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Vereinbarkeit

Regierung muss Ferienbetreuung ausbauen

Wenn die Eltern arbeiten und die Kinder schulfrei haben, gibt es eine Betreuungslücke. Schön, gibt es Ferienangebote. Aber die sind oft ausgebucht oder entsprechen nicht den Bedürfnissen. Dank einer Motion kommt Bewegung in die Basler Tagesstruktur-Bude.

09/22/23, 12:00 AM

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(Foto: Unsplash)

Die einen gehen in den Wald und kochen, machen Versteckis und beobachten Tiere. Andere besuchen Bauernhöfe in der Region, schnitzen Kürbisse oder verbringen den Tag im Hallenbad. Für Kinder gibt es in den Ferien zahlreiche Freizeitangebote. Die braucht es auch, denn die Eltern haben selten gleichzeitig frei. Auch der Kanton bietet ein Ferienprogramm, aber nicht in allen Quartieren. Und oft sind die Angebote relativ schnell ausgebucht. Das bringt die Eltern in eine schwierige Lage.

Die Betreuungslücke hat zu einer Vielzahl politischer Vorstösse geführt. Etwa zu einer Motion, die fordert, dass an allen Standorten mit Tagesstrukturen (u.a. Essen über Mittag, Hausaufgaben, Freizeit) eine Ferienbetreuung eingeführt wird. Sie wurde am Mittwoch vom Grossen Rat mit 66 zu 33 Stimmen überwiesen. Zentral ist dabei die gute Erreichbarkeit in den Quartieren. Die Standorte sollen ausserdem Ferienangebote aufweisen, welche an einzelnen Tagen buchbar sind. «Nur diese Lösung garantiert verlässlich die Vereinbarkeit für alle Familien, zumutbare Wege und eine gewisse Vertrautheit mit Orten und Personen», heisst es in der Motion. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist besonders in den Ferien ein Problem. Offiziell haben Berufstätige 4 Wochen Ferien, Schulferien gibt es insgesamt 13 Wochen pro Jahr. Für neun Wochen müssten also Betreuungsangebote gesucht werden.

Gosse Nachfrage nach Ferienbetreuung

Zur Entlastung bietet der Kanton Basel-Stadt schon schon heute die sogenannten Tagesferien an. Sie können jedoch nur wochenweise gebucht werden, was Eltern kritisieren. 2019 wurde an drei Basler Schulstandorten ein weiteres Angebot eingeführt, die Ferienbetreuung. Sie steht allen Kindergarten- und Primarschulkindern der Volksschulen der Stadt Basel offen und wird auch tageweise angeboten. 2022 waren in den Ferien täglich zwischen 500 und 600 Kinder zugegen, Tendenz zunehmend.

Betreuungsangebote vom Kanton

Die Ferienbetreuung an Schulen steht allen Kindergarten- und Primarschulkindern der Volksschulen der Stadt Basel offen und wird von qualifizierten Fachpersonen geleitet. Die Kinder machen Ausflüge, besuchen Museen oder den Zoo, spielen oder schwimmen. Die Betreuung beschränkt sich bislang auf die drei Schulstandorte Bläsi, Insel und Bruderholz. Termine sind Herbstferien, Weihnachten/Neujahr ohne 24. Dezember bis 1. Januar), Fasnachts- und Sportferien, Frühjahrsferien 2. Woche, Sommerferien 1. bis 5. Woche. Die Öffnungszeiten sind von 8 Uhr bis 18 Uhr. Es können einzelne oder auch mehrere Tage gebucht werden.

Tagesferien werden während allen Schulferienwochen (ausser jeweils vom 24. Dezember bis 1. Januar) an rund 15 Standorten in verschiedenen Quartieren der Stadt Basel sowie in Riehen von 8 Uhr bis 18 Uhr angeboten. Die Bezeichnung «Tagesferien» ist insofern etwas verwirrend, weil pro Woche, Montag bis Freitag, gebucht werden muss. Eine Woche Tagesferien kostet 200 Franken pro Kind. Eine Reduktion der Elternbeiträge analog der Prämienverbilligung der Krankenversicherung ist möglich. Die Elternbeitragskosten für Kinder von Sozialhilfebezügerinnen und -bezügern werden von der kantonalen Sozialhilfe übernommen. 

SP-Grossrätin Melanie Nussbaumer und Mitunterzeichnerin der am Mittwoch überwiesenen Motion hat von einigen Eltern Feedback eingeholt, um sich ein Bild der Lage zu machen. Eine Mutter schreibt: «Die aus Kindersicht guten Ferienangebote sind bereits im Februar ausgebucht. Unsere Kinder müssen also bereits im Januar wissen, ob sie in den Sommerferien zum Goldschürfen auf den Robi-Spielplatz wollen oder nicht. Wir müssen sie anmelden und hoffen, dass sie dann auch einigermassen begeistert hingehen und wir nicht schon am ersten Nachmittag einen Anruf erhalten. Besser geht es, wenn Freunde dasselbe Angebot buchen.» 

Schwierig werde es, wenn zwei Kinder an verschiedene Orte gebracht werden müssen – gleichzeitig und vor Arbeitsbeginn. Schichtarbeitende hätten keine Chance, solche Angebote zu buchen. Tagesferien seien oftmals nicht ausgebucht – es gab diesen Herbst noch 60 freie Plätze, heisst es beim Erziehungsdepartement. Dabei haben sich seit 2009 die Schüler*innenzahlen von rund 1600 auf 3200 verdoppelt. Dass das Angebot trotzdem nicht ausgebucht sei, sei nicht verwunderlich, lautet der Kommentar einer Mutter. Kinder empfänden es eher als mühsam, eine Woche am Stück grosse Aktivitätsprogramme zu besuchen, und dies möglicherweise über mehrere Wochen am Stück.

«Die aus Kindersicht guten Ferienangebote sind bereits im Februar ausgebucht.»

Betroffene Mutter

Eine andere Mutter sagte, dass sie ihr Pensum absichtlich reduziert habe, damit sie während des Schulalltags Überstunden machen könne. «Diese kann ich dann während den Ferien abbauen, damit ich zu den Kindern schauen kann.» Sie kenne viele Eltern, die das machten.

In einer quantitativen Umfrage des Erziehungsdepartementes gaben befragte Eltern «äusserst positive Rückmeldungen». Mit den Tagesferienanbieter*innen stünde man regelmässig in Kontakt. «Von ihnen wissen wir, dass die Eltern sehr zufrieden mit dem Angebot sind», sagt Mediensprecher Gaudenz Wacker.

Neben Ferienbetreuung in der Tagesstruktur soll auch das Schulgesetz überarbeitet werden. Gemäss einem Ratschlag der Regierung sind Tagesstrukturen wie auch Ferienangebote zentral für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Allerdings sei ihre Regelung im aktuellen Schulgesetz lückenhaft, teilte das Erziehungsdepartement vergangene Woche mit. Eltern soll eine Tagesbetreuung angeboten werden. Die Lage soll sich auch für diejenigen Kinder im Kanton Basel-Stadt verbessern, die eine Privatschule besuchen. Sie können aktuell nicht von Beiträgen für Ferienangebote profitieren. Neu sollen sie zu den gleichen Bedingungen Zugang zu Ferienangeboten erhalten wie Kinder, welche die Volksschule besuchen.

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