Medienvielfalt unter Druck
Die Uni Basel widmet sich mit einer Ausstellung und einem Podium dem Basler Lokaljournalismus. Einblicke in die Schau und in die einzelnen Redaktionen zeigen, dass die Medienvielfalt in Basel zwar gegeben ist, sie aber auf unsicheren Beinen steht.
Die Ausstellung «Auf der Suche nach der Wahrheit. Wir und der Journalismus» in der Uni-Bibliothek windet dem Lokaljournalismus ein Kränzchen: Es wird betont, dass Journalismus essenziell für die Meinungsbildung und die Demokratie ist. Zudem wird ein Einblick in die Arbeit der Medienschaffenden gegeben und die Rolle der Medien anhand von bedeutsamen Themen in der Schweiz dargestellt. In einem sogenannten Newsroom, dem «Herzstück der Ausstellung», können die Besucher*innen wie in einem Escape-Room als Team einen eigenen Text nach journalistischen Kriterien recherchieren und publizieren.
Demokratische Funktion
Wer genug Journalist*in gespielt hat, findet im Nebenraum einen kleinen Einblick in die Basler Medienlandschaft. In Form eines Zeitstrahls wird chronologisch aufgezeigt, welche Medien es in Basel gab und gibt und wann sie jeweils gegründet wurden. Mitten im Raum sind in grossen Schaukästen einzelne Medien und Ereignisse hervorgehoben, darunter auch Bajour und seine Rolle während der Covid-Pandemie.
Die Schau zeigt, dass der Lokaljournalismus über Entscheide auf kommunaler und kantonaler Ebene berichtet, das politische Geschehen einordnet und somit eine zentrale demokratische Funktion erfüllt.
Auf den ersten Blick beeindruckt der Blick auf den Basler Medienstandort. Die Aufzählung aller Medien und Journalist*innen wirkt beachtlich. Tatsächlich verfügt Basel trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen für Redaktionen weiterhin über eine relativ vielfältige lokale Medienlandschaft. Dennoch steht wie in der gesamten Schweiz auch der Basler Lokaljournalismus unter wirtschaftlichem Druck.
Lokale Berichterstattung wird, gerade bei grösseren Medienhäusern, häufig querfinanziert oder aus Effizienzgründen ausgedünnt. Besonders gefährdet sind zeit- und ressourcenintensive Formate: vertiefte Recherchen, kontinuierliche politische Beobachtung und die Berichterstattung vor Ort aus den Quartieren.
Heute um 18 Uhr findet ein Podium zum Thema «Die Rolle des Lokaljournalismus in der direkten Demokratie» zum Abschluss der Ausstellung statt. Gemeinsam diskutieren Ina Bullwinkel (Bajour), Hanna Girard (SRF Regionalredaktion Basel, Mitgründerin Anschlag 56!), Nina Jecker (Basler Zeitung) und Patrick Marcolli (bz Basel) über die Basler Medienlandschaft und deren Aufgaben. Der Anlass, der im 1. Stock der Uni-Bibliothek stattfindet, wird vom Mediensprecher der Uni Basel, Matthias Geering, moderiert.
Wer hinter die Kulissen in die einzelnen, oft kleinen, Redaktionen blickt, merkt: Die Vielfalt ist zwar noch gegeben – sie steht aber auf personell wackeligen Beinen. Hinter den täglichen Geschichten steckt eine überschaubare Zahl an Journalist*innen.
Das Bundesgesetz über ein Massnahmenpaket zugunsten der Medien, das eine Medienförderung (auch für Online-Medien) vorgesehen hat, hat die Schweizer Stimmbevölkerung im Februar 2022 abgelehnt. Anders Basel-Stadt: Hier stimmten mehr als 55 Prozent dafür und unterstützten damit die Idee einer finanziellen Stärkung lokaler, regionaler und nationaler Medien. Dennoch gibt es in Basel bisher keine Lösung, wie Lokaljournalismus gefördert werden kann. Fakt ist, dass Online-Medien wie Bajour, Onlinereports oder Primenews nach wie vor keine staatliche Förderung erhalten.
Da die Ausstellung dazu keine Antwort liefert, haben wir eine Übersicht der Medien in Basel und deren Vollzeit-Pensen erstellt:
Klassische Tageszeitungen
- Basler Zeitung (BaZ) Teil der TX Group (Tamedia). Der Verlag gibt keine Auskunft über die Anzahl der Vollzeitstellen. Im Impressum sind für die Basler Redaktion insgesamt 28 Mitarbeitende aufgeführt.
- bz – Zeitung für die Region Basel Teil des CH Media-Verlags mit rund 20 Vollzeitstellen in der Basler Redaktion.
Online-Medien
- Bajour Unabhängiges Onlinemedium mit 7,8 Vollzeitstellen.
- OnlineReports Unabhängiges Onlinemedium mit 2,5 Vollzeitstellen. Hinzu kommen Kolumnist*innen, die nicht entlöhnt werden, und weitere ehrenamtlich Tätige.
- Primenews Onlinemedium mit 7,6 Vollzeitstellen.
Regionalfernsehen
- Telebasel Lokaler TV-Sender mit 44 Vollzeitstellen.
- Regio TV Plus Regionaler TV-Sender mit etwa 10 bis 12 Personen im Team. Eine Zahl der Vollzeitstellen liegt nicht vor.
Lokales Radio
- Regionaljournal Basel (SRF) Öffentlich-rechtlicher Radiosender. Die multimediale Regionalredaktion Basel Baselland verfügt über 12,2 Vollzeitstellen.
- Radio Basilisk Lokaler Radiosender mit 11,33 Vollzeitstellen
- Radio X Privatradio mit lokalem Bezug mit 9 Vollzeitstellen. Hinzu kommen nach Angaben der Geschäftsleitung 120 Freiwillige, die in Spezialsendungen mitwirken.