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Pleiten, Pech & Pannen aus 1000 Briefings

Durchzechte Nächte, Albträume und vergessene Wecker

Briefer*innen aus Vergangenheit und Gegenwart berichten von besonderen, lustigen, müden und adrenalingeladenen Momenten beim Basel-Briefing-Schreiben. Hier sind die Anekdoten.

12/29/23, 01:00 AM

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Das tausendste Basel Briefing ist heute bei unseren Briefing-Abonnent*innen ins Mail-Postfach geflattert.

Das tausendste Basel Briefing ist heute bei unseren Briefing-Abonnent*innen ins Mail-Postfach geflattert. (Foto: Collage Bajour)

Samuel erlebt einen Sinneswandel

Samuel: Ich bin zu Bajour gekommen, weil ich so richtig Bock hatte auf modernen Online-Journalismus. Und dann sah das Konzept einen «exzellenten Newsletter» vor. Was für eine bescheuerte Idee, im Jahr 19 nach der Jahrtausendwende auf die Uralt-Technologie E-Mail zu setzen (looking at you Matthias Zehnder & Hansi Voigt). Der Plan: Wir machen es kurz und schmerzlos und so gut, dass uns später niemand vorwerfen kann, es nicht mit maximalem Einsatz probiert zu haben. Die erfahrensten Journalist*innen im Team sollten ran, Andrea und ich, jeweils abwechselnd morgens um 4 aufstehen, schreiben, abschicken und dann ins Büro. Sechs bis acht Wochen durchhalten, um dann festzustellen: funktioniert nicht, braucht niemand, lasst uns etwas Modernes machen. Was dann kam, ist Geschichte: Am 22. Januar 2020 verschickte Andrea das erste Basel-Briefing. Nach sechs Wochen hatten wir nicht die geplanten 1000, sondern doppelt so viele Abonnent*innen, im Sommer waren es bereits 4000 und gegen Jahresende 5500. Und so ging es weiter und vom E-Mail-Gegner wurde ich zum E-Mail-Jünger, denn was beim Basel Briefing funktionierte, hat auch beim FCB-Briefing funktioniert und dürfte auch beim jüngsten Spross, dem Fasnachts-Briefing, funktionieren.

So entwickelten sich die Briefing-Abonnent*innen-Zahlen.

So entwickelten sich die Briefing-Abonnent*innen-Zahlen.

Marguerite entlarvt sich als Aargauerin

Vor zweieinhalb Jahren – mitten im ersten Corona-Jahr – war ich, im Homeoffice sitzend, festes Mitglied der Bajour-Redaktion. Die Kombination aus jahrelanger Zürcher Prägung, Basler Wurzeln und einem Aargauer Mischmasch sowie die Tatsache, absolut KEIN Morgenmensch zu sein, verleitete mich dazu, in einem Briefing schlaftrunken über die Manor-Massenentlassung zu berichten – aber, oh wehe!, statt von “Rhybrugg” von “Vilan” zu schreiben.

Kaum hatte ich auf “Senden” gedrückt, fluteten mir erzürnte Basler:innen die Mailbox. Wir einigten uns jedoch konstruktiv und gütlich darauf, dass ich Besserung gelobe, mir dafür aber die Briefing-Leser:innen und Gärngscheeler:innen sprachliche Integrationshilfe bieten würden. Das ganze Tohuwabohu resultierte meinerseits in einem massiv erweiterten Wortschatz – und für Bajour in einem, wie ich immer noch finde, recht witzigen Artikel.

PS: yyyyyyy! Liebe Grüsse aus Zürich!

Daniel und der Skihütten-Unfall

1000 Mal Basel Briefing. Donnerwetter! Meistens kam es pünktlich, ein paar Mal verspätet – und ein einziges Mal gar nicht. An dem Tag war ich dran. Es war Ende Dezember. Ich war mit Freund*innen in einer Skihütte und dachte, so ein Briefing, das schreibe ich dort aus dem Handgelenk. Falsch gedacht. Einen Tag vor dem Termin waren wir Schlitteln und ich habe mir bei einem sehr coolen, filmreifen Überholmanöver inklusive Abflug die Schulter verstaucht, meinte ich erst. Aber sie war dann doch gebrochen. So lag ich am Tag X frühmorgens im Bett, der Wecker klingelte, aber ich konnte den Arm nicht bewegen. Was hätte ich tun sollen, das Briefing mit der Nasenspitze tippen? Es kam also kein Briefing an diesem Tag. Tippen musste ich später doch noch, denn ich musste sehr viele entrüstete Mails beantworten («wo ist das Briefing!?»). Meinem Team sagte ich kleinlaut, ich hätte es vergessen. Peinlich. Nehmt euch in Acht beim Schlittenfahren. Das ist saugefährlich.

David wird von der Deutschen Bahn im Stich gelassen

17./18. November 2022. In der Nacht soll ich mein erstes Probebriefing schreiben. Das machen neue Briefing-Schreiber-Aspirant*innen zur Übung und es wird nur an das Bajour-Team verschickt. Den Abend verbringe ich in der Kabar an einem Apero für junge Journalist*innen. Ernst spricht mir Mut zu. Etwas zu spät mache ich mich auf den Weg zum Badischen Bahnhof, denn zu dieser Zeit habe ich noch keine Wohnung in Basel. Dort muss ich panisch feststellen, dass die Deutsche Bahn mich mal wieder im Stich gelassen hat und mein letzter Zug in die deutsche Heimat bereits abgefahren ist. No other way als ins Bajour-Büro, um dort mein Probebriefing zu schreiben. Eine kurze Pause zum Dösen vor der grossen Arbeit gönne ich mir auf dem schwarzen Ledersofa und decke mich gegen die Kälte mit Andreas Woll-Cardigan zu. Doch trotz des wenigen Schlafs macht mir das Briefingschreiben Spass. Nachdem ich es um 7 Uhr abgeschickt habe, verlasse ich das Büro, bevor die Redaktion eintrudelt. Um halb 9 bin ich zuhause im Bett.

Valis Albtraum vom verschlafenen Briefing

Mit einem Briefing bin ich total gescheitert, aber zum Glück nur im (Alb)traum. Ich habe geträumt, ich wäre abends neben meiner Tochter beim Vorlesen eingeschlafen, obwohl ich doch eigentlich in der Nacht das Briefing schreiben müsste. So bin ich eines Nachts aus meinem Traum aufgeschreckt und ein Blick auf den Wecker sagte: 5.05 Uhr. Noch im Halbschlaf habe ich überlegt, was ich in einer knappen Stunde nun überhaupt noch retten bzw. schreiben könnte? Da dämmerte mir, dass ich gar kein Briefing hatte. Einschlafen konnte ich nach dem Schock am frühen Morgen nicht mehr. Seitdem stelle ich mir immer einen Wecker auf 22 Uhr, wenn ein Briefing von Vali auf dem Dienstplan steht. Sicher ist sicher …

Inas tatsächlich verschlafenes Briefing

Ich schrecke hoch, es ist 7 Uhr. Eigentlich sollte das Briefing jetzt schon in den Maileingang von Tausenden Abonnent*innen flattern. Tut es aber nicht, denn ich bin mit dem Briefing dran … und habe verschlafen! Vor lauter Schock renne ich erst einmal von Raum zu Raum in meiner Wohnung. «Verschlafen! Ich habe verschlafen! Warum? Was mach ich jetzt? O Gott …» Es ist zu viel Adrenalin, ich kann keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn mich ruhig an den Laptop setzen. Ich schreibe, immer noch durch die Wohnung tigernd, in den Bajour-Chat, entschuldige mich. Fränzi ruft mich an, bleibt zum Glück ganz gelassen und setzt mich quasi durchs Telefon sanft auf meinen Schreibtischstuhl. Wir informieren in einem Tweet über die Verspätung und ich haue so schnell in die Tasten, wie meine zitternden Hände es zulassen. Fränzi schreibt parallel noch zwei Kurznews, und so schaffen wir es, das Briefing immerhin um 9 Uhr zu verschicken. Der Schock sitzt bis heute tief. Sich zu erinnern, ist schmerzhaft. Wie konnte das passieren? Ich habe nach der Briefing-Vorbereitungsnacht schlicht vergessen, einen Wecker für die kurze Nacht zu stellen. Einmal und nicht wieder.

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