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Lebensmittel dringend gesucht

Wenn Gärngschee-Sandie zweimal in die Hände klatscht

Mit den ukrainischen Flüchtlingen steigt das Bedürfnis nach Gratis-Lebensmitteln rasant. Gärngschee-Chefin Sandie Collins bat die über 20’000-köpfige Community um schnelle Hilfe – mit grossem Erfolg und palettweiser Solidarität.

04/22/22, 03:00 AM

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Gärngschee Lebensmittelabgabe

Freiwillige Helfer*innen bereiten sich auf den Ansturm vor.

Jeden Samstag organisieren Freiwillige von Gärngschee ab 11 Uhr eine Lebensmittelabgabe im Lokal an der Reinacherstrasse 117. Normalerweise ist das fast schon eine routinierte Angelegenheit, die seit Mai 2021 über die Bühne geht. Nur am Samstag vor Ostern, dem 9. April, kommen die Helfer*innen plötzlich hinten und vorne nicht mehr nach. «Wir wurden regelrecht überrannt und mussten Menschen vertrösten, da wir bereits ausgeschossen waren.» Menschen kommen in Not und müssen mit leeren Händen wieder nach Hause gehen. «Das ist eine grosse emotionale Belastung», sagt Giusy Tassielli, eine Gärngschee-Helferin der ersten Stunde.

So, wie bei der Gärngschee-Lebensmittelabgabe, ging’s an vielen Orten. Zu den Armutsbetroffenen kommen jetzt auch viele Geflüchtete aus der Ukraine dazu. Bereits letzte Woche appellierten Organisationen wie die Schweizer Tafel und Cartons de Coeur an die Bevölkerung, keine Lebensmittelmittel wegzuwerfen und diese lieber zu spenden. 

Sandie Collins, Gärngschee-Tätschmeisterin, klärte die Community über die neue Situation mit zusätzlichen 50 ukrainischen Familien auf. Statt noch einmal hungrige Menschen nach Hause schicken zu müssen, hoffte sie auf die schon fast sagenhafte Solidarität der inzwischen 21’500-köpfigen Gärngschee-Truppe. 

Und wenn Sandie zweimal in die Hände klatscht, weiss die Community, was Sache ist! Der Post wird massenhaft geteilt und in den Kommentarspalten reihen sich Spendenzusagen an Spendenzusagen. Das überraschte sogar die Verantwortlichen. Eine gewisse Reaktion habe Sandie Collins erwartet aber «so krass nicht». Das hänge jeweils davon ab wie viel Reichweite generiert werden kann – das Fazit lässt sich sehen: über 7000 Franken an Geldspenden kamen zusammen, dazu die vollen Autos mit Lebensmittelspenden: Reis, Pasta, Konserven. «Die Menschen luden zum Teil 4 bis 5 Einkaufstaschen ab und fragten was sie sonst noch bringen könnten», erzählt Sandie von dieser eindrücklichen Erfahrung. 

Am Ostersamstag waren wieder genug Lebensmittel da. Wer vor Ort war, sah all die dankbaren Menschen, altbekannte Bezüger*innen, wie auch neue Bedürftige, berichtet Giusy. «Es tröstet, dass die Freude die diesen Menschen ins Gesicht gezeichnet ist, auch durch unsere Hilfe entsteht», sagt sie. Auch Sandie spüre eine Last auf den Schultern, den Bedürfnissen der Betroffenen nachzukommen. Entsprechend erleichtert ist sie, dass Gärngschee die Lebensmittelknappheit überbrücken konnte – und ausserdem eine nachhaltige Lösung parat ist. Denn die neue Situation wird vermutlich bis auf weiteres zum Normalfall.

Die Schweizer Tafel wird die Gärngschee-Lebensmittelabgabe ab dieser Woche jeweils zweimal anfahren und somit genug Lebensmittel für alle bringen. Das bedeutet vorübergehend keine Engpässe und somit pro Haushalt mehr als «nur eine Banane und zwei Kartoffeln» zum Mitnehmen, erklärt Sandie. Aber die Basis ist und bleibt das grosse Herz der Gärngschee-Community. Wer solidarisch sein möchte, hält also die Ohren steif. Denn die nächste unvorhersehbare Herausforderung kommt bestimmt und man sei dann wieder auf «die Stärke dieser Gruppe» angewiesen.

Wenn Sandie das nächste Mal ruft, wissen also wieder alle, was zu tun ist.

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