Caroline Rouine über das Ex-Terrorsamba: «Wir sind dirty genug, damit hier bald eine richtig gute Atmosphäre herrscht.»

Das berüchtigte Terrorsamba hat unter neuem Namen wiedereröffnet und sieht aus wie saubergeleckt und atmosphärisch entkernt. Das Betreiber-Duo Caroline und Hischem Rouine hat aber das Zeug, dem Ort die Power alter Tage einzuhauchen.

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Caroline Rouine arbeitet engagiert an der Patina ihres neuen Unternehmens und sitzt für das Foto flugs auf die Bar.

Zweieinhalb Jahre haben die Umbauarbeiten am ehemaligen Terrorsamba gedauert, aber seit Silvester hat das schillernde Lokal an der Feldbergstrasse wieder geöffnet. Zwischen 1 und 1.5 Millionen Franken hat sich der Besitzer der Liegenschaft, Gordon Bell, den Umbau kosten lassen, sagt er, und die neuen Pächter, Caroline und Hischem Rouine mit einem Vertrag über sieben Jahre ausgestattet. 

Das Kleinbasel hat einen seiner Sehnsuchtsorte für Nachtschwärmer*innen zurück. Er heisst Rouine. Wie sein Pächter-Duo. 

Die eingangs genannten Zahlen sind imposant für das Geschäftsumfeld einer Kneipe, von der man sich bislang gerne schauderhafte Storys über darin stattgefundene Messerstechereien erzählt hat. Die ursprünglich «Terra Samba» hiess, aber eben wegen dieser wilden Stories vom Kleinbasler Ausgehvolk in «Terrorsamba» umbenannt wurde. Die dann jahrelang im Taumel ausgepflippter Parties und zunehmender Lärmklagen ihrem Ende entgegen wankte, bis schlussendlich das Bauinspektorat 
dem ganzen Trubel den Stecker zog.

Das war 2018. Dann war lange Schicht im Schacht. Das Terrorsamba geriet in Vergessenheit.

Von Verzögerungen war zu lesen. Von Komplikationen am Bau. Von einem weiblichen Pächtertrio, das grosse Pläne hatte, aus dem Lokal eine Konzertbühne zu schmieden und das dann abspringen musste, weil laufend hinzukommende Auflagen den Umbau verschleppten und sich Steffi Klär, Lea Muggli und Regine Wetterwald die Warterei nicht mehr leisten konnten und wollten.

«I like her Spirit.»

Besitzer Gordon Bell über die Co-Betreiberin des Rouine, Caroline Rouine

Dann, es war im März 2019, kam Caroline Rouine. «Sie war verdammt hartnäckig, wollte den Laden unbedingt haben und hat mir auch ein gutes Konzept vorgelegt.» Sagt Gordon Bell, den sie in der Club- und Gastroszene mit einer Mischung aus Bewunderung und Herblassung den «Millionärs-Punker» nennen. Bell hat jahrelang über dem Rouine gewohnt. Heute lebt er mit seiner Frau in Moskau. Er besitzt mehrere Liegenschaften in Basel und hat sich seit der Neueröffnung persönlich ein Bild des Rouine gemacht.

«Ich mag es, yeah, It's got good vibes», sagt er am Telefon und erklärt dann, was ihm am Konzept und überhaupt an Caroline Rouine gefällt. Nämlich dass beides eben nicht «nicynicy» sei, sondern mehr «eine Art Rock n’ Roll Style» habe. Und das passe ihm, Bell, sehr in den Kram, weil er selber im Prinzip auch ein bisschen so sei. Darum habe er Rouine auch den Zuschlag gegeben. «I like her Spirit.» 



Im nervösen Kleinbasler Nachtleben sind Gerüchte die beste PR

Caroline Rouine selber will am liebsten gar nicht mit den Medien reden. Im nervösen Kleinbasler Nachtleben sind Gerüchte die beste PR, das weiss Rouine und hat darum auch die Wiedereröffnung an Silvester nicht offiziell kommuniziert. Das Ausgehvolk belohnte das konspirative Schweigen mit einem heftigen Ansturm wie zu Terrorsambas besten Zeiten. Und gab damit der der Strategie ein erstes Mal recht. 

Bajour trifft Caroline Rouine dann doch zum Gespräch. Es gibt Schnaps und Klartext. «Ich bin wie ich bin. Ich habe eine raue Stimme, ich mach keinem was vor. Take it or leave it», sagt sie. Dann redet sie über das Konzept.

Morgens um acht macht das Rouine auf. Dann gibts Kaffee und Frühstück und andere Snacks bis Abends die ersten Biere über den Tresen gehen. Das Rouine will beides sein: Café und Club. Caroline managed den Tag, Hischem die Nacht. Sie haben eine GmbH gegründet. Die Betriebsökonomin und langjährige Freundin Rouines, Julia Carvel, gehört auch dazu.

«Früher hatten die Clubs eine starke Identität. Heute spielen alle überall dasselbe. Das will ich ändern.»

Hischem Rouine
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Hischem Rouine will dem Rouine eine eigene musikalische Identität verleihen, die nicht nur auf Techno basiert.

Hischem Rouine hat sich als Mitgründer des DJ-Kollektivs Rehbellen in der Basler Techno-Szene einen Namen gemacht. Bedeutet der neue Job einen Aufstieg in der Szene? «Klar», sagt er, «das ist ein Aufstieg, weil ich jetzt eine Plattform anzubieten habe». Kooperationen laufen zum Beispiel mit den Somatic Rituals, mit Dario Rohrbach und dem Kollektiv Studio Lyss, das sich mit neverending Abrissparties auf dem Lysbüchel einen Namen machte.

Damit das Rouine bald als eigenständige Institution wahrgenommen wird, müssen alle Partner*innen Veranstaltungs-Reihen gründen, die nur im Rouine stattfinden, erklärt Hischem. 

«Früher hatten die Clubs eine starke Identität, heute spielen alle überall dasselbe. Das will ich ändern.» Für die Labels, von denen vor allem die Somatic Rituals noch als Nachwuchstalente gelten, sei das ok. Sein eigenes Projekt, die Rehbellen, will Hischem vom Rouine trennen. «Nicht alle mögen Techno, aber alle sollen gerne hier her kommen», sagt Hischem Rouine dazu.

Der Eintritt ist gratis. Bei Anlässen im Club kostet das Getränk einen Kulturfranken extra. Ein Abend pro Woche ist für Live-Musik reserviert.

Die Café-Konkurrenz ist gross – und dann ist da noch ein anderes Problem

Im Gespräch mit Caroline und Hischem fällt ein Wort auffallend oft: Sicherheit. Als Betreiberin der Marina Bar am Hafen hangelt sich Caroline Rouine seit Jahren von Bewilligung zu Bewilligung, es ist ein nervenaufreibendes Tauziehen mit den Behörden. Das Rouine soll endlich Ruhe in das Unternehmerinnenleben der Caroline Rouine bringen. 

Damit es nicht zu Lärm-Konflikten mit den Nachbar*innen kommt, vertrauen die beiden auf strenge Security. Bislang hat sich niemand beklagt. 

Das Gelingen des Konzepts Rouine, Café und Club-Bar in einem zu sein, wird stark davon abhängen, wie sich der Club entwickelt. In der Nacht fehlt es im Herzen des Kleinbasel an vergleichbaren Angeboten, das Projekt Feldberg als direkter Konkurrent hat sich bislang nicht etabliert. Tagsüber protzt das Kleinbasel rund um den Matthäusplatz mit einer Dichte beliebter Cafés, die nichts zu wünschen übrig lässt. Beim Kaffee wird es das Rouine deutlich schwerer haben, sich durchzusetzen, als beim Kahlua.

Aber das Rouine hat noch ein anderes Problem: Es ist so neu, sauber und chic, dass keine Spur geblieben ist vom wilden, abenteuerlichen Charme des alten Terrorsamba. Über der Bar hängen gigantische Pflanzentöpfe, die zwar spektakulär aussehen, aber die Atmosphäre einer Wohlfühl-Oase für öko-Yuppies verströmen. Immerhin dämpfen sie den Schall, sagt die Mitarbeiterin an der Bar. Alle zwei Wochen kommt der Gärtner und giesst.

Für Caroline Rouine ist die richtige Patina eine Frage der Zeit. «Die Bar ist sehr schön und ziemlich clean, das stimmt», sagt sie. «Aber wir sind dirty genug, damit hier bald eine richtig gute Atmosphäre herrscht.»

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Der Dschungel über der Bar sieht spektakulär aus, aber kann die klinische Atmosphäre noch nicht kaschieren.
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Das DJ Pult soll noch durch ein neues, auf Rollen verschiebbares ersetzt werden. Vieles im Rouine sei noch nicht ganz fertig, sagen die Macher.

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