Ein Discounter pflügt durchs Blumenladenfeld
Vor einer Woche hat Blume2000 ihre erste Schweizer Filiale am Basler Marktplatz eröffnet. Der Preis für Sträusse liegt deutlich tiefer als in anderen Blumenläden. Bajour hat sich umgehört, wie der deutsche Blumendiscounter in Basel wahrgenommen wird.
Es ist Dienstagabend, kurz vor Ladenschluss. An der Kasse bei Blume2000 stehen die Kund*innen Schlange, die Regale sehen teilweise leergekauft aus. Nur noch vier sogenannte «Frühlingskörbe» für acht Franken sind zu haben. Im Geschäft stechen vor allem die tiefen Preise der Rosen- oder Tulpensträusse ins Auge. Der Andrang ist gross, das günstige Angebot – ein Strauss mit zehn Edelrosen «Dia» kostet 7.99 Franken – lockt die Menschen offensichtlich an.
Blume2000 hat sich in einer Gegend angesiedelt, in der sich neben den Ständen auf dem Marktplatz einige weitere Geschäfte mit Blumen im Angebot befinden. Was aber bedeutet die Existenz des Discounters für die Konkurrenz?
Felicia Mäder betreibt das Geschäft Blütezeit am Spalenberg. Sie habe keine Angst, ihre Kundschaft an Blume2000 zu verlieren, sagt sie zu Bajour: «Noch habe ich auch keinerlei Unterschied bemerkt.» Mäder verweist darauf, dass sich ihr Angebot sehr stark von dem des Blumendiscounters abhebe: «Die Blumen, die ich anbiete, kommen aus der freien Natur, von norditalienischen und Schweizer Lieferanten und nicht ausschliesslich aus holländischen Gewächshäusern. Die Ware ist also qualitativ eine andere und die Art und Weise, wie ich meine Blumen präsentiere, auch.»
Sie sei gespannt, ob sich Blume2000 in Basel etablieren wird. «Sorgen um mein Geschäft mache ich mir nicht», sagt sie. Aktuell habe sie vor allem Tulpen, Freesien und viele verschiedene Blütenzweige aus der Schweiz und Ranunkeln oder Anemonen aus Norditalien im Angebot. Einen kleineren Strauss bekommt man bei Blütezeit für 20 Franken, gemischte Blumentüten liegen bei 35 Franken.
Die Blumen Dufour AG liegt ebenfalls am Spalenberg. Serge van Egmond, Florist und Inhaber, äussert sich besorgter. Er sagt: «Nach einer Woche ist es schwer abzuschätzen, wie die Auswirkungen für uns sein werden. Aber jeder Franken kann nur einmal ausgegeben werden, und gerade bei Gelegenheitskäufen sehe ich Blume2000 durchaus als Konkurrenz für uns.»
Auch wenn sein Geschäft ein Handwerk auf einem qualitativ anderen Niveau anbiete, werde er die Existenz des neuen Discounters zu spüren bekommen. Bei Blumen Dufour gibt es einen kleineren Strauss ab 25 Franken. Van Egmond setzt auf seine Stammkund*innen, die für die Qualität seiner Ware auch weiterhin bereit sind, zu zahlen. «Mir ist aber vor allem wichtig, dass die Spielregeln eingehalten werden», sagt er – das gelte für Mindestlohn und Allmendnutzung. «Sonst befinden wir uns in einem unlauteren Wettbewerb.»
Auf diesen Punkt verweist auch Patrick Felber, Generalsekretär Politik und Kommunikation der Unia Region Aargau-Nordwestschweiz. Er sagt: «Mit der Ansiedlung neuer Anbieter wie Blume2000 am Marktplatz stellt sich grundsätzlich die Frage, wie sich stark preisorientierte Geschäftsmodelle auf den lokalen Markt und insbesondere auf die Arbeitsbedingungen auswirken.»
«Mir ist vor allem wichtig, dass die Spielregeln eingehalten werden.»Serge van Egmond, Florist und Inhaber der Blumen Dufour AG
Für alle Unternehmen, die in Basel tätig seien, würden die gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen gelten. «Dazu gehört insbesondere der kantonale Mindestlohn, der in Basel von der Bevölkerung bewusst eingeführt wurde, um Lohndumping zu verhindern.»
Blume2000 war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu den Arbeitsbedingungen erreichbar. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich das Unternehmen nicht an die rechtlichen Vorgaben hält.
Aus gewerkschaftlicher Sicht sieht die Unia bei Discountern jedoch generell ein erhöhtes Risiko, dass der starke Preisdruck auf Kosten der Arbeitnehmenden weitergegeben wird. «Typische Merkmale solcher Geschäftsmodelle sind sehr schlanke Personalstrukturen, hohe Arbeitsintensität, ein hoher Anteil an Teilzeitstellen sowie tiefe Löhne», sagt Felber.
«Wir nehmen neue Marktteilnehmer wie Blume2000 grundsätzlich aufmerksam wahr», sagt Mavi Behramoglu, PR- und Communications Manager vom Grand Hotel Les Trois Rois. «Gleichzeitig richten wir unseren Fokus klar auf das, wofür Fleurs des Rois steht.» Sie verweist auf individuelle Floristik, hochwertige Blumen und eine persönliche Beratung. «Unsere Kunden schätzen genau diese Qualität, die Liebe zum Detail und die Nähe zum Handwerk.»
Einen Einbruch der Kundschaft habe das Fleurs des Rois an der Stadthausgasse in der vergangenen Woche nicht erlebt. Beliebt seien vor allem die saisonalen Bouquets, die sich je nach Grösse und Kreation zwischen 120 und 220 Franken bewegen, und die «Boîtes à Fleurs», die bei 84 Franken starten.
«Ein breites, vielfältiges Angebot ist Ausdruck gelebter freier Marktwirtschaft.»Daniel Schindler, Medienverantwortlicher des Gewerbeverbands Basel-Stadt
Positiv äussert sich auf Nachfrage Daniel Schindler, Medienverantwortlicher des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Er sagt, sein Verband freue sich grundsätzlich über jedes Unternehmen, das in Basel investiert, Arbeitsplätze schafft und zur Attraktivität des Wirtschaftsstandorts beiträgt: «Ein breites, vielfältiges Angebot gehört zu einer modernen Stadt wie Basel und ist Ausdruck gelebter freier Marktwirtschaft.»