«Wir wussten, wir müssen explizit sein»
Das AfD-Sujet der Rhyschnoogge ist die wohl kontroverseste Laterne der diesjährigen Fasnacht: Die Clique ist mit Armbinden in Nazi-Optik unterwegs. Selbst in den eigenen Reihen polarisierte das Sujet.
Zuerst sind da die freundlichen blauen Clowns im Vortrab, die Becher für alle verteilen. Ein Shot Berliner Luft – da ist es doch schwer, zu widerstehen. Aber erst wenn die Laterne vorbeizieht und man die Rhyschnoogge mit Nazi-ähnlicher Armbinde sieht, versteht man die zynische Botschaft der Clique: Sie sind wieder da – und folgen Alice Weidel, die gross auf der Rückseite der Laterne gezeigt wird.
Die AfD: Mittlerweile vom deutschen Verfassungsschutz als «gesichert rechtsextremistisch» eingeordnet, mittlerweile in ostdeutschen Bundesländern die mit Abstand stärkste Partei. In der Sujetkommission der Rhyschnoogge wollte man diese düstere Entwicklung einfangen, erklärt Daniel Gmür, Präsident der Sujetkommission: «Wir können die Welt nicht ändern, aber wir können die Tendenz kritisch aufzeigen, dass es mittlerweile in die gleiche Richtung geht wie in den 1930er-Jahren. Und wir wussten direkt: Wenn wir das thematisieren, müssen wir explizit sein.»
«Manche wollten dieses Jahr so nicht bei uns mitlaufen.»Daniel Gmür, Präsident Sujetkommission Rhyschnoogge
Die AfD als Nazis zeigen ist das eine – aber selbst als Nazi uniformiert herumlaufen das andere. Gmür sagt, dass es teils hitzige Diskussionen innerhalb der Clique wegen des Sujets gab: «Es gab auch Leute, die kein Verständnis dafür hatten, was wir damit zeigen wollen. Manche wollten dieses Jahr so nicht bei uns mitlaufen.» Die Rhyschnoogge wollen mit ihrer Laterne signalisieren: Dass es zum braunen (oder eben: blauen) Mob kommt, darf nicht wieder passieren.
Es gab innerhalb der Clique und auch von Zuschauer*innen die Kritik, dass eine so klare visuelle Referenz NS-verherrlichend sein könnte. Die rote Armbinde, die mit schwarzem Symbol (eine kantige Abwandlung einer Narrenkappe) in weissem Kreis an die Nazi-Optik angelehnt ist, gab besonders zu reden. «Das Hakenkreuz wäre eine Grenzüberschreitung gewesen, das war allen Beteiligten bewusst. Deshalb haben wir da einen Mittelweg gewählt», so Gmür. Er ergänzt, dass das Fasnachtspublikum durchaus verstehe, dass auch diese polarisierende Art der Kritik zur Fasnacht gehöre.
Er hat den Eindruck, dass die Message ankommt: «Man muss aufpassen, sonst läuft man plötzlich mit.» Der Fasnachtszug der Rhyschnoogge wird damit zur interaktiven Performancekunst. Zuerst lässt man sich vom Vortrab den Becher (ausgerechnet «Berliner Luft» als Shot ist natürlich kein Zufall) schenken. Der Becher hat das gleiche Emblem wie die Armbinden. Damit in der Hand betrachtet man sich schliesslich in der spiegelnden Seite der Laterne selbst. Gmür erklärt: «Man erkennt sich im Spiegel als Teil des marschierenden Mobs, der danach folgt. Man ist quasi zum Mitläufer geworden.» Sprich: Man darf der AfD nicht auf den Leim gehen, sonst findet man sich bei den Nazis wieder.
Die Laterne wurde von Nico Burtscher gemalt. Sie findet gestalterisch grossen Anklang, sagt Daniel Gmür. Die Vorderseite zeigt die blaue Clique, mit ausdruckslosen Larven, in ihren Händen leuchten rot die vom Vortrab verteilten Becher. «Hurra, wir sind wieder da», steht da dann in der bei den Nationalsozialisten beliebten Tannenberg-Schriftart.
Die Rückseite zeigt dann die AfD-Co-Chefin Alice Weidel lässig und mit dem gleichen Becher in der Hand auf einem Thron sitzend. Das Licht um ihren Kopf wirkt wie ein Heiligenschein, sie selbst lacht, als wäre ein Plan aufgegangen. Über ihrer Schulter kriecht eine Schlange. «Ooni Schnauz und Scheitel, geiferet d Alice Weidel», steht auf einem der Väärs.