Ein Verein, der am liebsten unnütz wär

Heute vor 40 Jahren wurde der Schwarze Peter – Verein für Gassenarbeit gegründet. Dass noch immer so grosser Bedarf für Gassenhilfe bestehe, sei im Grunde sehr traurig, meint Co-Geschäftsführer Michel Steiner, und träumt von einer Zukunft, in der es den Schwarzen Peter nicht mehr braucht.

2022 gasse
Der Verein Schwarzer Peter leistet seit jeher aufsuchende Sozialarbeit. (Bild: Schwarzer Peter / zVg)

Schon seit jeher leistet der Schwarze Peter – Verein für Gassenarbeit aufsuchende Sozialarbeit im öffentlichen Raum Basels. Das heisst, er besucht mehrmals wöchentlich Menschen auf der Strasse, führt Gespräche und baut Kontakte auf.

Der Schwarze Peter bietet heute Orientierungshilfe, Information, Krisen- und Soforthilfe, Beistand, Beratung, Vermittlung und Begleitung und stellt den Menschen auf der Gasse eine Meldeadresse zur Verfügung. Es sind dort über 300 Personen angemeldet.

Der Anfang des Vereins liegt in den 1980er Jahren. In den damaligen Jugendkrawallen verbreitete sich der Heroinkonsum und damit die Abstürze auf der Strasse zunehmend. Zu den ersten Projekten des Vereins Schwarzer Peter gehörten die Gassenküche, die Abgabe von sauberen Spritzen in Kooperation mit der Aidshilfe, sowie die Einrichtung des ersten Sprützehüslis am Lindenberg 1.

  • Das besetzte ehemalige Postgebaeude in Basel wurde besetzt und zum Autonomen Jugendzentrum AJZ erklaert, aufgenommen am 15. Februar 1981. (KEYSTONE/Str)

    1981 besetzten Jugendliche ein Industriegebäude an der Hochstrasse im Gundeli. In diesem Autonomen Jugendzentrum (AJZ) sollte ein Freistaat entstehen. Heroinkonsum verbreitete sich zunehmend in der Szene. In der Arbeit mit Jugendlichen und Suchtbetroffenen lag der Anfang des Vereins Schwarze Peter.

  • Menschen koennen in der Gassenkueche "Futterchrippe" des Vereins "Schwarzer Peter" in einer leerstehenden Halle einer alten Muehle eine warme Abendmahlzeit geniessen, aufgenommen am 17. Februar 1988 in der Webergasse in Basel. (KEYSTONE/Str)

    Aufnahme aus der Gassenküche “Fuetterchrippe” des Schwarzen Peters an der Webergasse, 17. Februar 1988.

  • 01 altes bild schwaPe

    Der Verein Schwarzer Peter arbeitete mit der Aidshilfe zusammen. Sie stellten (verbotenerweise) saubere Spritzen zur Verfügung, um u.a. die Übertragung von HIV durch wiederverwendete Spritzen zu verhindern.

  • Drogenabhaengige im Fixerraum in Basel, aufgenommen am 3. Dezember 1990. (KEYSTONE/Str)

    Der Schwarze Peter hat am Lindenberg 1 das erste Sprützhüsli eröffnet. (Auf dem Bild zu sehen ist das Fixerstübli am Picassoplatz in den 1990er Jahren).

  • 2014 Wohnungsnot

    2018 war der Schwarze Peter an der Initiative “Recht auf Wohnen” beteiligt. Seit ihrer Annahme ist die kantonale Regierung verpflichtet, für Menschen mit geringem Einkommen günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

  • 2022 gasse

    Der Schwarze Peter leistet seit jeher aufsuchende Sozialarbeit. Mehrmals wöchentlich gehen die Gassenarbeiter*innen auf die Gasse und bauen Kontakte zu Betroffenen auf.

In der Zwischenzeit sei die Gassenarbeit des Schwarzen Peters längst nicht mehr auf Suchtbetroffene fokussiert, sondern habe sich auf sozial Benachteiligte und Armutsbetroffene ausgeweitet, meint Michel Steiner, Gassenarbeiter und Co-Geschäftsleiter des Schwarzen Peter.

Zu den wichtigsten Erfolgen des Schwarzen Peter gehöre laut Steiner der erste Basler Drogenstammtisch, an dem der Verein beteiligt war und der nun vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel und Bajour weitergeführt wird.

Und auch die Initiative «Recht auf Wohnen»,die 2018 vom Basler Stimmvolk angenommen wurde. Der Kanton ist demnach dafür verantwortlich, für alle Geringverdienenden günstigen Wohnraum zu schaffen.

«Dass wir unser 40-jähriges Bestehen feiern, ist einerseits erstaunlich, weil wir Pionierarbeit leisteten und uns dennoch institutionalisiert haben. Andererseits ist es aber auch sehr traurig, dass es uns immer noch braucht», meint Steiner. Er hofft, dass sich der Verein in zehn Jahren «wegen Nichtbedarfs» auflöst.

Heute Abend findet die Jubiläumsparty des Schwarzen Peter – Verein für Gassenarbeit statt. Ab 19:30 gibt es im Humbug Musik von Pyro, The Incident und La Nefera.

Herzen
Wir sind auch nah an den Menschen.

Werde Bajour-Member und unterstütze uns.

Das könnte dich auch interessieren

LSD Tabletten

Valerie Wendenburg am 15. Januar 2025

Wenn Menschen mit harten Drogen geheilt werden sollen

Betäubungsmittel wie LSD können bei schweren psychischen Erkrankungen therapeutisch eingesetzt werden – allerdings ist Vorsicht geboten, wie Matthias Liechti von der Uni Basel sagt.

Weiterlesen
Jill Zeugin Titelbild GHB

Michelle Isler am 10. Januar 2025

«Die mediale Berichterstattung führt zu einer diffusen Angst»

In der Silvesternacht kam es im Hirscheneck offenbar zu Vorfällen mit K.o.-Tropfen – in einem Fall ist sogar von Needle-Spiking die Rede. Im Interview erklärt Jill Zeugin vom Drug-Checking, weshalb viele «Needle-Spiking» als «Urban Legend» bezeichnen – und warum man die Opfer trotzdem ernst nehmen muss.

Weiterlesen
Lisa Mathys Wahlsonntag 23

Valerie Zaslawski am 06. Januar 2025

Die Qual der Wahl

Mit dem Rückzug von Lisa Mathys und ihren Vizes muss die SP Basel-Stadt eine neue Spitze finden. Gleich mehrere Kandidat*innen können sich die künftige Parteiführung vorstellen. Das ist ein gutes Zeichen.

Weiterlesen
Events Basel 2025-1

Jelena Schnüriger am 06. Januar 2025

Das kommt 2025 auf uns zu

Das neue Jahr ist vollgepackt mit spannenden Veranstaltungen in Basel. Hier erfährst du, wann und wo sie stattfinden und ob sie (d)einen Besuch wert sind.

Weiterlesen
WhatsApp Image 2023-10-15 at 20

Bei Bajour als: Praktikantin

Davor: Uni und für viele Leute Kaffee machen

Kann: Nebensätze aneinander hängen

Kann nicht: Multitasken

Liebt an Basel: Dass jede Ecke irgendwie anders ist

Vermisst in Basel: Eine Auswahl an klassischer Holzofenpizza

Kommentare