Inklusives Café Einzigartig eröffnet an der Clarastrassse
Nach einer langen Umbauphase eröffnet das inklusive Café Einzigartig seinen neuen Standort in Basel. Der Start erfolgt bewusst vorsichtig: mit reduziertem Angebot, einem eingespielten Team und dem Ziel, Inklusion im Alltag selbstverständlich zu machen.
Auf den Punkt
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Die Expansion von Arlesheim in die Stadt hat das Einzigartig-Team so einiges gekostet. Nicht nur finanziell, sondern auch nervlich – zwischendurch wurde die Kasse mit den Spenden gestohlen, es gab Wasserschäden und viele Umbauarbeiten, die das Team in Eigenleistung umgesetzt hat. Aber jetzt ist es geschafft – zumindest vorerst.
Das Café an der Clarastrasse eröffnet am heutigen Freitag um elf Uhr. Es wird aber keine grosse Eröffnungsfeier geben, erzählt Geschäftsleiter Tobias Seewer. «Wir fangen Schritt für Schritt an, schauen, was funktioniert, und kommen langsam an.» Am Anfang wird das Angebot noch reduziert sein. Seewer spricht von einer Phase 1. In dieser wird viel ausprobiert und das inklusive Team an die neuen Begebenheiten an der Clarastrasse gewöhnt.
Ausserdem wird es noch kein grosses Essensangebot geben, weil die Küche noch nicht ausgebaut ist – dafür fehlt bisher das Geld. Kaffee gibt es allerdings in allen Variationen, mit eigenem Blend für Espresso und Kaffee von den Kaffeemacher*innen, ausserdem ein breites Teesortiment, Limonaden sowie Gebäck, Quiche und Linzertorte vom Speisehaus und aus dem Wydenhöfli in Arlesheim, an das das Café Einzigartig angegliedert ist.
Soweit der Plan – am Donnerstagnachmittag bringt Seewer noch die Menütafeln über der Kaffeetheke an, Tassen werden eingeräumt, der Boden gewischt und letzte technische Hürden behoben.
In den letzten Monaten hat das Einzigartig-Team die ehemalige Bäckerei Schneider Stück für Stück in ein modernes, helles Café verwandelt. Seewer kann zu fast jedem Möbelstück eine Geschichte erzählen.
Durch die Stahl-Tischbeine der Bartische im Eingangsbereich floss bis vor einigen Jahren noch Senf in der Thomy-Fabrik auf dem Franck-Areal. Die Glasbausteine der Theke stammen aus einem Haus in Zürich, das abgerissen wurde, und finden sich in den Glasbausteinen in der Decke der hinteren Räume wieder, wo es eine Spielecke für Kinder gibt und viele grosse Holztische stehen. Die Mahagoniholzplatte auf der Theke lag rund 70 Jahre unbenutzt herum, bevor sie hier Verwendung fand, und die beige-gelb strukturierte Wand gegenüber der Bar hat das gesamte inklusive Team gemeinsam aus Lehmboden aus Seewen und Kaffeesatz aus Arlesheim gestaltet.
Mitten im Eingangsbereich befindet sich eine grosse Rampe. «Hier machen wir unser Konzept der umgekehrten Inklusion deutlich», erklärt Seewer. Die Rampe steht im Zentrum und ist der normale Weg, über den man das Café betritt. «Der Weg über die Stufen direkt an der Theke ist viel schmaler.» Das Einzigartig will Inklusion zur Normalität machen und einen selbstverständlichen Umgang damit etablieren.
Damit Menschen mit Behinderung ihre Arbeit möglichst ohne grössere Hindernisse erledigen können, müssen bei der Konzipierung eines inklusiven Cafés einige Dinge beachtet werden. So hat Seewer beispielsweise einen speziellen Milchschäumer installiert, der das Schäumen vereinfacht und es den Mitarbeiter*innen ermöglicht, auch mit körperlichen Behinderungen einen perfekten Cappuccino zuzubereiten. Die Schubladen sind alle mit Symbolen wie Tassen und Gläsern beklebt, damit alle – auch diejenigen, die nicht lesen können – wissen, was sich wo befindet.
Wenn sich alles eingependelt hat und etwas mehr Geld zusammengekommen ist, will Seewer Phase 2 starten. Dafür ist einiges geplant, vor allem der Einbezug der Küche. Dafür konnte er den Sous-Chef von Tanja Grandits gewinnen. Ausserdem soll es ein Take-away-Fenster geben, um To-go-Kaffee einfacher direkt auf die Strasse zu verkaufen. Bereits im Sommer möchte Seewer zudem mit der Boulevardgastronomie beginnen und Tische und Stühle auf den Platz vor dem Café stellen.
Seewer ist gespannt, inwiefern sich die Kundschaft an der Clarastrasse von jener in Arlesheim unterscheiden wird. Er rechnet damit, dass vielleicht etwas mehr Filterkaffee getrunken wird und insgesamt mehr los sein dürfte als in Arlesheim. Immerhin hat er bereits Reservationsanfragen für die Fasnacht und für Messen erhalten. Als letzten Akt vor der Eröffnung wird er die Sichtschutzfolie von den grossen Scheiben entfernen und den Blick in das neue Café freigeben.