Fasnacht mit kritischen Zwischentönen
Mit «D Lehrerschaft lauft drvoo» wählt die Allschwiler Fasnacht erneut ein kontroverses Motto. An der kritisierten Primarschule in Neuallschwil nimmt man es locker und feiert dennoch eine bunte Schulfasnacht.
Ein paar Minions und Blumen rennen durcheinander, die Astronaut*innen stehen schon in Reih und Glied – in Neuallschwil machen sich die rund 30 Klassen in ihren selbstgebastelten Kostümen parat, um im Takt der Märsche einen kleinen Cortège rund um das Primarschulgebäude zu machen. «Es ist schön, dass wir den Kindern damit jedes Jahr unsere Fasnachtskultur näher bringen können», sagt Schulleiter Martin Münch.
Doch die diesjährige Fasnacht in Allschwil hat am Schulhaus auch für Diskussionen gesorgt. Die Wildviertelclique, die in Allschwil die Fasnacht organisiert, hat das Motto «D Lehrerschaft lauft drvoo» gewählt. Die Blagettä zeigt Fasnachtsfiguren, die verärgert davon laufen. Dahinter steht ein Clown, der die Schultern zuckt – er soll laut der Motto-Erläuterung die Schulleitung und den Schulrat als «ahnungslos» symbolisieren.
Hintergrund ist der im vergangenen Sommer vom Verein «Starke Schule beider Basel» publizierte Vorwurf einer «Flut an Kündigungen» an der Primarschule Neuallschwil. Der Artikel ist mittlerweile nicht mehr aufrufbar. Die Meldung schlug Wellen, es standen schwere Vorwürfe von «Mobbing, Vetternwirtschaft und autoritärer Führung» im Raum. Der Schulrat wies die Unterstellung einer «unbefriedigenden Gesamtsituation» in der BaZ zurück und sprach davon, dass es sich um eine natürliche Fluktuation handle – aus Datenschutzgründen könne man jedoch die Personalfälle nicht kommentieren.
Nun wird das Thema an der Fasnacht erneut aufgerollt. Schulleiter Martin Münch betont, dass die «grosse» Allschwiler Fasnacht und damit das Fasnachtsmotto nichts mit der Schulfasnacht zu tun habe, auch wenn die Primarstufe darin aufgegriffen wird. Zum Motto sagt er diplomatisch: «Die Fasnacht ist generell ein fester Bestandteil der lokalen Tradition und lebt davon, gesellschaftliche Themen auf humorvolle, pointierte und teilweise auch kritische Weise zu spiegeln. Als Primarstufe respektieren wir diese kulturelle Ausdrucksform.»
Schon vergangenes Jahr hatte die Allschwiler Fasnacht mit «Goots eigendlich no?» zur Planung der 8er-Tramlinie ein kontroverses Thema gewählt. Fasnachtsobmann Adrian Butz findet, dass unzufriedene Stimmen bei Fasnachtsmottos «Standard» seien. Die Fasnacht soll laut Butz zeigen, was Allschwil jeweils bewegt – und der Bevölkerung die Möglichkeit geben, genau hinzuschauen und sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Er verweist auf den Prolog (Värs) der Fasnacht, der über den Titel mit dem Lehrer*innen-Exodus hinausgehe: «Darin drücken wir unsere Wertschäftung für die Lehrerschaft und die Wichtigkeit der Primarschule für Allschwil aus – das zu betonen, liegt mir am Herzen.» Die Primarschüler*innen scheint’s egal zu sein, sie haben die Schulfasnacht mit ihren Gspänli genossen.