Und auf einmal tropfte Wasser aus der Deckenlampe
Durch den abgenutzten Fahrbahnübergang auf der Luzernerring-Brücke sickert Wasser in die darunterliegende Bridge Bar. Besitzer Mazlum Basaran will den Standort nicht aufgeben, auch wenn er momentan nicht dort arbeiten kann.
Mazlum Basaran erzählt nicht ohne Stolz von der Bridge Bar. Ihm gefällt der Standort unterhalb der Luzernerring-Brücke. In der Lounge vor der Bar ist man dank einer Abdeckung vor dem Wind geschützt, der über den Vogesenplatz pfeift. Man ist nah am Quartier, viele Leute aus dem St. Johann, junge wie alte, seien Stammgäste. «Für sie tut es mir am meisten leid, dass wir im Moment nicht öffnen können», sagt Basaran.
Grund sind Wasserschäden in der Bar (Bajour berichtete). Direkt im Eingangsbereich ist eine Wasserlache auf dem Boden, an einigen Wänden sind gelbliche Wasserflecken, die Feuchtigkeit hat sogar schon leichte Risse in die Decke getrieben. Basaran zeigt Videos auf seinem Handy, wo Wasser aus den Deckenlampen spritzt.
Den Grund für das Leck in der Decke zu finden, war nicht schwer. Denn die Decke der Bar ist eben die Luzernerring-Brücke. Die Bridge Bar ist nicht das einzige Geschäft, das in die Brückenpfeiler verbaut ist – es gibt noch einen Bankomat und einen Dönerladen. Doch die Bar ist eben der einzige Ort, der sich direkt unter dem Fahrbahnübergang befindet. Das ist der Teil, an dem Strasse und Brücke miteinander verknüpft werden.
Mazlum Basaran inspizierte den Übergang, als es im April 2025 anfing, in seine Bar zu tropfen. Mit einem Meterstab suchte er, ob es irgendwo in den Rillen ein Loch gäbe – «als ich es gefunden hatte, konnte ich den kompletten, auf zwei Meter ausgeklappten Meterstab reinstecken». Den beschädigten Fahrbahnübergang meldete er der Eigentümerschaft der Bar.
Im Juni füllte das Tiefbauamt des Kantons den Übergang provisorisch auf. Doch schon ein halbes Jahr später fingen die Probleme mit Wasserlecks in der Bar erneut an. Seit einer Inspektion am 17. Februar ist klar: Die Bar wird erstmal geschlossen bleiben müssen – nicht, dass es noch einen Stromschlag gibt, wenn Wasser auf die überall verbauten technischen Gerätschaften tropft. Auch ein Einsturz einer Wand aufgrund der Wasserschäden konnte nicht ausgeschlossen werden.
Einen Fahrbahnübergang zu erneuern, braucht seine Zeit. Beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) heisst es, dass der Übergang im Herbst erneuert werden soll. In diesem Zeitraum waren nämlich Erdbebenertüchtigungsarbeiten in der Bar geplant, weshalb sie sowieso für zwei Monate hätte schliessen müssen. Mazlum Basaran hofft, dass der Übergang dann 100 Prozent wasserdicht sein wird: «So eine unsichere Situation wie jetzt will ich meinen Mitarbeitern und Gästen nicht noch einmal zumuten.»
«Eigentümer, Kanton und Versicherungen sind derzeit noch in Gesprächen darüber, wie es mit der Verantwortung für die Wasserschäden aussieht.»Mazlum Basaran
Beim Kanton heisst es, dass Fahrbahnübergänge bei Brücken Verschleissteile seien. «Deshalb kann der Kanton nicht garantieren, dass ein Fahrbahnübergang für immer dicht bleibt», sagte BVD-Mediensprecherin Nicole Ryf zu Bajour. Mazlum Basaran glaubt, dass der bisherige Fahrbahnübergang zuletzt aber auch stärker beansprucht wurde als früher: «Oft wurden wegen Baustellen Umleitungen über die Luzernerring-Brücke geführt. Wenn LKW hier drüber fahren, nutzt sich so ein Übergang bestimmt schneller ab.»
Er rechnet nicht damit, dass er die Bridge Bar vor der Ertüchtigung der Brücke noch einmal eröffnen kann. Dieser Tage wird Feldschlösschen vorbeikommen und all die Getränkekisten, die bereits bestellt wurden, wieder abholen. Und die Mitarbeiter*innen musste Basaran auf Ende des Monats kündigen. Doch er hat für sie direkt eine Anschlusslösung parat: Er übernimmt neu The Pub an der Clarastrasse 56.
Dennoch glaubt er an den Standort am Vogesenplatz und würde ihn gerne weiterführen. Doch zuerst wird er in den nächsten Tagen das gesamte Inventar raustragen müssen, damit die Räumlichkeiten für eine Sanierung fit gemacht werden können. «Eigentümer, Kanton und Versicherungen sind derzeit noch in Gesprächen darüber, wie es mit der Verantwortung für die Wasserschäden aussieht», sagt er. Für den Moment heisst es: abwarten.