Kommentar

Bajour sagt Nein zur Halbierungsinitiative

Am 8. März stimmt die Schweiz über die Vorlage der SVP ab. Sie verlangt eine Senkung der Serafe-Gebühren auf 200 Franken. Die Annahme wäre nicht nur für die Schweiz ein Einschnitt, sondern auch für die Region Basel.

Ina Bullwinkel Porträt
«Wenn so ein bedeutender Batzen an Geldern gestrichen werden soll, wie es die Halbierungsinitiative vorsieht, muss man sich fragen, was dahinter steht.»
Ina Bullwinkel

Ina Bullwinkel

Ein geschwächter Service Public in einer Demokratie trifft uns alle. Wir brauchen die öffentlich-rechtlichen Medien, um auf eine verlässliche, unabhängige Quelle für Nachrichten und Analysen zurückgreifen zu können – das gilt insbesondere für eine direkte Demokratie wie die Schweiz es ist. Die SRG schafft es, Themen abzudecken, für die andere Redaktionen längst keine Ressourcen mehr haben, da die Medienkrise seit vielen Jahren in vollem Gang ist. Es braucht ein Medienhaus, das es sich leisten kann, auch gewisse Nischen abzudecken, um die breite Bevölkerung zu repräsentieren. In Diktaturen und bröckelnden Demokratien wird zuerst der Journalismus angegriffen. Es gibt Gruppen, die ein Interesse daran haben, dass die Bevölkerung nicht so gut und vor allem nicht unvoreingenommen informiert ist. Es gibt aktuell eine Feindlichkeit den Öffentlich-Rechtlichen gegenüber, bei der man genau hinschauen sollte, woher sie rührt. Geht es wirklich darum, sinnlose Programmteile auszusortieren oder steckt eine politische Motivation dahinter? Wenn so ein bedeutender Batzen an Geldern gestrichen werden soll, wie es die Halbierungsinitiative vorsieht, muss man sich fragen, was dahinter steht. Denn das Ergebnis wäre, den medialen Service Public und die gesamte Schweizer Medienlandschaft zu schwächen und mit ihnen auch die Demokratie. Wer will das?

Valerie Zaslawski
«Die Gefahr ist gross, dass sich durch den Abbau von unabhängigem Journalismus Desinformationen weiter verbreiten.»
Valerie Zaslawski

Valerie Zaslawski

Im Journalismus wird abgebaut, die Medienvielfalt schwindet, nun darf nicht auch noch der Service Public geschwächt werden. Die Gefahr ist gross, dass sich durch den Abbau von unabhängigem Journalismus Desinformationen weiter verbreiten. Wir müssen uns fragen, wem die Zerschlagung der SRG etwas bringt? Es sind nicht die privaten Medien, das belegen zahlreiche Studien. So ist eine informierte Gesellschaft eher bereit, für Informationen und damit auch für private Medien zu bezahlen. Es sind vielmehr die Feind*innen einer offenen Gesellschaft, die von einem geschwächten Service Public profitieren würden. Sie wollen die Medienmacht für sich alleine, um ihre Inhalte zu verbreiten. Deshalb, und das macht sie so gefährlich, ist die SRG-Halbierungsinitiative ein Angriff auf die Wahrheit und Glaubwürdigkeit.

Helena Krauser
«Wer die SRG schwächt, verschiebt das Gleichgewicht zugunsten jener Akteur*innen, die von Aufmerksamkeit, Polarisierung oder wirtschaftlichen Interessen profitieren.»
Helena Krauser

Helena Krauser

Die SRG ist ein zentraler Referenzrahmen für Fakten und Einordnung in einer Medienlandschaft, die immer stärker von Marktlogiken geprägt ist. Private Medienkonzerne stehen unter Druck, Klicks, Abos und Werbeeinnahmen zu generieren – das beeinflusst zwangsläufig Prioritäten, Themenwahl und Zuspitzung. Die SRG hingegen hat grundsätzlich keinen direkten ökonomischen Verwertungsdruck und keine Eigentümerinteressen, denen sie verpflichtet ist. Genau das macht sie so wichtig: Sie kann recherchieren, einordnen und berichten, ohne sich an Marktinteressen orientieren zu müssen. Gerade in politischen Debatten braucht es diese unabhängige Instanz als gemeinsame Grundlage für Wahrheit und Fakten. Wer die SRG schwächt, verschiebt dieses Gleichgewicht zugunsten jener Akteur*innen, die von Aufmerksamkeit, Polarisierung oder wirtschaftlichen Interessen profitieren. Das ist ein Risiko für eine informierte Öffentlichkeit.

Valerie Wendenburg
«In der mehrsprachigen Schweiz sorgt die SRG dafür, dass alle Regionen und Sprachgemeinschaften Zugang zu qualitativ hochwertiger Hintergrundinformation haben.»
Valerie Wendenburg

Valerie Wendenburg

Die SRG erfüllt einen zentralen Service-Public-Auftrag. Gerade Kultur-, Wissenschafts- und Hintergrundberichterstattung sind aufwendig, teuer und wirtschaftlich kaum rentabel, aber für eine informierte Gesellschaft unverzichtbar. Meine persönlichen Highlights sind die Literatur-Sendungen und die Sternstunden Religion und Philosophie. In der mehrsprachigen Schweiz sorgt die SRG dafür, dass alle Regionen und Sprachgemeinschaften Zugang zu qualitativ hochwertiger Hintergrundinformation haben. Die Halbierungsinitiative würde genau diese Inhalte zuerst treffen und damit auch die Medienvielfalt schwächen. Medienvielfalt ist jedoch eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie: Sie ermöglicht Meinungsbildung, Einordnung und kritische Auseinandersetzung.

David Rutschmann
«Ein rechtslibertärer Angriff auf die Finanzierung der SRG ist nicht nur ein Angriff auf Journalismus, sondern auch auf die Kultur der Schweiz.»
David Rutschmann

David Rutschmann

Die SRG leistet mehr als das blosse Bereitstellen von Information – sie trägt einen grossen Teil zur Schweizer Identität bei. Popkultur ist für ein Land identitätsstiftender als der Rütlischwur – Mythen schaffen keine Zugehörigkeit, Kultur hingegen schon. Wir fühlen uns mit der Schweiz verbunden, wenn jemand im Radio in der Sprache singt oder rappt, die uns täglich im Alltag begegnet – wenn die neue Indie-Band aus der Nachbarschaft direkt im meistgehörten Radio des Landes gespielt wird. Wenn wir im Kino oder auf Netflix Geschichten sehen, die Lebensrealitäten aus der Schweiz aufgreifen (oder parodieren). Oder meinetwegen auch, wenn der Donnschtigs-Jass ins eigene Dorf kommt. Ein rechtslibertärer Angriff auf die Finanzierung der SRG ist nicht nur ein Angriff auf Journalismus, sondern auch auf die Kultur der Schweiz. Eine Annahme der Halbierungsinitiative gefährdet laut Bundesrat nicht nur 3000 Stellen bei der SRG (das sind fast so viele wie heute beim ganzen Tamedia-Konzern arbeiten), sondern auch 3200 weitere in anderen Unternehmen: Autor*innen, Schauspieler*innen, Produktionsfirmen, Musiker*innen. Dieser Kulturinfarkt muss verhindert werden.

Ernst Field Autorenbild
«Wir brauchen faktenbasierten Journalismus, der nicht mit einem Profit-Gedanken gemacht wird, um uns verlässlich zu informieren.»
Ernst Field

Ernst Field

Junge Menschen informieren sich hauptsächlich über soziale Medien wie TikTok und Instagram. Der SRF-Kanal leistet dort eine wichtige Arbeit. Andere Medien verweisen schnell auf «den ganzen Artikel» auf ihrer Webseite, so werden Geschichten verkürzt dargestellt. Weil das SRF ihren Content nicht durch eine Paywall oder Google-Ads monetarisieren muss, können sie die ganze Story auf diesen Plattformen ausspielen. Das ist sehr wertvoll, damit nicht nur reisserische Inhalte und zugespitzte Titel kursieren. Wir brauchen faktenbasierten Journalismus, der nicht mit einem Profit-Gedanken gemacht wird, um uns verlässlich zu informieren. Mit der Einstellung der Accounts SRF-Kultur oder memyselfandwhy hat die SRG schon bei der Berichterstattung für Junge gekürzt. Die SRG muss mehr dafür tun, die jüngere Generation dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten. Aber wenn sie «halbiert» wird, kann sie das sicherlich nicht.

Dominik Asche
«Wo sonst bekommen wir s Fünferli und s Weggli für nur CHF 1 am Tag?»
Dominik Asche

Dominik Asche

S Fünferli und s Weggli – das gibt es nicht so oft. Aber die SRG bietet uns nicht nur eine Breite an Angeboten, sondern auch eine Tiefe an Recherche und Expertise. Morgendliche Radiosendungen aus unserer Heimatstadt, nationale und internationale Berichterstattungen in unseren Social Feeds, abendliche Fernsehprogramme – hintergründig, informativ, unterhaltend aus Stadt und Land. Einen Franken pro Tag investiert in unsere eigene Bildung, Demokratie und Region. Wo sonst bekommen wir s Fünferli und s Weggli für nur CHF 1 am Tag?

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