Auf der Suche nach der Wahrheit

Die Kontroverse um Nürnbergs Paviane

Wettbewerb Scoop

Dieser Text ist im Rahmen des Wettbewerbs Scoop! des Vereins Journalistory erschienen. Insgesamt 25 Beiträge wurden von Jugendlichen mit mehrheitlich Jahrgang 2008 eingereicht. Alle besuchen in der Region Basel Schulen der Stufe SEK II. Bajour veröffentlicht die Beiträge der Gewinner*innen. Auf den Inhalt hat Bajour keinen Einfluss genommen.

mehr Infos

Eine Medienmitteilung des Tiergartens Nürnberg vom 29. Juli 2025 sorgte für Aufregung. Aus Platzmangel hatte der Tiergarten zwölf seiner Guinea Paviane getötet. Obschon diese Massnahme mit dem Europäischen Zooverband EAZA abgesprochen war, gab es zahlreiche Proteste, die zur kurzfristigen Schliessung des Tiergartens führten.

Weshalb mussten die Tiere getötet werden? Laut dem Tiergarten Nürnberg bestand seit vielen Jahren das Problem der Überpopulation. Dieses Problem wurde 2009 mit der Vergrösserung des Geheges übergangsweise gelöst. Parallel dazu wurde den Weibchen ein Verhütungsmittel implantiert, das nicht die gewünschte Wirkung zeigte. Seit 2011 sucht der Tiergarten nach Lösungen, jedoch ohne Erfolg. Im Februar 2024 veröffentlichte der Tierpark die Problematik. Die Vermittlung an andere Institutionen scheiterte an der mangelnden Transparenz möglicher Abnehmer über Haltungsbedingungen.

Zwei Fachpersonen wurden zum Thema interviewt:

Mareike Homann

ist als Campaignerin für den Fachbereich PETAKids zuständig. Ihre Arbeit ist es, Kinder und Jugendliche zu kritischem Denken zu bewegen und über Tierrechte aufzuklären.

Dominik Ryser

ist der Leiter der Kommunikation des Zürcher Zoos und er ist für den Kontakt mit den Medien verantwortlich.

Allgemeine Informationen über Zoos

Jede*r, der Tiere hält, darf sich theoretisch Zoo nennen, da «Zoo» kein geschützter Begriff ist. In diesem Artikel bezieht sich der Begriff «Zoo» ausschliesslich auf die Mitgliederzoos der EAZA, die strengen Vorschriften unterliegen.

Weltweit verschwinden täglich rund 150 Tierarten – bis Ende des Jahrhunderts könnten es zwei Millionen sein.

Manche Zoos beteiligen sich am «30 by 30»-Programm, das vorsieht, bis 2030, 30% der Erde zu schützen.

Der Zoo ist eine Naturschutz-Organisation, keine Tierschutz-Organisation. Beim Tierschutz steht das einzelne Tier im Vordergrund, beim Naturschutz hingegen steht die ganze Art im Vordergrund und nicht das Individuum.

Die Hauptaufgaben des Zoos sind Artenschutz, Habitats-Schutz, Bildung und Forschung. Mit diesen vier Säulen kann der Zoo alle Disziplinen des Naturschutzes abdecken.

Populationsmanagement in Zoos

Zoos versuchen Überpopulation zu vermeiden, doch wenn sie entstehen, gibt es drei mögliche Vorgehensweisen:

  1. Fortpflanzung: Bei der Fortpflanzung kann man durch Sterilisation eingreifen. Doch sie kann zu einer Überalterung führen. Die Verhütung wirkt auch nicht immer zuverlässig und durch sie wird das Risiko des Aussterbens wieder höher. Die Fortpflanzung gehört ausserdem zum Tierwohl und das sollte nicht völlig verhindert werden.
  2. Migration: Mit Migration ist gemeint, dass man die Tiere in andere Zoos abgibt. Da viele Zoos bei den gleichen Arten jedoch eine Überpopulation haben, ist das oft keine dauerhafte Lösung.
  3. Tod: Die letzte und effektivste Möglichkeit ist der Tod. Diese Entscheidung fällt nur im äussersten Notfall. Häufig werden die Tiere dann danach an andere Tiere verfüttert, dies war auch bei den Pavianen der Fall.

PETAs Meinung

PETA kritisiert im Allgemeinen alle Arten von zoologischen Einrichtungen und fordert die Abschaffung derer. PETA’s Motto lautet:

«Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.»
PETA

PETA meinte über diesen Vorfall, dass es einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetzes sei, diese Primaten zu töten. Infolgedessen werden sie eine Starfanzeige erstatten. Sie sind der Meinung, dass dies ein Vorfall war, um das Töten von Tieren salonfähig zu machen. Sie rufen dazu auf, so ein Verhalten nicht zu dulden und den Tiergarten Nürnberg zu boykottieren.

Die Lösung aus PETAs Sicht:

Sie sind der Meinung, dass es aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse absehbar gewesen wäre, dass die Überpopulation wieder zum Thema wird. Sie hätten es besser gefunden, wenn man schon früher eine andere Lösung gefunden hätte, wie z. B. sich intensiver mit anderen Einrichtungen auseinander zu setzten, so dass es den Pavianen nicht das Leben gekostet hätte. Einen weiteren alternativ Lösungsansatz gab es nicht.

Zusammenfassung:

Am Schluss steht es Aussage gegen Aussage. Der Zoo meint, alles getan zu haben, um den Pavianen ein Leben in einer anderen Einrichtung zu ermöglichen. Die PETA-Organisation ist der Meinung, dass sie sich ungenügend eingesetzt haben. Das Problem ist schlussendlich, dass die Zoos die Tierart schützen wollen, wobei das einzelne Individuum eine untergeordnete Rolle spielt. Doch PETA ist es wichtig, dass die Tiere für das grosse und ganze Wohl nicht leiden müssen.

Beide Organisationen verfolgen das ähnliche Ziel, aber von komplett unterschiedlichen Ansatzpunkten und somit wird es schwierig für sie, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren

Künstliche Intelligenz KI AI in der Schule

Fatih Agush,Sharun Chandrakumar am 31. Januar 2026

KI im Schulalltag

Lernen wir noch etwas? Und muss der Unterricht wegen KI verändert werden?

Weiterlesen
Fussball Sport Illustration

Sean Streller,Yannick Strohm am 31. Januar 2026

Depressionen im Spitzensport – Wenn Erfolg krank macht

Weiterlesen
Social Media Likes

Sophia Oeschger am 30. Januar 2026

Filter, Post, Like – Wie Social Media die Psyche Jugendlicher belastet

Weiterlesen

Kommentare