Gymnasium am Münsterplatz

Der Lehrer, der die Schule mitbesetzte (ein bisschen)

Mads Macholm wollte eigentlich Geschichte unterrichten, als Klimaaktivist*innen das Gymi besetzten. Also beschloss er kurzerhand mit seinen Schüler*innen teilzunehmen. Warum?

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Mads Macholm findet, mit so einer Aktion wie der Aula-Besetzung könne man Bewusstsein schaffen und kritisch reflektieren. Er begrüsst das. (Bild: Michelle Isler)

Mads Macholm, Sie haben heute mit Ihrer Klasse spontan an der Besetzung teilgenommen. Wie ist das bei Ihren Schüler*innen angekommen?

Sehr gut. Die sind politisch interessiert und diskutieren auch gerne. Entsprechend haben sie sich in die Diskussion eingebracht.

Sind Sie ein gutes Vorbild, wenn Sie den Schüler*innen vorleben, dass eine Besetzung legitim ist?

 Eine Besetzung klingt sehr dramatisch. So hat sich das aber heute nicht angefühlt. Die Stimmung war sehr angenehm und entspannt. Natürlich sind die politischen Standpunkte manchmal sehr stark und progressiv. 

… ist progressiv ein anderes Wort für radikal?

Der Ton war sehr respektvoll und ich schätze, wie die Schülerinnen und Schüler und die Schule heute miteinander umgegangen sind. Ich persönlich finde auch, das Thema ist so relevant, dass man das auch gerne in der Schule ansprechen kann. Aber: Man kann das natürlich nicht jede Woche so machen.

Könnten diese Aktionen auch zu radikal werden? Wie fänden Sie das, wenn zum Beispiel jede Woche eine Aula besetzt würde?

Ja, das kann natürlich zu radikal werden. Meines Erachtens war das aber heute das erste Mal und das kann man ruhig zulassen und schauen, ob das funktioniert und ob es etwas Konstruktives bewirkt. Heute war das mein Eindruck: Es hat gut funktioniert. Es sollte aber eine Ausnahme bleiben. Wenn das Normalität wird, hat es keinen Effekt mehr, denke ich.

«Ich denke, viele sehen das Problem und möchten auch etwas tun – engagiert sind aber noch immer wenige.»

Denken Sie, dass eine solche Aulabesetzung am Schulsystem etwas verändern kann?

Nein, nicht direkt. Das braucht wahrscheinlich ein bisschen mehr. Heute kamen sehr viele Themen zusammen: Klimakritik, Kapitalismuskritik, Schulsystemkritik… wobei ich Letzteres gar nicht so stark wahrgenommen habe. Was man hier aber machen kann: Man kann auf Probleme aufmerksam machen. Bewusstsein schaffen, kritisch reflektieren. Das funktioniert ganz gut.

Beschäftigt das Thema Klima Ihre Schüler*innen im Schulalltag?

Es ist immer noch eine Minderheit, die sich aktivistisch organisiert, aber natürlich bewegt sie das Thema. Mir liegt es selber auch persönlich am Herzen und ich habe schon zwei Mal mit der Klasse eine Klimawoche gemacht und mit ihnen über Klimapolitik in Basel gesprochen. Da habe ich dann auch positives Feedback von den Schülerinnen und Schüler bekommen. Ich denke, viele sehen das Problem und möchten auch etwas tun - engagiert sind aber noch immer wenige. 

Denken Sie, sie müssten sich mehr engagieren?

Ja, ich denke das wäre gut. Die Schülerinnen und Schüler sind die Zukunft und wir “Erwachsenen” tun nicht immer genug. Und da müssen wir hoffen, dass die jungen Leute kommen und wirklich etwas für die Sache tun wollen. Der Klimawandel ist ein Problem für uns alle und da kann man nicht nur zuschauen.

Wird die Klimakrise genug thematisiert im Schulalltag?

Nein, das glaube ich nicht. Da muss man einerseits im Lehrplan schauen, was die verschiedenen Fächer dazu machen. Manche Fächer haben das sicher drin - manche Naturwissenschaften oder Geografie zum Beispiel - andere wahrscheinlich weniger. Weil das Thema aber so beschäftigt, müsste es auch in der Schule noch mehr reflektiert werden. Da sollte sich noch etwas tun, finde ich.

Mich dünkt: Sie haben Freude an der Aktion. Stimmt dieser Eindruck? 

Ja, es gibt mir eine gewisse Hoffnung. Ich finde es sehr gut, dass man viel Energie und Zeit da reinsteckt. Wie man die Ziele dann erreichen möchte, da sind wir uns vielleicht nicht immer einig. Aber dafür haben wir eine Demokratie und dann diskutieren wir die Sache.

Herz Elefant
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Michelle Isler

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