Karaoke und Dragqueens

Das Gymnasium Leonhard hat seinen Maturstreich gefeiert. Es gab viel Musik, Lehrpersonenbeteiligung und Spass. Reicht der Aufwand der Abschlussklassen aber auch für eine genügende Note?

Schon kurz vor acht, sah man Schüler*innen in gelben und orangen Leuchtwesten vor dem Schulhauseingang hin und her rennen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Dann ging es auch schon los, das Motto vom Streich war Kinderland. Über Megaphone wurden die ankommenden Schüler*innen in Einerreihen eingeteilt, während Soundanlagen laut Musik spielten. Um in die Schule reinzukommen, galt es Liegenstützten zu machen. Schuhe waren in der Schule keine erlaubt und damit niemand im Kinderland verloren geht, mussten sich alle Leute ihre Namen auf die Stirn schreiben.

Maturstreich-Ranking

Langsam steht das Ende des Schuljahres an. Das bedeutet für die Abschlussklassen der Basler Gymnasien, Lernstress, Abschlussprüfungen und Abschied. Was diese Saison aber auch mit sich bringt sind Maturstreiche. Die Bajour Redaktion hat es sich dieses Jahr zur Aufgabe gemacht, die Maturstreiche der verschiedenen Gymnasien zu besuchen und zu klären, welches Gymnasium das beste Abschlussfest schmeisst. Bewertet werden die Gymnasien anhand folgender Kategorien: Kreativität, Organisation, Provokation und Spassfaktor. Für diese Kategorien verteilen wir jeweils eine Note und rechnen am Schluss die Gesamtnote der Schule zusammen. Am Leonhards Gymnasium fand gestern der erste Maturstreich des Jahres statt.

Kreativität

Das Programm war ausgewogen, wenn auch ein wenig musiklastig. Trotzdem gab es genügend viele Aktivitäten, dass es nicht langweilig wurde.

Note: 5

Schon am morgen war die Stimmung unter den Anwesenden sehr ausgelassen und sie wurde nur noch besser, als es um 9:30 Uhr in den Innenhof der Schule ging. Dort startete das Programm dann richtig, mit einer Rede von Schulleiter Christian Döbeli. Geschrieben wurde die Rede von den Abschlussklassen und sie setzte den Rektor in die Rolle eines Mittelalterlichen Königs, der mit eiserner Faust über sein Königreich (das Leo Gymi) herrscht. Nebst der lustigen Rede war die anwesende Schülerschaft auch davon begeistert, dass König Döbeli's Stimme während der gesamten Rede einige Oktaven höher war als sonst, da er zuvor Hellium einatmen musste.

Organisation

Die Organisation schien sehr eingespielt und es gab kaum Verzögerung, ausser am Anfang als man auf die Ankunft von Majestät Döbeli warten musste.

Note: 5.5

Nachdem die Rede unter grossem Applaus endete, war es Zeit für den nächsten Programmpunkt: Karaoke mit Lehrpersonen. Zu diesem Zeitpunkt war der Innenhof voll mit über 150 Schüler*innnen und auch Menschen aus der Sek nebenan kamen dazu, um sich die Veranstaltung anzuschauen. Einige der Highlights waren eine Lehrerin, die den Text von Culcha Candela's «Monsta» einwandfrei mitgesungen hat, und als das ganze Publikum bei «Hallelujah» von Leonard Cohen miteingestiegen ist. Ein kleiner Fail war hingegen «Nie Ohne Mein Team» von Bonez MC und RAF Camora, denn die Lehrerin, die den Song rappte, kannte ihn ganz offensichtlich nicht. Glücklicherweise sprang eine der Organisatorinnen bestmöglich ein.

Provokation

Zwar gaben sich die Organisator*innen alle Mühe, die Lehrpersonen auf den Arm zu nehmen, diese waren jedoch mehr amüsiert als provoziert.

Note: 4.5

Anschliessend ans Karaoke wurden nochmals neue Lehrpersonen auf die Bühne gebeten, die sich dann in einem Rap-Battle stellen mussten. In einem Duo war jeweils eine Person fürs Beatboxen und die andere für die Lines zuständig. Danach kam es dann zum Höhepunkt für viele Schüler*innen: die Lehrpersonen-Drag-Show. Woher die Organisator*innen unter anderem eine Latex Gimpmaske her hatten, ist mal dahin gestellt. Klar ist aber, der Programmpunkt war ein voller Erfolg. Unter Gegröle und dröhnendem Applaus wurden zwei Lehrpersonen von weiteren Lehrpersonen in Drag verführt.

Spassfaktor

Die Zuschauenden, Organisator*innen und auch das Kollegium hatten einen sichtlich grossen Spass während des ganzen Vormittags und die Stimmung war gut.

Note: 6

Als letztes gab es dann noch ein kurzes Ausdehnen, bei dem auch die letzten Lehrpersonen noch auf ihre Kosten kamen. Sie mussten vor der gesamten Schülerschaft Yogaübungen machen. Auf Anforderung legte ein Lehrer noch einen Backflip hin und dann waren die Programmpunkte der Maturfeier auch schon fertig. Traditionsgemäss mussten die ersten Klassen den Innenhof aufräumen, während die anderen Klassen den Maturstreich mit einem DJ-Set, Musik und Party ausklingen liessen.

Abschlussnote

Die Gesamtnote für das Gymnasium Leonhard ist eine aufgerundete 5.5. Eine Note, die man definitiv vorzeigen kann und die wir auch allen Leo-Absolvent*innen in ihren Abschlussprüfungen wünschen.

Note: 5.5

Ob die anderen Gymnasien diese hoch gelegte Messlatte toppen können, wird sich zeigen.

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