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Schmetterlinge im Bauch

Die Räupli-Connection auf dem Vormarsch

Es läuft gut für den Schwalbenschwanz: Die Schmetterlings-Art wird immer häufiger hobbymässig gezüchtet. Doch was passiert, wenn plötzlich zu viele Raupen im Zuchtkasten herumkrabbeln?

06/22/23, 03:00 AM

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Der Schwalbenschwanz-Schmetterling ist für seine Schönheit bekannt.

Der Schwalbenschwanz-Schmetterling ist für seine Schönheit bekannt. (Foto: raupenkasten.ch)

«Die Schwalbenschwänze sind einfach wunderschön», sagt Peter Burtschi aus Füllinsdorf zu Bajour. Er züchtet die Schmetterlings-Art gemeinsam mit seiner Frau Leonie bereits seit mehreren Jahren. In einem kleinen Hochbeet pflanzen sie Fenchel an, dessen Kraut eine der Leibspeisen des Schwalbenschwanzes ist.

Schmetterlingsfans: Die Burtschis.

Schmetterlingsfans: Die Burtschis. (Foto: zvg)

Ein Aufwand sei die Brutpflege schon, sagt Burtschi, deshalb möchten sie die Nachbarn damit nicht behelligen, wenn sie mal in die Ferien fahren wollen. Konkret: Nächste Woche. Nicht, dass sie verzweifelt wären, aber etwas Sorge haben sie schon: «Wir haben zu viele Raupen», sagt Burtschi. «Die Raupen sollten in ihrer Abwesenheit also in «gute Hände gelangen».

Um die Raupen an den Mann oder die Frau zu bringen, hat das Pärchen ein Online-Inserätchen auf raupenkasten.ch gepostet – so ist auch Bajour auf das Thema aufmerksam geworden. «Im Moment ist es sehr heiss, da hat es wenig Vögel», sagt Burtschi weiter. Gutes Flugwetter für Schmetterlinge, also. «Die Raupen entwickeln sich wie gestört.»

Die Brutpflege der Raupen, die sich später zum Schwalbenschwanz auswachsen, ist aufwändig.

Die Brutpflege der Raupen, die sich später zum Schwalbenschwanz auswachsen, ist aufwändig. (Foto: raupenkasten.ch)

Ein Blick auf die Website raupenkasten.ch zeigt, dass Burtschis bei Weitem nicht die Einzigen sind mit überschüssigen Raupen. In diesem Monat gab es bereits 20 derartige Posts – praktisch alle wollen Raupen loswerden. Und alle sagen: Es muss genügend Futter da sein.

Die Initiative für einen Raupenkasten geht auf Susann Blum zurück. Bereits als Kind war sie fasziniert vom Schwalbenschwanz und dessen Entwicklung. Diese verfolgte sie als Schülerin in einem selbstgebauten Raupenkasten mit. Als sie später selbst Kinder hatte, erinnerte sie sich an dieses schöne Erlebnis. 

«Man konnte nirgends Raupenkästen kaufen, und so habe ich diesen mit Freunden zusammen entwickelt», sagt sie. Auch einen Partner für die Herstellung hat sie gefunden: Die BZS-Stiftung im Kanton Schwyz mit ihrer Werkstatt mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Lokale Produktion, hohe Qualität, nachhaltig, sozial - was wollte sie mehr? Dazu gibt es begleitende Lehrmittel für die Schule. Und Erfolg damit hatte sie mehr als genug. «Wir wurden schlicht überrollt», sagt Blum, die eine Werbeagentur in Luzern führt.

(Foto: Copyright: ALH)

«Man konnte nirgends Raupenkästen kaufen, und so habe ich diesen mit Freunden zusammen entwickelt.»

Susann Blum, Unternehmerin aus Luzern

Ob der grosse Erfolg nicht auch zu einer Überpopulation führen könne? «Eine gute Frage, aber davon sind wir noch weit weg», sagt sie. Aus Deutschland, wo der Schwalbenschwanz gebietsweise völlig verschwunden ist, kämen verzweifelte Anrufe, ob sie nicht Raupen oder Eier schicken könnten. Doch Tiere verschickt raupenkasten.ch nicht.

Tatsächlich sind die Raupen Vielfrasse. Sie mampfen Fenchelkraut, Karottenkraut, Dill oder Weinraute. Aber: Nichts davon kann man im Lebensmittelladen kaufen. Es muss auf dem Balkon oder im Garten gesetzt werden und wachsen. Manche holen das Futter auch beim Nachbarn oder beim Grosi im Garten.

Und wenn uns der Schmätzgi auf dem Balkon oder im Garten erfreut, wissen wir auch: Dieser hat es nur auf den Nektar der Blumen abgesehen, Pflanzen schädigen tut er nicht.

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