassen macht die zeitraubenden Spitzkehren unnötig und erhöht damit zudem die Kapazität der Bahnhöfe.
Mit der Durchmesserlinie das Dreiland verbinden
Das Herzstück Regio-S-Bahn erhöht die Effizienz im Bahn-System und ist das zentrale Projekt zur Vernetzung der nationalen Bahnnetze der trinationalen Region Basel. Seine Realisierung ist die Voraussetzung dafür, dass die heute untereinander nur unzulänglich verbundenen Regionalverkehrslinien in der Nordwestschweiz, in Südbaden und im Elsass zusammenwachsen und zu einem echten S-Bahnnetz mit Durchmesserlinien werden. Das Herzstück nützt Bevölkerung und Wirtschaft in der Nordwestschweiz und im Dreiland und trägt zu einer gesunden Entwicklung der Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsräume unserer Region bei.
Umverteilung für wenige oder Mehrwert für viele?
Eine Verkehrsplanung vor allem aus Basler Sicht wird es wohl weiterhin kaum bringen können. So war beispielsweise während der letzten 20 Jahre eine S-Bahnstation Morgartenring nie wirklich ein Thema. Sie kann in Kombination mit Busverbindungen im Gegensatz zur 8er- und anderen Tramverlängerungen real mögliche Lösungen für viele Allschwiler und für Schönenbüchler sowie auch für Elsässer Gemeinden bieten. Und auch für das Bachgrabengebiet wären Direktbusse ab der S-Bahnstation Morgartenring eine Lösung. Hoffentlich wird es jetzt dafür jetzt nicht zu spät! Denn stattdessen redet man weiterhin nur vom Autobahnzubringer und der Tramverlängerung Bachgraben vom St. Johann aus. Was wird in einigen Jahren sein, wenn sich dort der aktuelle Büro- und Laborleerstand von um die 30% nicht reduziert? Wird dann der Bund noch 600 Millionen für die Bachgrabenerschliessung hinblättern? Bitte hört endlich auf mit dem Sandburgen bauen. Schafft Mehrwert für viele und stoppt die Umverteilung für wenige.
Perspektive: funktionierendes S-Bahn-Netz
Für eine zukunftsfähige Mobilität braucht die Region eine S-Bahn, die diesen Namen verdient. Ohne Durchmesserlinie ist ein solches, sinnvolles regionale Bahnnetz nicht realisierbar. Für eine umweltfreundliche und effiziente Mobilität braucht es dringend Investitionen in den ÖV - das heisst es braucht die längs fällige Weiterentwicklung des Tramnetzes genauso wie den Ausbau der Eisenbahn. Nur so erreichen wir auch die Dekarbonisierungsziele und kommen dem gesetzlichen Auftrag nach, den umweltfreundlichen Verkehr zu fördern.
Kein Schuss ins eigene Bein! / JA zum Ausbau des Bahnknotens
Die Region Basel hat sich nun jahrelang in Bern intensiv dafür eingesetzt, dass der Bahnknoten in Basel ausgebaut wird. Aus gutem Grund: denn in Sachen S-Bahn haben wir Jahrzehnte Rückstand gegenüber anderen Regionen. Mit der heutigen Infrastruktur sind weitere Taktverdichtung kaum möglich. Nun will der Bundesrat 1,6 Milliarden Franken in Basel investieren, um mit dem Bau einer Durchmesserlinie zwischen Basel SBB und Badischem Bahhof zu beginnen. Jetzt gilt es, sich nicht ins eigene Bein zu schiessen. Lehnen wir mit dem Referendum diesen Kredit ab, dann ist das Signal klar: Basel will gar keinen S-Bahn-Ausbau. Andere Regionen würden sich freuen. Das Geld würde dann einfach in ihre Projekte fliessen. Schon allein deswegen muss dieses Referendum wuchtig bachab geschickt werden. Stimmen wir klar JA zum Ausbau des Bahnknotens!
Wieso will Basel eine U-Bahn?
Grosse Städte brauchen grosse Projekte. U-Bahnen sind für Millionenstädte. Nun ja. So gross ist Basel gar nicht. Wäre es nicht einfacher und praktischer einfach die S-Bahn auszubauen? Oberirdisch, zeitnah und bezahlbar? Die könnten wir zu Lebzeiten noch benutzen.
Partei des Autos?
Um auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Passagen des Kontinents eine möglichst ökologische Mobilität aufzubauen, braucht es eine Entflechtung des Regionalverkehrs in Basel und einen Ausbau des ÖV. Wie soll der Verkehr sonst von Nord nach Süd fliessen, genau, am Ende haben wir einen Ausbau der Strassenkapazität, wenn wir Güter und Menschen nicht auf die Schienen bringen können.