Basler Cypher

Radio X mahnt sexistische Raps mit dem Buzzer ab

Am Samstag messen sich 50 Rapper*innen im Basel Cypher. Bei sexistischen Lines ertönt ein Buzzer. Rapperinnen finden das gut, andere fürchten um die künstlerische Freiheit.

Buzzer
Ein Buzzer gegen Diskriminierung? (Bild: pixabay)

Sexismus im Rap ist eine alte Geschichte. Aber doch nicht so alt, dass es keine sexistischen Rhymes mehr gäbe.

Die flogen kürzlich wieder einmal dem SRF um die Ohren. Am 21. April traf sich die Schweizer Rapszene im Radio SRF Virus zum Bounce Cypher 2022 um ihre Künste zu messen. Danach hagelte es Kritik wegen Zeilen wie diesen, wie Watson schreibt:

«Wenn ich Ejakulat uf ihri Lippi leer /

Well ich step i diä Cypher und nique ta mère»

oder

«(...) ich zücke eifach Pumpgun und dänn Abstand chline Gay»

Was ist ein Cypher?

In einem Cypher treffen Rapper*innen aufeinander und batteln sich, in dem sie ihre Texte vortragen. Ziel ist, zu zeigen, dass man die*der Beste ist. Dabei fallen auch gerne Beleidigungen gegen die anderen Teilnehmer*innen.

Cypher-Moderator Pablo Vögtli entschuldigte sich nachher in einem Instagram-Video. «Es tut mir weh und es tut mir leid, wie viele homophobe, sexistische oder sonstige diskriminierende Aussagen gefallen sind. Ich finde das zum Kotzen», sagt er zu Beginn. Er übernehme die Verantwortung für das Line-Up beim Cypher. Er nennt die diskriminierenden Texte «ein Armutszeugnis» Vögtli sagt aber auch, es sei nicht möglich bei 86 Auftritten jede Zeile live auf die Waage zu legen.

Doch in Basel versucht Radio X jetzt genau das. Denn auch hier steht nächsten Samstag ein Cypher an. «Man lebt gemeinsam die Kultur,» sagt der Basler Rapper Fenton, welcher den Event organisiert.

Fenton
Fenton (links) moderiert am Samstag das Cypher (Bild: zvg)

Fünf Stunden lang rappen die über 50 Basler Rapper*innen exklusive Texte. Das Ganze wird von CHRap aktuell, einer Instagram-Plattform für Schweizer Rap, präsentiert und live auf Radio X übertragen.

Nun hat sich das Radio X etwas Neues überlegt, um mit allfälligem Sexismus und Homophobie umzugehen: Sie nehmen einen Buzzer mit ins Studio. Wenn ein*e Rapper*in einen Text mit diskriminierenden Aussagen rappt, hauen die Moderatoren auf einen Knopf, der ein Störgeräusch von sich gibt. «Damit soll klar gemacht werden, dass Radio X nicht hinter diesen Aussagen steht», erklärt Fenton.

Der Rapper findet die Kritik bezüglich des Cyphers von SRF Virus unverhältnismässig, «vor zehn Jahren war es noch viel schlimmer», fügt er hinzu. Zu den Massnahmen von Radio X steht Fenton dennoch, er teile dessen Werte.

Während des Cyphers können sich Zuschauer*innen in der Kommentarspalte des Livestreams austauschen. Fenton hofft, dass dank des Buzzers eine konstruktive Diskussion über das Gesagte stattfinden kann. Somit sollen sich die Künstler*innen ihren Aussagen bewusst werden. Fenton betont aber auch, es sei wichtig «niemanden an den Pranger zu stellen oder auszuschliessen».

Wie reagieren die Rapper*innen?

La Nefera
La Nefera wird beim Cypher dabei sein. (Bild: zvg)

Bajour hat sich bei weiblichen Künstlerinnen umgehört, was sie vom Sexismus-Buzzer halten.

Die Rapperin La Nefera unterstützt die neuen Vorschriften des Basel Cyphers. Sie bedauert es, dass Leute überhaupt darauf hingewiesen werden müssen, keine diskriminierende Sprache zu benutzen. «Battle-Rap ja! Aber nicht auf Kosten von marginalisierten Gesellschaftsgruppen», findet La Nefera. «Wenn man wirklich kreativ ist, findet man andere Wege sich auszudrücken», betont sie. Auf die Frage, ob sich durch die Regelungen für sie etwas ändert, sagt sie klar «nein».

«Wenn man wirklich kreativ ist, findet man andere Wege sich auszudrücken.»
La Nefera

Basler Rapper*in Lila Martini nimmt nicht am Cypher teil. «Es ist wichtig, dass Rapper*innen sich bewusst sind, was sie sagen», meint Lila. Die Massnahmen findet Lila gut: «Ich bin skeptisch, dass es klappt. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen».

Lila Martini
Lila Martini hält nicht viel von Beleidigungen. (Bild: Stephen Nthusi)

KimBo ist eine Rapperin aus Basel, Zürich und dem Tessin. Sie nahm am Bounce Cypher von SRF Virus teil, wird aber dieses Jahr auch nicht beim Basel Cypher dabei sein. Sie findet es gut, dass Radio X nicht nur redet, sondern auch handelt. Als einen Eingriff in die Kunst des Hip Hop wertet sie die Regeln nicht, Rap sei «kein Freipass für Sprüche auf Kosten anderer».

KimBo
Auch KimBo befürwortet die Regeln (Bild: zvg)

Bajour wollte auch mit männlichen Rappern sprechen. Aber nach dem Shitstorm beim SRF ist es gar nicht so einfach, eine offene Diskussion darüber zu führen.

Was halten die Fans davon?

In der Community von CHRap führt der Buzzer aber offenbar zu gemischten Reaktionen, wie ein Blick auf Instagram zeigt. Viele befürworten den Schritt, andere fürchten um die künstlerische Freiheit und sehen im Buzzer eine Art von Zensur.

Eine Rapperin etwa sagt: «Ich als Rapperin sage selber viel bitch und hoe gegen Männer und Frauen. Wenn es dann buzzert würde ich nicht kommen».

Insta Rapperin
(Bild: Screenshot CHRap aktuell)

Eine andere Person schreibt: «Rap Polizei spielen ist nicht nachhaltig» und «Ich frage mich, was aus Rap geworden ist. Künstlerische Freiheit und so».

Andere dagegen können in diskriminierenden Pointen nicht grad viel Kreativität erkennen:

Insta Diskriminierung
(Bild: Screenshot CHRap aktuell)

Sexismus im Rap ist eine alte Geschichte. Aber sie ist wohl noch nicht zu Ende erzählt.

Was: Basel Cypher

Wann: Samstag 7. Mai, 14 bis 19 Uhr

Wo: Radio X. Hier gehts zum Livestream

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