«Für ein Haus in Basel muss man sehr tief in die Tasche greifen»
Heute ist es schwieriger, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen als noch vor 20 Jahren. Die beiden Basler Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli klären auf Social Media darüber auf – und erreichen vor allem Junge.
Sie stellen Flipcharts auf der Rheinfähre oder im Drämmli auf – und rechnen mal kurz vor, was es überhaupt alles braucht, um sich ein Haus in der Region leisten zu können. Mit diesen Erklärvideos zur Immobilienbranche erreichen die Basler Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli bis zu 900'000 Views auf Social Media. Mit ihrer Hypothekberatung Immano wollen die beiden ehemaligen Banker über die Schwierigkeiten beim Eigenheim-Erwerb in der Schweiz aufklären.
Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli, ihr macht Social-Media-Videos über Immobilienkauf und Hypotheken – eher langweilige Themen. Wie kommt das an?
Tobias Fringeli: Sehr gut. Einmal hat uns ein Kunde mitgeteilt, dass er mit Freunden in einer Bar gewesen ist. Dann hat ihm ein Freund ein Video von uns mit dem Flipchart gezeigt. Es gibt aber auch andere, die kommentieren: Das kann man ja selber mit dem Taschenrechner ausrechnen.
Für jene Menschen, die eure Videos nicht kennen, was ist euer Markenzeichen?
Fringeli: Unser Markenzeichen ist Klartext mit Zahlen. Wir zeigen ehrlich, was Wohneigentum kostet und helfen den Leuten dann, einen realistischen Weg dorthin zu finden. Dabei hilft uns auch, dass wir ehemalige Banker sind und wissen, wie Finanzierungen tatsächlich entschieden werden
Ihr rechnet in vielen der Videos vor, wie viel man verdienen muss, wenn man ein Haus kaufen will. Warum funktioniert solcher Content?
Gazmend Ismaili: Es gibt einige, die schreiben, dass sie uns nicht glauben – die Informationen darüber, wie schwierig ein Hauskauf wirklich ist, sind in der Schweiz nicht so weit verbreitet. Wir klären in unseren Videos darüber auf.
Warum macht ihr das?
Ismaili: Weil es diese riesige Bildungslücke gibt. Viele Junge haben den Wunsch, irgendwann ein Haus zu kaufen. Aber sie sehen nicht ein, dass die Banken die Tragbarkeitsberechnung mit fünf Prozent tätigen und nicht mit den effektiven Zinsen. Mit den Videos können wir das klar vermitteln. Und dann weiss man: Ich muss rechtzeitig sparen, wenn ich mir diesen Wunsch erfüllen will.
«Für die Hypothek von einem 1,5-Millionen-Franken-Haus muss man als Normalverdiener eigentlich das ganze Leben sparen.»Tobias Fringeli
Sparen liegt bei vielen Jungen aber nicht mehr drin. Laut einer Statistik der BKB erfüllen nur 2 von 100 Basler*innen zwischen 30 und 40 die Tragbarkeitskriterien für eine Eigentumswohnung, die 1,3 Millionen Franken kostet. Woran liegt das?
Ismaili: Unsere Kultur ist heute, dass man recht früh auszieht und studieren geht – und in dieser Zeit höchstens Teilzeit arbeitet. Mit 30 hat man dann vielleicht mal einen schönen Lohn – aber noch kein Vermögen, weil man nichts sparen konnte. Zumindest nicht im gleichen Masse, wie wenn man durcharbeitet, seit man 16 ist.
Fringeli: Es gibt zudem einen stärkeren Wunsch nach Freiheit: Man arbeitet lieber weniger und geniesst die Freizeit dafür mehr. Hinzu kommt noch: Die Kaufpreise sind gestiegen und steigen weiter. Das führt alles dazu, dass die Hürden, sich selbst ein Haus leisten zu können, höher werden.
Inwiefern denn?
Ismaili: Früher reichte der Lohn einer Person dafür, sich ein Haus kaufen zu können – heute braucht man drei bis vier Personen, um sich das leisten zu können. Die Löhne sind nicht in der gleichen Geschwindigkeit gestiegen wie die Immobilienpreise.
Also Sparen?
Fringeli: Für eine Hypothek für ein 1,5-Millionen-Franken-Haus braucht man 300’000 Franken Eigenkapital. Allein dafür muss man als Normalverdiener eigentlich das ganze Leben sparen.
Ismaili: Wenn man bei einer Inflation von 3 Prozent auf dem Bankkonto nur ein Prozent Zinsen bekommt, verliert man unterm Strich trotzdem. Das wissen die meisten gar nicht.
Was dann?
Ismaili: Wenn man das Geld anlegt, dann kann es sich wenigstens noch entwickeln. Aber viele können sich eine Immobilie eigentlich nur durch einen Erbvorbezug der Eltern leisten – deswegen ist Wohneigentum auch eine gute Anlage: Man profitiert von der Wertentwicklung. Der Marktwert des Hauses meines Vaters hat sich in 20 Jahren verdoppelt.
«Die meisten hätten gerne Wohneigentum, aber sie können es sich nicht leisten.»Gazmend Ismaili
Wie sieht die Lage auf dem Basler Immobilienmarkt aus?
Fringeli: Kürzlich gab es eine Auswertung der teuersten Städte der Welt – die ersten sechs Plätze waren Städte in der Schweiz, auch Basel.
Ismaili: Durchschnittlich liegt der Preis für eine Immobilie in Basel bei 1,8 Millionen Franken. Man muss da tendenziell schon sehr tief in die Tasche greifen. Aber: Wir haben Kunden, die sich das leisten können.
Die Leerwohnungsziffer für Fünfzimmer-Wohnungen in Basel liegt bei 0,3 Prozent – findet man überhaupt etwas?
Ismaili: Es sind sehr wenige Immobilien auf dem Markt – da gibt es dann auch einen richtigen Wettbewerb. Um da mitbieten zu können, muss man schon sehr gut betucht sein. Nur weil man es geschafft hat, genug für eine Immobilie zu sparen, heisst das nicht, dass man sie auch kriegt, wenn andere mehr bieten.
Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung wohnt zur Miete, in Basel sind es sogar knapp 80 Prozent. Vielleicht gibt es gar nicht so ein starkes Interesse an Eigentum.
Ismaili: Ich habe schon den Eindruck, dass die meisten gerne Wohneigentum haben würden. Aber sie können es sich nicht leisten.
Ihr seid selbst Hypothekenbroker – sägt ihr nicht an eurem Geschäftsmodell, wenn ihr Klartext redet, was die Realität auf dem Immobilienmarkt anbelangt?
Fringeli: Im Gegenteil – die Leute fragen uns dann, ob wir mal genau anschauen könnten, was bei ihnen noch fehlt, bis sie sich Eigentum leisten können. Wir haben auf Wunsch auch eine Videoreihe gemacht, in der wir für bestimmte Berufsgruppen personalisierte Videos gedreht haben, und zeigen, wie viel sie sparen müssen, um sich ein Haus leisten zu können. So gibt man jungen Leuten einen Fahrplan, damit sie wissen, was sie machen müssen, wenn sie irgendwann mal ein Haus wollen.
Die Beratungen sind kostenlos. Wie verdient man so Geld?
Fringeli: Wir werden von den Banken oder von den Finanzierungspartnern honoriert. Das heisst, wir bekommen den Vermittlungsunterhalt.
Ihr seid beide erst 28 Jahre alt – habt ihr selber schon Wohneigentum?
Ismaili: Ich wohne in einer Mietwohnung. Ich komme aus dem Wettstein und würde gerne mal am Schaffhauserrheinweg wohnen – mit schönem Garten und Rheinblick. Das ist im Moment noch ein bisschen zu teuer.
Fringeli: Bei mir sieht’s gleich aus. Wir dürfen schon noch dafür sparen, um uns etwas Schönes leisten zu können.