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Replik

Da ging doch was vergessen?

Der Kulturjournalismus in der Region sei dem Untergang geweiht, schrieb Bajour. Wir sagen Danke für die Gratiswerbung. Eine Replik von bz-Kulturchefin Mélanie Honegger.

11/30/22, 05:15 PM

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BZ Basel RedaktorInnen. Melanie Honegger

Mélanie Honegger, Ressortleiterin Kultur bei der bz findet: «Danke Bajour für die Gratiswerbung.» (Foto: Roland Schmid)

Zuallererst: Dankeschön, Bajour, dass die bz in einer Debatte über den Kulturkahlschlag auf dem Medienplatz Basel keine Erwähnung gefunden hat. Das ist einerseits zwar irritierend, andererseits inhaltlich korrekt: Für die zweitgrösste Tageszeitung der Region trifft der Abbau nämlich nicht zu. Bajour ist der Frage nachgegangen, wer heute noch die Premieren in Basels Theatern rezensiere, wer Ausstellungen kritisiere und sich Zeit für aufstrebende Musiker*innen nehme. Und hat sich dabei auf die BaZ bezogen, der ein Abbau oder zumindest ein Umbau bevorsteht.

Nun, wer von Ihnen hat in der bz unseren Text zum beklemmenden Guantánamo-Kunstwerk beim Kunstmuseum Basel gelesen? Wer von Ihnen hat unsere The-Cure-Konzertkritik oder den Bericht zu «Wilhelm Troll» am Theater Basel beachtet? Und wer kennt unsere Plakatserie, in der die Schule für Gestaltung Basel ausgewählte Plakate aus der Sammlung vorstellt?

Tatsächlich ist unser Kulturressort so stark aufgestellt wie schon lange nicht mehr. Vier Personen sind aktuell in verschiedenen Pensen beschäftigt, dazu kommen zahlreiche fachkundige Freischaffende. Eine Seite Kultur aus und für die Region pro Tag ist unsere Zielvorgabe – mehr als vor zwei Jahren, als pro Woche vier bis fünf Kulturseiten erschienen.

Einzelne Akteur*innen aus der Kulturszene haben das schon länger realisiert. Das zeigen die wertvollen Medienpartnerschaften, die wir mit verschiedenen Kulturinstitutionen führen. Und das zeigen die Reaktionen, die wir aus der Leserschaft erhalten.

Für viele sind wir das letzte Medium in Basel, das regelmässig über Kultur berichtet. Im Print mag das sogar stimmen. Aber es gibt zudem die Programmzeitung, SRF, Radio X, PrimeNews, TeleBasel, Radio Basilisk, Frida und junge Online-Plattformen wie «Viral», die das kulturelle Geschehen in der Region ebenfalls abbilden.

Ich kann nur für die bz sprechen. Wir freuen uns über konstruktive Kritik. Und ganz besonders darüber, dass nun alle mehr über Kultur lesen wollen. Eigentlich wäre es doch ganz einfach: Wer den Journalismus wirklich unterstützen will, darf gerne dafür bezahlen. Auch wenn wir, wie es der Anstand gebietet, jedes Mal eine Gratisversion unserer Artikel verschicken, wenn wir darum gebeten werden. Damit die Kulturschaffenden, die über den Zustand des Journalismus klagen, diese Beiträge kostenlos mit ihrem Publikum teilen können.

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