Gastro

Inklusives Café Einzigartig eröffnet an der Clarastrassse

Nach einer langen Umbauphase eröffnet das inklusive Café Einzigartig seinen neuen Standort in Basel. Der Start erfolgt bewusst vorsichtig: mit reduziertem Angebot, einem eingespielten Team und dem Ziel, Inklusion im Alltag selbstverständlich zu machen.

26
Tobias Seewer wagt mit der Expansion den Schritt vom beschaulichen Arlesheim in die Stadt. (Bild: Dominik Asche)

Auf den Punkt

  • Das inklusive Café Einzigartig an der Clarastrasse eröffnet am Freitag.
  • Die Eröffnung erfolgt schrittweise – die Küche ist noch nicht in Betriebt.
  • Künftig soll es ein grösseres Essensangebot, Boulevardgastronomie und ein Take-Away Fester geben.

    Die Expansion von Arlesheim in die Stadt hat das Einzigartig-Team so einiges gekostet. Nicht nur finanziell, sondern auch nervlich – zwischendurch wurde die Kasse mit den Spenden gestohlen, es gab Wasserschäden und viele Umbauarbeiten, die das Team in Eigenleistung umgesetzt hat. Aber jetzt ist es geschafft – zumindest vorerst. 

    Das Café an der Clarastrasse eröffnet am heutigen Freitag um elf Uhr. Es wird aber keine grosse Eröffnungsfeier geben, erzählt Geschäftsleiter Tobias Seewer. «Wir fangen Schritt für Schritt an, schauen, was funktioniert, und kommen langsam an.» Am Anfang wird das Angebot noch reduziert sein. Seewer spricht von einer Phase 1. In dieser wird viel ausprobiert und das inklusive Team an die neuen Begebenheiten an der Clarastrasse gewöhnt. 

    Ausserdem wird es noch kein grosses Essensangebot geben, weil die Küche noch nicht ausgebaut ist – dafür fehlt bisher das Geld. Kaffee gibt es allerdings in allen Variationen, mit eigenem Blend für Espresso und Kaffee von den Kaffeemacher*innen, ausserdem ein breites Teesortiment, Limonaden sowie Gebäck, Quiche und Linzertorte vom Speisehaus und aus dem Wydenhöfli in Arlesheim, an das das Café Einzigartig angegliedert ist.

    Soweit der Plan – am Donnerstagnachmittag bringt Seewer noch die Menütafeln über der Kaffeetheke an, Tassen werden eingeräumt, der Boden gewischt und letzte technische Hürden behoben.

    In den letzten Monaten hat das Einzigartig-Team die ehemalige Bäckerei Schneider Stück für Stück in ein modernes, helles Café verwandelt. Seewer kann zu fast jedem Möbelstück eine Geschichte erzählen. 

    Durch die Stahl-Tischbeine der Bartische im Eingangsbereich floss bis vor einigen Jahren noch Senf in der Thomy-Fabrik auf dem Franck-Areal. Die Glasbausteine der Theke stammen aus einem Haus in Zürich, das abgerissen wurde, und finden sich in den Glasbausteinen in der Decke der hinteren Räume wieder, wo es eine Spielecke für Kinder gibt und viele grosse Holztische stehen. Die Mahagoniholzplatte auf der Theke lag rund 70 Jahre unbenutzt herum, bevor sie hier Verwendung fand, und die beige-gelb strukturierte Wand gegenüber der Bar hat das gesamte inklusive Team gemeinsam aus Lehmboden aus Seewen und Kaffeesatz aus Arlesheim gestaltet. 

    Café Einzigartig
    Die Füsse der Tische stammen aus der Thomy-Fabrik (Bild: Dominik Asche)

    Mitten im Eingangsbereich befindet sich eine grosse Rampe. «Hier machen wir unser Konzept der umgekehrten Inklusion deutlich», erklärt Seewer. Die Rampe steht im Zentrum und ist der normale Weg, über den man das Café betritt. «Der Weg über die Stufen direkt an der Theke ist viel schmaler.» Das Einzigartig will Inklusion zur Normalität machen und einen selbstverständlichen Umgang damit etablieren.

    Damit Menschen mit Behinderung ihre Arbeit möglichst ohne grössere Hindernisse erledigen können, müssen bei der Konzipierung eines inklusiven Cafés einige Dinge beachtet werden. So hat Seewer beispielsweise einen speziellen Milchschäumer installiert, der das Schäumen vereinfacht und es den Mitarbeiter*innen ermöglicht, auch mit körperlichen Behinderungen einen perfekten Cappuccino zuzubereiten. Die Schubladen sind alle mit Symbolen wie Tassen und Gläsern beklebt, damit alle – auch diejenigen, die nicht lesen können – wissen, was sich wo befindet.

    Café Einzigartig
    Die Glasbausteine in der Theke widerspiegeln die Oberlichter im hinteren Teil des Raumes. (Bild: Dominik Asche)

    Wenn sich alles eingependelt hat und etwas mehr Geld zusammengekommen ist, will Seewer Phase 2 starten. Dafür ist einiges geplant, vor allem der Einbezug der Küche. Dafür konnte er den Sous-Chef von Tanja Grandits gewinnen. Ausserdem soll es ein Take-away-Fenster geben, um To-go-Kaffee einfacher direkt auf die Strasse zu verkaufen. Bereits im Sommer möchte Seewer zudem mit der Boulevardgastronomie beginnen und Tische und Stühle auf den Platz vor dem Café stellen.

    Café einzigartig
    Die Glasbausteine von der Theke wurden inspiriert von den Oberlichtern im hinteren Bereich des Cafés. (Bild: Dominik Asche)

    Seewer ist gespannt, inwiefern sich die Kundschaft an der Clarastrasse von jener in Arlesheim unterscheiden wird. Er rechnet damit, dass vielleicht etwas mehr Filterkaffee getrunken wird und insgesamt mehr los sein dürfte als in Arlesheim. Immerhin hat er bereits Reservationsanfragen für die Fasnacht und für Messen erhalten. Als letzten Akt vor der Eröffnung wird er die Sichtschutzfolie von den grossen Scheiben entfernen und den Blick in das neue Café freigeben.

    Café Einzigartig
    Noch sind die Scheiben mit Sichtfolie beklebt. (Bild: Dominik Asche)
    tracking pixel

    Das könnte dich auch interessieren

    Kaisin Bowl

    David Rutschmann am 16. Januar 2026

    Bowls beim Bankverein

    Die in Zürich populäre Kette Kaisin wird im Frühjahr gegenüber der Elisabethenkirche eröffnen. Es ist bereits der zweite Standort in Basel.

    Weiterlesen
    Cristian Lopez S'Coole Alpaca

    David Rutschmann am 05. Januar 2026

    Alpakas im Lysbüchel

    Im Lysbüchel tut sich was: Das Café «S’coole Alpaca» soll den Kaffeeliebhaber*innen im aufstrebenden Quartier einen Ort zum Chillen geben.

    Weiterlesen
    Kulturtipps Redaktion 12

    Bajour am 31. Dezember 2025

    Das haben wir 2025 am liebsten gelesen, gehört, gegessen und gekauft

    Du brauchst noch einen Lesetipp oder eine Empfehlung für ein Album zum Immer-wieder-Durchhören? Die Bajour-Redaktion schaut zurück und teilt ihre Favoriten in Sachen Literatur, Musik, Kunst, Konsum und Gastronomie. Enjoy!

    Weiterlesen
    Helena Krauser

    Das ist Helena (sie/ihr): Helena hat Kultur studiert, um über Kultur zu schreiben, während dem Studium aber in so vielen lokalen Redaktionen gearbeitet, dass sie sich in den Lokaljournalismus verliebt und die Kultur links liegen gelassen hat. Nach Bachelor und Praktika startete sie den zweiten Anlauf zur Versöhnung mit der Kunst, ein Master in Kulturpublizistik sollte es richten. Dann kam das Leben (Kinder, Festanstellung bei der bz) dazwischen. Finally beim FRIDA Magazin gab’s dann kurz richtig viel Kultur und die Entdeckung, dass mehr eben doch besser ist. Deshalb macht sie bei Bajour jetzt beides.

    Kommentare