«Ich mache mir keine Sorgen um unseren Nachwuchs»

Im Interview spricht BScene Programmchef Dominik Thaller über Newcomer*innen am BScene, kurzfristige Zusagen und die Zukunft der Jugendkulturszene.

Dominik Thaller BScene
Dominik Thaller ist für das Programm der BScene verantwortlich. (Bild: zVg)

Wieso ist Nachwuchsförderung wichtig?

Wenn man als Standort keine Nachwuchsförderung betreibt, gehen einem irgendwann die Musiker*innen aus. Es ist wichtig, den Acts eine Bühne zu geben, die sie sonst nicht bekommen würden. Als Festival haben wir den Vorteil, dass nicht nur die eigenen Fans der Acts da sind, sondern auch Leute, die wegen anderen da sind. So erreichen die kleineren Acts ein grösseres Publikum.

Auf was muss bei der Auswahl der Newcomer*innen geachtet werden?

Wir stellen uns oft die Frage, was ein Newcomer ist. Wir haben ein paar Eckpunkte, wie das Alter der Musiker*innen oder, dass sie noch nicht so viel Bühnenerfahrung haben. Es geht darum, wer am meisten von den Slots profitieren kann. Eine genaue Formel haben wir nicht, das ist bei Musik schwierig. Letztes Jahr gewann Florias diesen Spot, die sind dieses Jahr auf einer grösseren Bühne wieder an der Bscene und werden ihre EP taufen.

Wie wählt ihr Newcomer*innen aus? 

Leute melden sich bei uns für die BScene an. Wir wählen dann aus, welche ins Newcomer-Voting kommen. Zum Beispiel bei Kandidat*innen, die wir gerne an der Bscene hätten, aber bei denen wir nicht ganz sicher sind, ob sie schon bereit sind für die BScene-Bühne.

Habt ihr es als zum Teil stiftungfinanziertes Festival einfacher, was Nachwuchsförderung angeht?

Ohne diese Stiftungsgelder wäre es allgemein sehr schwer für uns zu existieren.

Da wir uns auch durch unsere Ticketeinnahmen finanzieren, haben wir eine Mischung an bekannteren und weniger bekannten Acts. Das hilft aber auch den Nachwuchs-Bands, die können sich mit den erfahrenen Künstler*innen austauschen und Kontakte knüpfen. Uns ist es auch wichtig, allen Acts eine Gage zu bezahlen, auch den Newcomern. Ich selbst bin ein grosser Befürworter von Kultur, die Kosten darf.

Habt ihr den Newcomer*innen zu wenig Zeit zur Vorbereitung gegeben? Diese Kritik haben wir z. B. von Am Tae gehört.

Dieses Jahr ging das Voting ein bisschen später als sonst. Es wäre natürlich auch für uns gut gewesen, mehr Zeit für alles zu haben. Da wir neue Leute in unserem Team haben, gingen die Prozesse länger als sonst. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich die Künstler*innen bereithalten und auch sonst genug Proben. Natürlich war es kurzfristig, aber es sollte dennoch machbar sein.

Widerspricht das Voting nicht der Nachwuchsförderung? Die bekannteren kriegen ja dann mehr Votes.

Ich bin persönlich kein Riesen-Fan von Votings gewesen, genau deswegen. Da alle zur Auswahl stehenden Künstler*innen porträtiert werden, gewinnen aber auch die unbekannteren, da sie sich vor einer grösseren Reichweite präsentieren können.

Wie steht Basel da im Bezug auf Nachwuchsmusiker*innen?

In Basel ist die Jugendkulturszene sehr aktiv. Es kommen sehr viele neue Künstler*innen mit hoher Qualität auf. Ich mache mir keine Sorgen um unseren Nachwuchs. Das liegt auch daran, dass wir so ein gutes Kulturangebot in Basel haben.

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Ernst hat als Praktikant bei Bajour gestartet, wurde dann vom Studieren abgehalten und als Trainee verpflichtet. Ernst ist mittlerweile aufstrebender Redaktor für Social Media. Wenn er nicht gerade mit dem rosa Mikrofon in der Stadt rumspringt, Glühwein testet oder Biber jagt, stellt er kluge Fragen in seinem Podcast «Ernsthafte Gespräche». 2024 wurde Ernst vom Branchenmagazin Journalist:in unter die «30 unter 30» gewählt.

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