«Das Kindernäscht fällt durchs Raster»
Dank einer erfolgreichen Gärngschee-Spendenaktion kann das Kindernäscht ein Jahr weiter bestehen. Doch das reicht den beiden Grossrätinnen Edibe Gölgeli (SP) und Andrea Strahm (Mitte) nicht. Sie wollen, dass der Kanton das Betreuungsangebot langfristig finanziell unterstützt. Gölgeli ist überzeugt, dass das Anliegen politisch breit abgestützt und generationenübergreifend ist.
Auf den Punkt
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Das Kindernäscht ist das einzige Angebot in Basel-Stadt, an dem Kinder unkompliziert und spontan stundenweise betreut werden. Die Nachricht darüber, dass die Institution schliessen soll, überraschte und sorgte für Unverständnis. Dank einer Spendenaktion des Vereins Gärngschee ist der Betrieb nun für das laufende Jahr gesichert – und dann?
Noch ist offen, wie sich das niederschwellige Angebot im Herzen der Stadt künftig finanzieren kann. Betriebsleiterin Letizia Marioni sagt zu Bajour, sie sei gefordert, denn die Spenden hiessen lediglich: «Wir haben ein Jahr Zeit, weiterhin zu versuchen, die Finanzierung für die Zukunft zu sichern.»
Wenn es nach den beiden Grossrätinnen Edibe Gölgeli (SP) und Andrea Strahm (Mitte) geht, ist die Regierung jetzt am Zug. Wie die bz berichtet, fordern beide in einem Budgetpostulat und in einem Anzug, dass das Kindernäscht finanziell abgesichert werden soll.
Edibe Gölgeli, Sie haben mit Andrea Strahm gemeinsam einen Anzug eingereicht, um das Kindernäscht künftig finanziell und strukturell abzusichern. Weshalb ist das nötig?
Das Kindernäscht kann nun dank Gärngschee für ein Jahr weiter existieren. Die erfolgreiche Spendenaktion des Vereins hat den Betrieb 2026 gesichert und den Bedarf deutlich bestätigt. Die Reaktionen auf die angekündigte Schliessung haben gezeigt, dass ein solch flexibles und niederschwelliges Betreuungsangebot in Basel wichtig ist. Der Regierungsrat hat in seiner Antwort auf meine Interpellation im September 2025 festgehalten, dass ausser dem Kindernäscht im Kanton Basel-Stadt keine fixen Betreuungsplätze für kurzfristigen oder spontanen Bedarf bestehen. Diese Angebotslücke trifft alle Familien – besonders aber sozial und wirtschaftlich verletzliche Familien. Deshalb bin ich gemeinsam mit Andrea Strahm erneut aktiv geworden.
Was erhoffen Sie sich konkret?
Das Kindernäscht fällt offenbar gerade aufgrund seiner flexiblen Struktur bei der Finanzierung sowohl beim Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) als auch beim Erziehungsdepartement durchs Raster. Eine Unterstützung seitens des Kantons ist gar nicht mehr gegeben. Wir möchten der Verwaltung die Gelegenheit geben, kreativ zu werden und nach einer Lösung für das Kindernäscht zu suchen.
«Wir erhoffen uns, dass der Kanton den nötigen Betrag bereitstellen wird.»Edibe Gölgeli, SP-Grossrätin
Gleichzeitig haben Sie mit Andrea Strahm ein vorgezogenes Budgetpostulat 2027 eingereicht, in dem Sie beantragen, im Budget 2027 des Erziehungsdepartements 80’000 Franken für das Kindernäscht bereitzustellen. Wie begründen Sie das?
Die Unsicherheit, wie es nach 2026 mit dem Kindernäscht weitergeht, ist gross – nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei den Angestellten. Um den Weiterbetrieb 2027 zu ermöglichen und tragfähige Anschlusslösungen zu erarbeiten, braucht es eine Übergangsfinanzierung. Wir erhoffen uns, dass der Kanton den nötigen Betrag bereitstellen wird.
Ist ihr Vorgehen auch eine Kritik an der familienergänzenden Kinderbetreuung in Basel?
Nein, denn der Kanton Basel-Stadt ist gut aufgestellt, wenn es um reguläre familienergänzende Kinderbetreuung geht. Die subventionierten Kitas, Tagesfamilien und schulergänzenden Angebote bilden ein starkes Fundament und sind aus meiner Sicht ein hochwertiges Qualitätsmerkmal des Kantons. Was jedoch fehlt, sind flexible, niederschwellige Betreuungsformen, die kurzfristige Lücken schliessen. Besonders Familien mit unregelmässigen Arbeitszeiten oder bei akutem Betreuungsbedarf aufgrund ausserordentlicher Lebenssituationen können mit einem solchen Angebot entlastet werden. Ich sehe es als wichtige Ergänzung.
«Unser Anliegen ist generationenübergreifend ein Thema.»Edibe Gölgeli, SP-Grossrätin
Zeigt das gemeinsame Vorgehen mit Andrea Strahm, dass Ihr Anliegen politisch breit abgestützt ist?
Ja, das ist es. Wir verkörpern aber auch zwei Generationen. Andrea Strahm und ich möchten zeigen, dass unser Anliegen generationenübergreifend ein Thema ist. Für Grosseltern wie auch für Eltern ist der Bedarf an niederschwelliger Kinderbetreuung absolut gegeben. Aus unserer Sicht wäre es für den Kanton Basel-Stadt nun eine Chance, in die Zukunft des Kindernäschts zu investieren, um der Institution und auch allen betroffenen Familien eine Planungssicherheit zu geben.