Kopiert!

Seufz

Schwanger, Mutter, diskriminiert

Wie geht es schwangeren Frauen und Müttern im Job? Fünf Frauen melden sich mit ihren Erfahrungen zu Wort.

03/26/21, 03:30 AM

Aktualisiert 03/26/21, 10:58 AM

Kopiert!
A sad pregnant woman needs prenatal care and support. A young woman expecting a child is depressed. Psychological and medical vector illustration

Hallo liebes Kind. (Foto: Maria Ponomariova)

«Planen Sie Kinder?», «Schaffen Sie dieses Pensum als Mutter?», «Sind Sie schwanger?». Kaum eine Frau, die diese Fragen beim Bewerbungsgespräch nicht kennt. Dass solche Fragen gemäss Gleichstellungsgesetz eine Form der Diskriminierung und verboten sind, ist vielen nicht bewusst. Oder sie sagen trotzdem nichts, aus Angst davor, die Stelle nicht zu bekommen.

Aber berufliche Nachteile aufgrund von Elternschaft können sich auch viel subtiler äussern und sind nicht in jedem Fall als Diskriminierung juristisch anfechtbar. Eine Untersuchung des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass jede siebte Frau wegen Mutterschaft ihre Stelle gegen ihren Willen aufgeben muss. Häufig (11%) ist der Grund eine Kündigung oder die fehlende Möglichkeit, das Pensum zu reduzieren. Da 71 Prozent der Frauen erst nach der 16-wöchigen Kündigungs-Sperrfrist ihre Arbeit wieder aufnehmen, sind sie gegen Kündigungen aufgrund von Mutterschaft nicht geschützt.

Soweit die Zahlen. Wie äussern sie sich im Arbeitsalltag? Sechs Frauen haben uns von ihren persönlichen Erfahrungen erzählt. Die Namen sind anonymisiert.

Fabienne: «Man sagte mir, ich solle zurücktreten»

Im August 2020 bekam ich die Zusage für eine Stelle als Arztsekretärin. Ich hatte nach der Geburt meines ersten Kindes lange gesucht und diese Stelle war ideal für mich. Teilzeit und ganz in der Nähe. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass ich wieder schwanger war.

Antrittsbeginn war Dezember 2020, da wäre ich im 6. Monat gewesen. Ich wusste wie mutig das ist. Aber die letzte Schwangerschaft war unproblematisch verlaufen, deshalb ging ich davon aus, dass es dieses Mal auch wieder so sein würde. 

Ich entschied mich also, die Stelle trotzdem anzunehmen und meinen neuen Arbeitgeber zu informieren. In der neunten Woche sagte ich ihm Bescheid. Die Nachricht wurde nicht gerade jubelnd aufgenommen: Mein Chef sagte mir, ich solle nicht behaupten, ich hätte während des Einstellungsgesprächs noch nicht gewusst, dass ich schwanger sei. Ich hätte ihr Vertrauen missbraucht und solle doch lieber von der Stelle wieder zurücktreten. Mit zwei Kindern wäre das alles ja dann eh schwer stemmbar.

«Mein Chef sagte mir, dann müsse ich damit leben, dass die Arbeitsatmosphäre nicht so gut sein werde.»

Fabienne

Abgesehen vom Rücktritt wurden keine Lösungsvorschläge gemacht, man kam mir nicht entgegen. Ich betonte, dass ich lange gesucht hatte, die Stelle annehmen würde und überzeugt sei, dass es gehen werde.

Mein Chef sagte mir, dann müsse ich damit leben, dass die Arbeitsatmosphäre nicht so gut sein werde. Ich fühlte mich total überfahren. Einen Monat später schrieb ich meinem Chef einen Brief (Kopie ans HR), in dem ich erklärte, wie ich mich an dem Gespräch gefühlt hatte und dass diese Schwangerschaft für mich kein Grund sei, die Stelle nicht anzutreten.

Mein Chef schrieb postwendend einen 2-Zeiler zurück – er bedanke sich für mein Schreiben und sei mit dem Inhalt einverstanden. Er freue sich, dass ich die Stelle wie vereinbart antrete und nach meinem Mutterschaftsurlaub weiterarbeiten werde.

Im Dezember trat ich die neue Stelle an. Es war schon etwas seltsam, aber ich arbeitete mich gut ein. Jetzt bin ich krankgeschrieben, das Kind kommt im April. Meine Stellvertretung übernimmt die ehemalige Mitarbeiterin, die Ende 2020 pensioniert wurde.

Bist du Chef*in? Erzähl uns deine Sicht.

Wie ist es als Arbeitgeber*in, wenn die Angestellten Kinder bekommen und ausfallen? Das würden wir gerne erfahren.

Silvia: «Meine Chefin bat mich ins Büro und zeigte mir am Bildschirm die ganzen Arbeitsstunden, die ich gefehlt hatte.»

Im Juni 2019 trat ich eine neue Stelle im Bereich Kommunikation bei einem Basler Verlag an. Im September wurde ich ungeplant schwanger. Bis dahin war es gut gelaufen, ich verstand mich mit meinen Kollegen und bekam gutes Feedback.

Der Beginn der Schwangerschaft verlief mit Komplikationen und ich musste ein paarmal ins Spital. Leider litt ich auch an schwerer Schwangerschaftsübelkeit und musste ich mich mehrmals am Tag übergeben. Das konnte ich auch nicht mehr vor meinen direkten Kollegen im Büro verstecken.

Nachdem ich aufgrund der Übelkeit zwei Wochen krankgeschrieben wurde, riet man mir seitens der Personalabteilung zu reduzieren. Mit den Beschwerden könne ich meine Arbeit nicht 100% erfüllen. Eines Tages zeigte meine Chefin mir am Bildschirm meine gesamten Fehlstunden.

«Einmal sagte man mir, es sei ja schon ein glücklicher Zufall, dass ich direkt nach der Probezeit schwanger geworden sei.»

Silvia

Der Druck auf mich wurde immer stärker, ich wurde nonstop von meinen Vorgesetzen überwacht und es wurden mir immer kürzere Deadlines für meine Aufgaben gestellt. Als ich erneut krankheitsbedingt ausfiel, sagte meine Chefin mir, dass ich unkollegial sei. Meine Aufgaben müssten meine Kollegen für mich übernehmen. In Wahrheit hatte ich keine Vertretung und war alleine für einen grossen Arbeitsbereich zuständig. 

Als ich mich erneut weigerte, mein Arbeitspensum zu reduzieren, schlug die Personalabteilung mir vor, mich von meinem Frauenarzt arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Auch da weigerte ich mich, ich war damals Alleinverdienerin und konnte mir ein reduziertes Gehalt nicht leisten. Ausserdem verstand ich nicht, warum ich aufgrund meiner Beschwerden finanzielle Nachteile erfahren sollte. Schliesslich war ich doch nicht schuld an meiner Schwangerschaftsübelkeit! 

Aber dieses Gefühl wurde mir seitens meiner Vorgesetzten immer wieder gegeben. Einmal sagte man mir, es sei ja schon ein glücklicher Zufall, dass ich direkt nach der Probezeit schwanger geworden sei. Ich musste mich immer wieder rechtfertigen und betonen, dass die ersten drei Monate oft schwierig sein können, und es danach sicherlich wieder besser würde.

Wir hören zu.

Kurz vor Weihnachten gab mir die Personalabteilung Bescheid, dass man mir weitere Fehltage vom Lohn abziehen würde. Eine Erklärung ob und wie das rechtlich vertretbar sei, gab man mir nicht. Ich hätte bereits zu viel gefehlt. Das war kurz vor Weihnachten. Also arbeitete ich weiter, so gut ich konnte.

In dieser Zeit ging es mir auch psychisch nicht mehr gut und ich machte mir grosse Sorgen, dass sich der Stress auf die Entwicklung meines Babys auswirken könnte. Ich begann an Schlafstörungen zu leiden und dachte nachts über die Konflikte am Arbeitsplatz nach. Irgendwann verlangte mein Arbeitgeber, ich solle ihm schriftlich bestätigen, dass ich nach der Schwangerschaft nicht zu meinem Arbeitsplatz zurückkehren würde. Darauf schrieben sie meine Stelle neu aus und besetzten sie innerhalb kurzer Zeit. 

Im vierten Monat eskalierte die Situation. Man warf mir vor, ich hätte eine schlechte Bewertung auf einer Bewertungsplattform geschrieben. Sie zeigten mir die Bewertung nicht, sondern sagten bloss, das sei genau mein Jargon, sie wüssten genau, dass ich das gewesen sei. Damals bin ich vor lauter Verzweiflung weinend aus dem Büro gegangen. Meine Hausärztin schrieb mich krank und ich begab mich auch in psychologische Betreuung. 

Ich fand durch eigene Recherche heraus, dass mein Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hatte, aber es war ein ungeheurer Kampf, zu meinem Geld zu kommen. Mir fehlten aufgrund von Wartefristen zwischendurch zwei Monate Lohn. Ich suchte Rat bei der Schlichtungsstelle und dem Gleichstellungsbüro. Man sagte mir, ich solle ein Schlichtungsverfahren einleiten, was ich auch tat. Ich suchte mir eine Anwältin, was nicht einfach war: Viele Anwälte mussten mir aufgrund von Interessenskonflikten zu diesem Verlag absagen.

«Den Termin für das Verfahren zur Festellung einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verschob die Firma immer wieder, so dass ich am Ende hochschwanger im Anhörungsraum sass.»

Silvia

Den Termin für das Verfahren zur Feststellung einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verschob die Firma immer wieder, so dass ich am Ende hochschwanger, wenige Wochen vor der Geburt, im Rathaus in einem dunklen Anhörungsraum sass. Wenn ich darüber rede, kommen mir heute noch die Tränen. Ich habe mich so alleine gefühlt.

Man stellte mich als schlechte Mitarbeiterin dar, zählte auf, in welchen Bereichen ich überall meine Arbeit nicht erledigt hätte. Am Ende wurde keine Diskriminierung festgestellt, allerdings wurde meinem Arbeitgeber nahegelegt, mir für die zwei Monate 8000 Franken auszuzahlen, das Anderthalbfache meines Monatsgehalts. Mein Arbeitgeber wollte das nicht akzeptieren.

Kurz vor Ablauf der Klagefrist hat er einen Vorschlag zur aussergerichtlichen Einigung gemacht: Sofortige Kündigung einvernehmlich. Einschliesslich Abzug des Lohnes, den man mir zu viel ausgezahlt hätte. Ich sagte, darauf würde ich nicht eingehen. Schliesslich kündigten sie mir auf nach Ablauf des Mutterschutzes und ich wurde für die verbliebene Zeit freigestellt. Ich habe mir lange überlegt, ob ich Klage einreichen soll, um die Firma Konsequenzen für ihr Handeln spüren zu lassen. Schliesslich musste mich aus finanziellen Gründen dagegen entscheiden. 

Mittlerweile bin ich mit meiner Familie nach Deutschland gezogen. Meine Erfahrungen aus der Zeit haben mich geprägt und ich werde bei meiner nächsten Arbeitsstelle sicherlich sehr vorsichtig sein. Trotz allem bin ich stolz darauf, dass ich mich nicht habe einschüchtern lassen. Ich hatte zum Glück einen Partner, der mich immer wieder darin bestärkt hat, für mein Recht einzustehen. Und ich hatte einen weiteren Grund es zu tun: Ich möchte meiner Tochter ein Vorbild darin sein, sich als Frau in keinem Bereich Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten gefallen zu lassen.

Florence: «Als ich krankgeschrieben wurde, gab es ein Drama»

Ich habe einen sehr anspruchsvollen Job im HR. Ab dem 7. Monat musste ich aufgrund von Stress und möglichen Folgen für mein Baby reduzieren. Als ich das der Firma kommunizierte, gab es ein Drama. Man sagte mir, wie überrascht man sei und das könne doch so früh noch nicht sein. 

Während der ganzen Schwangerschaft versuchte ich, einen Termin für ein Gespräch über meinen Wiedereinstieg abzumachen. Aber es hiess immer, das gehe ja noch so lange, das müsse man noch nicht besprechen. Bis zur Geburt kam es zu keinem Gespräch.

Als ich dann kurz nach der Geburt kommunizierte, dass ich das Kind bekommen hatte, ging es plötzlich ruckzuck und man teilte mir mit, dass so bald wie möglich ein Gespräch vereinbart werden soll. Es könne dann auch länger dauern und ich solle dann doch einfach abpumpen, falls ich nicht so lange vom Baby getrennt sein könne.

Nun hat der Termin stattgefunden, mein Baby hat sich nach knapp einer Stunde bemerkbar gemacht. Nach dem Mutterschaftsurlaub kann ich im reduzierten Pensum zurückkehren.

Mutter? Das sind deine Rechte

Beim Bewerbungsgespräch

Eine Schwangerschaft muss bei einem Bewerbungsgespräch nicht mitgeteilt werden.

Vermutest du eine Diskriminierung wegen deiner Schwangerschaft, musst du innert drei Monaten nach Erhalt der Begründung ein Schlichtungsverfahren einleiten (hier gibt’s entsprechende Infos dazu). Dabei kannst du eine Entschädigung im Umfang von drei Monatslöhnen fordern. Du kannst aber nicht verlangen, eingestellt zu werden.

In der Probezeit

Eine Schwangerschaft muss in der Probezeit nicht mitgeteilt werden.

Ist der Kündigungsgrund deine Schwangerschaft, dann kannst du innert Kündigungsfrist (7 Tage) schriftlich Einsprache bei deinem/r Arbeitgeber/-in erheben. Nach der Kündigung in der Probezeit hast du 180 Tage Zeit, ein Schlichtungsverfahren (hier gibt’s entsprechende Infos dazu) einzuleiten und damit eine Entschädigung von bis zu sechs Monatslöhnen zu fordern.

Bei der Arbeit

Wirst du aufgrund deiner Schwangerschaft oder Mutterschaft herablassend behandelt, weil du beispielsweise schwangerschaftsbedingte Krankheitsausfälle hast oder indem dir das Stillen schwer gemacht wird, kannst du ein Schlichtungsverfahren einleiten und Folgendes verlangen:

  • Eine Genugtuung, falls du durch das Mobbing psychisch oder physisch beeinträchtigt wurdest
  • Schadenersatz, falls das Mobbing zu finanziellem Schaden deinerseits geführt hat (medizinische Kosten etc.)

Bei Mutterschaft

Eine Kündigung wegen Mutterschaft bis zur 16. Woche nach der Geburt ist verboten. Das Arbeitsverhältnis besteht weiter.

Wenn du dich gegen eine diskriminierende Kündigung wehrst, darf sich das nicht negativ auf dein Arbeitszeugnis auswirken.

Weitere Infos und Fallbeispiele findest du auf der Website «Mama Work Rights».

Simone: «Meinen befristeten Arbeitsvertrag verlängern sie nur, wenn es mir in der Schwangerschaft weiterhin gut geht»

Seit 12 Jahren arbeite ich als Pflegefachfrau in der Psychiatrie, die letzten zweieinhalb Jahre in der Psychiatrie-Spitex. Letzten September wurde es mir zum ersten Mal zu viel und ich kündigte. Per 1. November hätte ich eine Festanstellung in einem Café gehabt, die dann wegen der Corona-Massnahmen nicht zustande kam. Ich suchte mir also Arbeit in einem Corona-Schnelltestzentrum und kam so über die Runden. Ende Dezember erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Ich meldete mich beim RAV an und begab mich sofort auf Stellensuche. 

Unter anderem bewarb ich mich in einer psychiatrischen Klinik. Ich kam zum Vorstellungsgespräch, alles verlief gut. Der Pflegedirektorin und der Abteilungsleiterin sagte ich, dass ich schwanger sei und nach der Geburt nicht mehr als 60% arbeiten möchte. Die Stelle war mit 80% ausgeschrieben gewesen. 

Die Abteilungsleiterin sagte, das sei auf keinen Fall möglich. Sie müsse schon jetzt eine Mutter mit 40% übernehmen, das sei mühsam genug und eine Mehrbelastung für den Rest des Teams. Sie sei ja selber Mutter aber es läge einfach nicht drin für diesen Betrieb. Ausserdem wäre ich ja dann im letzten Trimester und würde zur Risikogruppe gehören. Es werde also wohl nichts.

«Ich würde mir wünschen, dass es hier in der Klinik eine Stelle gibt, wo man sich melden kann, wenn es einem Mal zu viel wird.»

Simone

Nach ein paar Tagen riefen sie trotzdem an: Ein Mitarbeitender war unerwarteterweise ausgefallen, sie konnten mir einen befristeten Arbeitsvertrag von Februar bis Ende Mai geben. Wenn es mir bis dahin gut ginge, würden sie allenfalls verlängern. Das mit der Risikogruppe schien vergessen zu sein. Sie hatten wohl bemerkt, wie eng es um die Personalauslastung für diese Zeit steht.

Ich nahm die Stelle also an. Jetzt werde ich als Joker eingesetzt, hätte zum Beispiel auch Nachtdienste mit 18 Krisenpatientinnen und -patienten alleine auf der Station machen sollen. Dagegen wehrte ich mit zum Glück erfolgreich. Ich übernehme aber weiterhin Notfalleintritte. 

Die erste war eine Frau, die ihr Kind im 4. Monat verloren hatte. Ihre Geschichte belastete mich und ich sagte meiner Chefin, dass ich sie gerne als Bezugsperson abgeben würde, falls es mir zu viel würde. Sie meinte, ich solle versuchen, mich abzugrenzen. Das sei ihr Leben, nicht meins.

Ich weiss, sie fände es nicht in Ordnung, wenn ich die Frau abgeben würde. Aber ich merke, wie ich dünnhäutiger bin, die Geschichten gehen mir näher als sonst. Ich würde mir wünschen, dass es hier in der Klinik eine Stelle gibt, wo man sich melden kann, wenn es einem Mal zu viel wird. Aber sowas fehlt total. Als wäre unsere psychische Gesundheit nicht auch wichtig.

Flavia: «Ich sass weinend in den Sitzungen, so schlimm war der Druck geworden.»

Ich arbeitete bei einem grossen Medienhaus in einem kleinen Team. Meine Schwangerschaft war nicht einfach, ich habe mich viel erbrochen, bin umgekippt, mir wurde oft schwarz vor Augen. Die letzten zwei Monate wurde ich krankgeschrieben, was für mein Team sicherlich nicht einfach war. Danach hatte ich eine schwierige Geburt, aus der ich traumatisiert herauskam. Ich nahm insgesamt fünf Monate Mutterschaftszeit, davon einen unbezahlt. In diesen Monaten gab es grosse Umstrukturierungen.

Die Teamhierarchie war anders aufgestellt, die Programme, die Serverstruktur. Ich kam zurück und alles war neu. Mein Vorgesetzter hatte viel zu tun und keine Zeit, mir eine Einführung zu geben. Ich wurde nie gefragt, ob ich eine Umschulung brauche und erarbeitete mir alles selbst.

Nach drei Monaten bat mich mein Chef in sein Büro und meinte, meine Leistungsfähigkeit reiche nicht aus, ich hätte nicht dieselbe Anpassungsfähigkeit wie der Rest des Teams. Ich wehrte mich, erklärte die Situation, es gab etliche Sitzungen, wir sind zur HR-Abteilung und kamen einfach nicht vom Fleck. Die HR-Frau sagte, sie verstehe nicht, wieso ich mich jetzt so gegen meinen Chef stellen und ein grosses Fass aufmachen würde.

«Irgendwann war ich so am Ende meiner Kräfte, dass ich mich krankschreiben liess. Danach wurde mir gekündigt.»

Flavia

Am Ende sass ich weinend in den Sitzungen, so schlimm war der Druck. Schliesslich gaben sie mir eine Frist: Entweder ich sei innerhalb von drei Wochen auf dem gleichen Level wie alle anderen oder ich müsse gehen. Ein anderes Angebot kam nicht.

Ich merkte, dass ich das nie im Leben schaffen würde. Irgendwann war ich so am Ende meiner Kräfte, dass ich mich krankschreiben liess. Danach wurde mir gekündigt und ich stand mit einem kleinen Baby auf der Strasse und musste aufs RAV.

Als frischgebackene Mutter ist die Stellensuche auch nicht gerade einfach. Ich habe bis heute einen Groll auf meinen Chef, dass er mein erstes Jahr mit Baby so erschwert hat. Aber glücklicherweise wendete sich alles zum Guten. Heute arbeite ich 80% in einer Agentur.

Wo bleiben die Männer? Das hat sich die Autorin auch gefragt. Falls du, liebe*r Leser*in einen Mann kennst, der ebenfalls von Diskriminierung aufgrund von Elternschaft betroffen ist, melde dich gerne bei der Autorin.