Wie der Bergler in die Stadt ruft, so ruft es zurück

Der neue Mitte-Bundeshaus-Fraktionschef Philipp Matthias Bregy hat mit einer Suada gegen die Städte unter anderem Balz Herter, Präsident der basel-städtischen Sektion, vor den Kopf gestossen.

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Wie holt die Mitte die Städter*innen zurück? Nicht mit Kampfansagen vom (Walliser-)Berg herunter, meint Balz Herter.

Jetzt geht der Stadt-Land-Graben mitten durch die Mitte. Gezogen hat ihn: Philipp Matthias Bregy, Fraktionschef der Partei im Nationalrat, Oberwalliser. Wie das?

Bregy hatte im Nachgang zur (verlorenen) Abstimmung über das CO2-Gesetz im «Walliser Boten» eine Kolumne verfasst. In dieser stellt er die Frage, ob links-grün regierte Städte den nationalen Zusammenhalt gefährden, weil diese den Stadt-Land-Graben vertiefen würden. Denn:

  • «Den Städtern fehlt es an nichts.»
  • «Das städtische Leben erscheint sorglos.»
  • «Die grössten Schweizer Städte entsenden überproportional viele Parlamentarier.»
  • «Wer nicht in der Bubble Stadt lebt, stimmte tendenziell Nein.» (zum CO2-Gesetz)

Demgegenüber würden sich die Städter*innen nicht für die Landbevölkerung interessieren:

  • «Die alltäglichen Probleme der Landbevölkerung wirken dabei irgendwie surreal.»
  • «Das Leiden der Bergbauern wird grün weggelächelt. Auf einer städtischen Parkbank sitzend lässt sich der Wolf halt leicht idealisieren.»
  • «Die Herausforderungen des Landlebens gehen in der städtischen Hektik unter.»

Das ist starker Tobak von einem der wichtigsten Exponenten einer Partei, die sich nicht zuletzt deshalb von CVP in die Mitte umbenannt hat, um endlich in den Städten besser Fuss zu fassen.

Dementsprechend keine Freude hat nun Bregys Parteikollege in der Stadt: Balz Herter, Präsident der Basler Sektion. «Diese Aussagen sind dem Bemühen der Mitte, in den Städten besser Fuss zu fassen, nicht förderlich». Herter weiss zwar nicht, wie stark Philipp Matthias Bregys Aussagen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, schliesslich kennt den neuen Fraktionschef – der Oberwalliser wurde erst diesen Frühling gewählt und sitzt erst seit zweieinhalb Jahren im Nationalrat – kaum jemand. Doch zumindest intern herrscht Diskussionbedarf.

Sind die Städte für die Mitte nun schon wieder verloren?

So weit will Herter nicht gehen. Aber das Thema müsse im nationalen Parteivorstand, dem er angehört, besprochen werden. Parteipräsident Gerhard Pfister sei es bewusst, dass Städte wichtig sind und dass die Umbenennung in die Mitte auch deshalb vollzogen worden sei. «Den Stadt-Land-Graben muss man angehen. Es ist wichtig, dass die entsprechenden Themen in den Parteigremien besprochen werden und daraus Kompromisse zwischen den städtischen und ländlichen Gebieten gefunden werden können, welche für beide Seiten stimmen.»

Mit Betonung auf beide Seiten. Denn die Partei, in die sich die frühere BDP hineinfusioniert hat, wird zumindest im Bundeshaus mehr und mehr eine schwarzkatholische und sehr konservative Angelegenheit. Das «C» ist zwar aus dem Namen, nicht aber aus der (Macht-) Politik verschwunden. So gilt neben Bregy Ständerat Beat Rieder als starker Mann. Auch er ein Oberwalliser, auch er stockkonserativ. Und dann sitzen die beiden, die gemäss «Blick» «schwarze Zwillinge» genannt werden, auch noch in der gleichen Anwaltskanzlei.

Herter will nun Gegensteuer geben: «Es gibt in der Partei ein Netzwerk der städtischen Sektionen, welches sich regelmässig austauscht und die Anliegen der urbanen Regionen in der Parteileitung einbringt und diese Positionen vertritt», erklärt er. Ob das Netzwerk auch gehört wird bis in die tiefsten Täler dieses Landes, ist dann wieder eine andere Frage.

In einem Punkt gibt Herter Bregy allerdings recht: «Man merkt auch umgekehrt, dass die Linke oft behauptet, Minderheiten zu respektieren, aber selber Machtpolitik betreibt.» Sein Weg ist aber nicht der der Konfrontation, sondern: «Wir sollten über die Parteigrenzen hinweg besser zuhören, andere verstehen und eben mal auch einen Kompromiss eingehen.»

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