Lupft dir der Regen bald den Deckel? Lass den Frust mit Kultur raus

Der Geist von Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sucht das Atlantis heim. Wer danach Erholung braucht, geht zum neuen Lido 🤘⛱️

Freund*innen, der Sommer ziert sich, die Stimmung ist im wasserüberfluteten Keller. Ich schlage deshalb vor, wir vertrösten uns mit Kultur.

Da ist zum Glück einiges los diese Woche, wenn auch teilweise mit bangem Blick Richtung Himmel, doch das soll niemanden abhalten.

Denn: Egal, ob du Bock hast auf krasses Klimpern, magische Märchen oder freche Filme, bei unseren neuesten Kulturtipps wirst du bestimmt fündig.

Der Abrock-Tipp: Lemmy lebt auf 🎸

Der Motörhead-Sänger ist 2015 verstorben. Im Atlantis wird ihm Tribut gezollt.
Lemmy Kilmister, Sänger und Bassist der britischen Band Motörhead. (Bild: Wiki Commons)

Lemmys Bass tätschte so smooth wie seine langen Haare im Ventilator-Gegenwind. In den 70er-Jahren war ich zwar noch nicht geboren, aber jedes Mal, wenn ich ein altes Motörhead-Video sehe, kann ich diese Zeit riechen und fühlen.

Lemmy Kilmister, der charismatische Sänger und Bassist von Motörhead, ist im Dezember 2015 verstorben. Sein einzigartiger Sound – schnell und laut – hatte die Spuren für Heavy Metal gelegt, Bands wie Metallica massgeblich beeinflusst, und natürlich zahlreiche Tribute-Bands hervorgebracht.

Eine dieser Tribute-Bands, Snaggletooth aus Freiburg im Breisgau, will nun diesen Freitag im Atlantis Lemmys Geist aufleben lassen. Und zwar wird Snaggletooth-Frontmann Lurchi auf der Dachterrasse des -tis Motörhead-Klassiker zum Besten geben. Und parallel dazu die schrägsten, lustigsten und emotionalsten Anekdoten aus Lemmys Biografie «White Line Fever» vorlesen.

Rock'n'Read heisst das sympathische Motto dieser Veranstaltung, die bei schlechtem Wetter (und danach sieht es momentan aus ⛈️) im Konzertsaal stattfindet.

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Rock'n'Read: Lurchi liest Lemmy

Freitag, 16. Juli, Atlantis, 20.30 Uhr.

Der Familien-Tipp: Märchenstunden im Park 🐻

Theater Arlecchino im Park im Grünen
Das Theater Arlecchino bespielt seit 2004 die Grün 80 – heuer mit dem «Dschungelbuch». (Bild: Theater Arlecchino)

Kannst du «Paw Patrol» auf dem iPad nicht mehr hören? Dann flüchte doch mit deinen Kindern in die Grün 80 oder in die Lange Erlen. Dort führt nämlich auch diesen Sommer wieder das Basler Theater Arlecchino jeden Tag Märchen für Klein und Gross auf.

Und zwar folgende zwei Stücke nach dem folgenden Schema:

  • «Dschungelbuch»: Jeden Tag (ausser Samstag) um 14 Uhr und 16 Uhr in der Arena der Grün 80.
  • «Alice im Wunderland»: Jeden Tag (ausser Sonntag) um 14 Uhr und 16 Uhr vor dem Restaurant Park in der Lange Erlen.

Die Stücke werden auf Mundart gespielt, dauern jeweils eine knappe Stunde (ohne Pause) und sind laut den Veranstalter*innen für Märchenliebhaber*innen ab 4 Jahren geeignet.

Alles, was es da noch braucht, ist eine gute Fee, die uns die Gewitterwolken wegzaubert. (Tipp: Immer um 12 Uhr auf der Webseite kurz checken, ob die beiden Stücke am Nachmittag stattfinden können oder nicht. Und sonst: «Keine Pfote zu klein, Paw Patrol, Paw Patrol ...»)

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Theater Arlecchino: «Dschungelbuch» und «Alice im Wunderland»

Park im Grünen und Lange Erlen, täglich 14 Uhr und 16 Uhr (nur bei gutem Wetter).

Der Groove-Tipp: Freeman und Känzig 🎷

Programmänderung im Bird's Eye: Der brasilianische Musiker Marco Lobo musste seinen Auftritt absagen, an seiner Stelle darf nun das Amerikanisch-Schweizerische Duo Chico Freeman und Heiri Känzig ein paar Tage früher und länger ran.

Wie das Video oben zeigt, sind das good news für alle, die am liebsten in einem abgedunkelten Raum mit geschlossenen Augen vor sich hin grooven.

Der in Chicago geborene Freeman gilt als einer der einflussreichsten Saxophonisten der letzten Jahrzehnte und hat schon mit Popgrössen wie The Temptations, Michael Jackson und The Eurythmics performt. Seit fünf Jahren ist er mit dem in New York geborenen Schweizer Bassisten Heiri Känzig erfolgreich als Duo unterwegs.

Die Beiden sind nun im Bird's Eye Jazz Club an vier aufeinanderfolgenden Abenden zu bestaunen. Während den ersten beiden, am 21. und 22. Juli, gesellt sich der Schweizer Jazz-Schlagzeuger Norbert Pfammatter zu ihnen, bei den letzten beiden (23. und 24.7.) stösst ausserdem noch der englische Vibraphonist Jim Hart dazu. Danach verabschiedet sich das Bird's Eye in die Sommerpause.

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Freeman - Känzig - Pfammatter (- Hart)

21. bis 24. Juli, The Bird's Eye Jazz Club.

Der Chill-Tipp: Das neue Lido Basel ⛱

Neue Zwischennutzung auf dem Lysbüchenareal
Neuer Chill-out-Ort: Das Lido auf dem Lysbüchenareal. (Bild: Lido Basel)

Kultur ist Leben. Das beste Leben ist chillen. Und das beste Chillen gibt's im neuen Lido Basel.

Die dreijährige Zwischennutzung auf dem Lysbüchelareal hat letzten Samstag eröffnet und bietet entspannte Atmosphäre mit Buvette, Volleyball, Petanquespielen und Padeltennis. So kehrt endlich Leben ein in das Entwicklungsgebiet im Norden Basels.

Partys, Hochzeiten, Firmenanlässe – auch für all das und mehr soll das Lido zur Verfügung stehen. Den Macher*innen schweben für die Zukunft ausserdem Konzerte, Public Viewings, Openair-Kinos und Flohmärkte vor.

Offen ist das Lido jeden Tag (ausser Montag) ab 16 Uhr (Sonntag ab 14 Uhr), allerdings nur bei schönem Wetter – das sich wirklich, wirklich endlich Mal wieder zeigen könnte ⚡😡

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Lido Basel

Lysbüchelareal zwischen Bahnhof St. Johann, Elsässer- und Schlachthofstrasse.

Der Lachtipp: «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» 😂

Du denkst, Schweizer Filmkomödien sind alle peinlich? Dann hast wahrscheinlich den Kinofilm «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» verpasst. Aber keine Bange: Diesen Sonntag läuft er erstmals im Fernsehen auf SRF.

Der fantastisch freche Film handelt von drei Freundinnen, die sich durch verschiedene Ü30-Lebenskrisen manövrieren: Leila (gespielt von Michèle Rohrbach) will unbedingt ein Kind, wird aber von ihrem langjährigen Partner sitzengelassen; ihre Schwester Amanda (Sarah Hostettler) kriegt zwar ein Kind, bangt aber deswegen um ihre Karriere; und Leilas beste Freundin Sophie (Anne Haug vom Theater Basel) schlägt sich als alleinerziehende Mutter durch.

Die vielen scharfsinnigen Lacher haben das Power-Couple der Schweizer Comedy verantwortet: Natascha Beller (Regie und Buch) und Patrick «Karpi» Karpiczenko (Kamera, Spezialeffekte), einst die Headwriter von «Deville Late Night».

Wer mehr über «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» erfahren will: Ich habe mich damals vor dem Kinostart mit Beller und Karpi darüber unterhalten, wie es ist, einen Film ohne Fördergelder, dafür mit maximaler künstlerischer Freiheit zu machen – nachzulesen hier.

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Natascha Beller: «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei»

Sonntag, 18. Juli, SRF 1, 20.05 Uhr.

Der Abschiedstipp: No more «Life» im Beyeler 💚

Die Installation «Life» von Ólafur Elíasson in der Fondation Beyeler.
Letzte Tage: Die Installation «Life» von Ólafur Elíasson in der Fondation Beyeler. (Bild: Ólafur Elíasson / Mark Niedermann)

«Life», die Mega-Ausstellung von Ólafur Elíasson in der Fondation Beyeler, hat mich Mitte April aus den Socken gehauen. Unsere Kolleg*innen bei der Republik sehen sie jetzt, wo sie sich dem Ende zuneigt, etwas kritischer.

Ist das grüngeflutete Museum «Wahnsinn» oder «traurig»?

Wer sich noch keinen eigenen Eindruck gemacht hat, hat nun die allerletzte Gelegenheit dazu: «Life» endet nämlich diesen Sonntag, 18. Juli.

Danach und dafür gibt's im Beyeler noch die Begleitausstellung «Nature Culture» zu sehen, die sich mit dem Verhältnis von Natur und Kultur in der Kunst beschäftigt. Zu sehen sind über 100 Werke von Künstlern wie Monet, van Gogh und Hodler aus der Sammlungspräsentation. Sie ist die einzige Sammlungspräsentation im Beyeler in diesem Jahr und umfasst nicht weniger als zwölf Säle.

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Ólafur Elíasson: «Life» 

Sonntag, 18. Juli (letzter Tag), Fondation Beyeler.

«Nature Culture» noch bis 21. September

Kultur, Fuchur...

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