2026-02-06 Frage des Tages SRG (1)-1

Sollte das Alter für den Kindsgi-Start angepasst werden?

Wann ist ein Kind parat, um eingeschult zu werden? Im Kanton Baselland beschäftigt sich die Politik aktuell mit dem Stichtag zur Einschulung. In einer Motion macht sich SP-Landrätin Miriam Locher dafür stark, dass dieser Tag von Ende Juli auf Ende April vorverlegt wird. Der Grund: Einige der Kinder seien noch nicht reif für die Schule. Auch SP-Grossrätin Sasha Mazzotti beschäftigt sich mit dem Thema und hält es für notwendig, die Ist-Situation in Basel-Stadt zu evaluieren, wo der Stichtag ebenfalls auf Ende Juli festgelegt ist. Anstatt den Stichtag nach vorne zu verlegen, plant sie, einen Vorstoss für eine gezielte Frühförderung einzureichen. Mazzotti stellt darin die grundlegende Frage, ob es künftig sinnvoll wäre, verpflichtende Angebote vor der obligatorischen Schulzeit – zum Beispiel in Spielgruppen – einzuführen, anstatt die Kinder später einzuschulen.

970 Stimmen
Valerie Wendenburg
Valerie Wendenburg
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Rosie
11. Februar 2026 um 10:46

Bedürfnisse bleiben auf der Strecke

Ich arbeite in einer Tagesstruktur und begrüsse es, wenn der Stichtag verschoben werden würde. Wir sehen im August durchgehend knapp 4 jährige, die emotional überfordert sind. Nach dem Kindergarten kommen sie zu uns in die Tagesstruktur. Da herrscht Trubel. Die Kinder sind noch nicht so weit, dass sie sich einen ganzen Tag selbst regulieren können. Die Masse an Kindern und kleinerer Betreuungsschlüssel heisst, Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. Schaut man noch die Entwicklungsforschung an, dann sieht man in Studien aus Skandinavien, dass spätere Einschulung zu weniger Depressionen, Angststörungen etc. führt. Die Kinder haben weniger Stress und Druck. Viel mehr sollte man darauf ansetzen, dass aufgeklärt wird, was zu früher, hoher Medienkonsum bedeutet. Sehr viele Kinder sind emotional vernachlässigt. Aber dies kann und darf nicht ausschlaggebend dafür sein, dass andere Kinder deshalb früher zur Schule müssen, obwohl sie noch nicht so weit sind.

Sasha Mazzotti, SP
Sasha Mazzotti
SP-Grossrätin

Spätere Einschulung ist nicht die Lösung

Kinder später einzuschulen, kann  bei einzelnen Kinder eine gute Sache sein. Ich hätte den späteren Eintritt in den Kindergarten früher vollkommen unterstützt. In der Zwischenzeit muss ich feststellen, dass die Problematik vielfältiger ist. Und dem muss man auf den Grund gehen. Die  familiären Lebenswelten von Kindern haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Auch innerhalb der Familien werden immer mehr digitale Medien genutzt, was dazu führt dass Erwachsene zum Teil weniger mit ihren Kindern interagieren und kommunizieren. Auch beobachte ich, dass Eltern ihre Kinder vor allen möglichen Gefahren und Misserfolgen schützen wollen, was grundsätzlich verständlich ist. Dies geht aber so weit, dass den Kindern wichtige Erfahrungen im Umgang mit ihren eigenen Fähigkeiten genommen werden und nicht lernen damit umzugehen. Ich finde es daher wichtiger, das Thema genauer anzuschauen und daraus Massnahmen abzuleiten. Wie holt man die Familien frühzeitig ab, braucht es mehr obligatorischen Angebote? Braucht es mehr Aufklärung und Prävention bezüglich Medien im Kinderzimmer und Medienkonsum innerhalb der Familien? Sollten wir wieder über die Basisstufe nachdenken? Die Kinder wieder später einzuschulen ist meines Erachtens nicht die Lösung.

Daniel Schmerse
Daniel Schmerse
Leiter der Professur Kindliche Entwicklung und Sozialisationsprozesse an der FNHW

Das ideale Alter gibt es nicht

«Das ideale Alter für den Eintritt, also einen für alle Kinder gültigen Alterszeitpunkt, an dem sie emotional und kognitiv ‹bereit› sind, gibt es so nicht. Gerade in der frühen Kindheit ist die Variabilität zwischen Kindern in den verschiedenen Entwicklungsbereichen enorm. Hinzu kommt, dass sich nicht alle Kinder im gleichen Tempo entwickeln.»

Ueli
10. Februar 2026 um 21:39

Change oder Transformation?

„Transformation“ stellt im Gegensatz zu „Change“ eine Abkehr von einem reinen Optimieren bestehender Strukturen dar. Change heisst: den Einschulungstermin vor- oder nachverlegen? Transformation bedeutet: ein sich freies Bilden ermöglichen!

Cristina
12. Februar 2026 um 08:16

Die Frage greift zu kurz

Die Frage, ob Kinder früher oder später eingeschult werden sollen, greift zu kurz. Nicht der Zeitpunkt allein gehört auf den Prüfstand, sondern das gesamte Schulsystem: Ist unser Bildungssystem wirklich noch zeitgemäss? Kinder kommen mit Neugier, Kreativität und einem tiefen Bedürfnis nach Beziehung und Selbstwirksamkeit zur Welt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, wann sie eingeschult werden, sondern unter welchen Bedingungen sie lernen dürfen. Fördern wir Potenzialentfaltung – oder vor allem Anpassung? Bevor wir also am Einschulungsalter drehen, sollten wir klären, welche Werte unser Bildungssystem tragen sollen. Welche Art von Zukunft wollen wir – und welche Menschen brauchen wir dafür?

Lena
11. Februar 2026 um 10:00

Transformation - neu starten

Das System ist völlig veraltet. Es braucht eine Untersuchung über die derzeitige Lage, um mehr Infos zu holen wie die Situation bei Kindern aussieht. Es braucht mehr praktische Schulungen zur Prävention con Medienmissbrauch und philosophische Schulungen zu Ethik. Die Werte der Kinder müssen gestärkt werden, da es heutzutage nicht mehr eine orientierende Institution gibt wie die Kirche und keine einheitliche Erziehungskultur sind Kinder sehr verwirrt und gefährdet von labilen Medienströmen. Es muss mehr zu Finanzen, Alltags-Skills in Haushalt usw, Kommunikationsfähigkeiten, emotionales Management stattfinden und die alten Schulfächer sollten mehr in den Hintergrund rücken. Kinder merken sich nicht mehr geografische Einzelheiten oder sowas es gibt das Internet und KI und damit wird auswendig lernen überflüssig, vielmehr muss beigebracht werden, ob und wie man zuverlässige Quellen erkennen kann. Und noch viel mehr Baustellen…

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