«Die beschte Hits»… us Amerika?

Der Privatsender setzt noch mehr auf Mainstream und möchte so neue Hörer*innen gewinnen. Basler Bands macht das Sorgen.

Mikrophon Radio Basilisk
Basilisk erreicht im ersten Quartal 2022 rund 100'000 Hörer*innen. (Quelle: Keystone)

Freitag Nachmittag, 14.20 Uhr: Auf Radio Basilisk läuft «Losing My Religion» von R.E.M. Moderatorin Sarah von Wattenwyl sagt: «Basilisk heizt yy mit de beschte Hits». Ein bisschen später kommt Rihanna mit «Only Girl».

Genau dieser Fokus auf Hits macht regionalen Bands Sorgen. Denn der Privatsender fokussiert in Zukunft noch mehr auf Lieder, die gut laufen. Und weniger auf den Lokalbezug. Warb Basilisk früher mit dem Slogan «S’Radio für Basel» heisst es heute «Die beschte Hits».

«Das Radio aus und für die Region» 

Das Musiknetzwerk RFV Basel ist deshalb auf Wunsch seiner Mitglieder bei Radio Basilisk vorstellig geworden, wie Geschäftsleiter Alain Schnetz gegenüber Bajour bestätigt. «Die Sorge der Musikszene ist, dass Basilisk nur noch amerikanische Songs laufen lässt und lokale Bands keine Chance haben.» Es sei für eine Basler Band extrem schwer, sich mit internationalen Hits zu messen. «Das schaffen dann höchstens noch Aushängeschilder wie Anna Rossinelli.»

Basilisk ist ein privater Sender, der sich über Werbung finanziert und keine Subventionen erhält. Trotzdem findet Schnetz: «Wenn man sich damit brüstet, ein Lokalradio von und für Basel sein zu wollen, stösst das sauer auf.» So steht auf dem Basilisk-Twitterprofil immer noch: «Radio Basilisk – das Radio aus und für die Region.» 

Für die hiesigen Bands sei es wichtig, im Radio zu kommen, sagt Schnetz. Einerseits wegen des Geldes: Sie erhalten dafür Tantieme von der Urheberrechtsorganisation Suisa. Die sind wesentlich höher als die Beiträge, die Spotify zahlt und deshalb «ein bedeutender Teil der Einnahmen von Bands».  Ausserdem ist es für Bands einfacher, von Bookern an Konzerten gebucht zu werden, wenn sie Airplay in Radios vorweisen können.

«Zian wurde rauf- und runtergespielt»

Benjamin Bruni, Programmleiter von Basilisk, sagt dazu: «Wir sind seit 1983 ein Mainstream-Radio und kein Spezialitätenladen.» Er bestätigt, dass der Sender ein neues Konzept hat und in Zukunft noch mehr auf «getestete Musik» setzt. Das heisst, das Radio ermittelt via Umfragen, was die Menschen hören möchten und lässt das laufen. Dies aufgrund einer Marktstudie. Sie habe gezeigt, dass Basilisk viel Potenzial bei Hörer*innen habe, die normalerweise SRF3 und Energy hören. «Diese wollen wir mit den besten Hits und der guten Laune unserer Moderator*innen begeistern.»

Basilisk erreicht im ersten Quartal 2022 rund 100'000 Hörer*innen und wird im Schnitt pro Tag rund 70 Minuten lang gehört. Die Anzahl Hörer*innen und die Radiohördauer seien für ein kommerzielles Privatradio wie Radio Basilisk von grosser Bedeutung. 

Bruni beteuert aber: «Lokale Bands finden immer noch den Weg ins Programm.» So sei Zian in den letzten Wochen «rauf- und runtergespielt worden» und als Gast in der Basilisk Morgenshow interviewt worden. Der Basler Künstler war Anfang Jahr mit «Old Again» und im 2021 mit «Show You» in der Hitparade und ist für drei Swiss Music Awards nominiert.

Wie lässt sich messen, ob ein Song Hit genug ist, um auf Basilisk gespielt zu werden? Wievielmal muss er beispielsweise auf Spotify gestreamed worden sein?

Benjamin Bruni will sich nicht auf konkrete Zahlen festlegen: «Das ist schwierig zu sagen», sagt er. Es gäbe verschiedene Kategorien. Wenn beispielsweise verschiedene Medien über eine*n Künstler*in berichten, sei das auch ein Kriterium, und die Airplaycharts spielen ebenfalls eine Rolle. 

Es gäbe aber nach wie vor die Kategorie «Local Heros», wo die Musikredaktion Musik aus der Region empfiehlt, einfach, weil sie sie gut findet. 

Eher Anna Rossinelli als Zeal & Ardor

Unter dem Strich sei es aber so: «Anna Rossinelli oder Adrian Sieber werden sicher eher gespielt als Zeal & Ardor.» Letztere Band hat sich unter Heavy Metal Hörer*innen weltweit einen Namen gemacht. 

Bruni sieht den neuen Fokus nicht als Nachteil der regionalen Bands. Es mag Musiker*innen geben, die gar nicht gespielt werden. Aber dann sind es laut Bruni wahrscheinlich solche, die jetzt schon nur in der Nachtrotation um 1 Uhr liefen. «Das ist ja nicht das, was man will.»

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