Einwohnerrat

Fünf Neue für Riehen

In der Basler Landgemeinde beginnt am Mittwoch die neue Legislatur. Im Parlament sitzen fünf neue Mitglieder, die sich im Bajour-Steckbrief vorstellen.

40 Menschen sitzen im Riehener Gemeindeparlament, ab dem heutigen Mittwoch gibt es unter ihnen fünf neue Gesichter. Noemi Amstutz (EVP) wird als jüngstes Mitglied die Legislatur eröffnen, Anna Verena Baumgartner (SP), Serge Meyer (GLP) und Noah Weber (Grüne) kandierten letztes Jahr auch für den Gemeinderat und Fiona Graham (SP) rückt für den frisch in die Exekutive gewählten Martin Leschhorn nach. Vier dieser Politiker*innen haben den Jahrgang 1999 oder jünger, der andere ist Kantonalpräsident seiner Partei.

Wir haben den Neo-Parlamentarier*innen einen Steckbrief zum Ausfüllen geschickt – wohlgemerkt mit der Bitte in ein, zwei Sätzen zu antworten, was nicht alle gleich streng ausgelegt haben.

Noemi Amstutz, EVP

Noemi Amstutz, EVP, ER Riehen
Mit 23 ist Noemi Amsutz die jüngste Einwohnerrätin und wird die Legislatur eröffnen. (Bild: zVg)

Jahrgang:

2002

Wieso engagiere ich mich in Riehen?

In Riehen aufzuwachsen war für mich ein grosses Privileg und hat mir in meinem Leben viel mitgegeben. Durch mein Mandat als Einwohnerrätin habe ich nun die Möglichkeit, etwas zurückgeben zu können, sodass alle Generationen von dem Riehen, wie ich es kenne, profitieren können

Was kann Basel von Riehen lernen?

Die Kommunalpolitik bildet das Fundament, auf dem die kantonale Politik aufbaut. In Riehen zeigt sich, wie politische Entscheide nahe an den konkreten Lebensrealitäten der Bevölkerung vorbereitet werden. Etwa durch klare Zuständigkeiten, frühe politische Mitwirkung (Siehe das Ergebnis dieser Einwohnerratswahl) und überschaubare Entscheidungsprozesse. Diese stärkere Verankerung von Politik im Alltag der Menschen kann auch für die kantonale Ebene wertvoll sein.

Was möchte ich im Einwohnerrat erreichen?

Mir liegt die Mitwirkung junger Menschen sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt sehr am Herzen. Zudem möchte ich im Einwohnerrat auch die Möglichkeit nutzen, die Perspektive einer jungen Frau einzubringen, da sie Fragen sichtbar macht, die im politischen Alltag nicht immer automatisch mitgedacht werden. In diesen Bereichen sehe ich Entwicklungspotenzial, zu dem ich aktiv beitragen möchte.

Lieber Steuern erhöhen oder Ausgaben streichen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern erfordert eine sorgfältige Abwägung. Grundsätzlich bin ich zurückhaltend gegenüber generellen Steuererhöhungen, halte es aber für sinnvoll, gewisse bestehende Abgaben am Verursacherprinzip auszurichten. Dies ist nicht immer einfach, wie man am Beispiel der Parkplatzgebühren in Riehen sieht.

Anna Verena Baumgartner, SP

Anna Verena Baumgartner, ER Riehen
Anna Verena Baumgartner bekam bei den Gemeinderatswahlen sechs Stimmen weniger als ihr Parteikollege Martin Leschhorn, der in die Exekutive gewählt wurde. (Bild: www.evaflury.com)

Jahrgang:

1999

Wieso engagiere ich mich in Riehen?

Ich engagiere mich in meinem Wahlheimatort Riehen, weil ich Verantwortung übernehmen und mich für ein solidarisches, lebenswertes Riehen einsetzen will. Mir ist wichtig, dass alle Menschen, unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Alter, gut hier leben können. Demokratie ist für mich ein Privileg, das nur funktioniert, wenn wir uns aktiv einbringen und füreinander einstehen.

Was kann Basel von Riehen lernen?

Bei den letzten Gemeinderatswahlen haben drei Parteien jungen Menschen die Chance gegeben, für den Gemeinderat zu kandidieren. Eine Vertretung der jüngeren Generation im Regierungsrat wäre ein wichtiger nächster Schritt.

Was möchte ich im Einwohnerrat erreichen?

Als Einwohnerrätin möchte ich mich für die Menschen einsetzen, die viel zu oft übersehen werden: Menschen mit Beeinträchtigungen, junge Familien, ältere Menschen und Menschen mit kleinem Einkommen.

Lieber Steuern erhöhen oder Ausgaben streichen?

Riehen ist ein lebenswerter Ort, der viel zu bieten hat. Abbau erfolgt jedoch ausgerechnet dort, wo Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt werden, bei der Bildung der Betreuung, der sozialen Infrastruktur, deshalb müssen die von der bürgerlichen Mehrheit beschlossenen Senkungen der Gemeindesteuern erneut überprüft werden.

Fiona Graham, SP

Fiona Graham, SP, ER Riehen
Fiona Graham sitzt im Vorstand der baselstädtischen Juso und nun auch im Gemeindeparlament. (Bild: zVg)

Jahrgang:

2001

Wieso engagiere ich mich in Riehen?

Ich bin in Riehen aufgewachsen und fühle mich dieser Gemeinde stark verbunden. Die vielen Grünflächen, das vielfältige Kulturangebot und die generationenübergreifende Solidarität prägen Riehen und genau deshalb möchte ich mich politisch für deren Erhalt und Weiterentwicklung einsetzen.

Was kann Basel von Riehen lernen?

Von Riehen kann Basel das starke Gemeinschaftsgefühl lernen: Man kennt sich, unterstützt sich und übernimmt Verantwortung füreinander. Dieses Miteinander prägt Riehen besonders, auch wenn es sicher in vielen Basler Quartieren ebenfalls ähnlich ist.

Was möchte ich im Einwohnerrat erreichen?

Im Einwohnerrat möchte ich mich als junge Frau gezielt für die Anliegen der Jugend einsetzen und das Thema Klima wieder klar ins Zentrum rücken. Durch mein Engagement im Vorstand des VCS beider Basel setze ich mich bereits für eine nachhaltige Verkehrspolitik ein; gerade in Riehen sehe ich noch erhebliches Potenzial. In der nächsten Legislatur wird es entscheidend sein, Riehens Stärken trotz bürgerlicher Sparpolitik zu schützen, damit unsere Gemeinde auch künftig lebenswert bleibt.

Lieber Steuern erhöhen oder Ausgaben streichen?

Riehen zeichnet sich durch ein starkes Kulturleben, ein familienfreundliches Angebot und die vielen Parks und Grünflächen aus. Diese Qualitäten machen unsere Gemeinde einzigartig. Die bürgerliche Mehrheit hat mehrfach Steuern gesenkt und möchte nun wichtige Angebote im Kulturbereich, an den Schulen und in der Entwicklungszusammenarbeit kürzen. Ich setze mich entschieden dafür ein, dieses Kaputtsparen zu stoppen. Wenn Leistungen allen zugutekommen, braucht es solide Einnahmen. Deshalb ist es für mich sinnvoller, Steuersenkungen rückgängig zu machen, statt Angebote abzubauen.

Serge Meyer, GLP

Serge Meyer, GLP, ER Riehen
Der Kantonalpräsident der GLP sass bislang in keinem Parlament, nun wird er in Riehen Erfahrung sammeln. (Bild: zVg)

Jahrgang:

1965

Wieso engagiere ich mich in Riehen?

Ich engagiere mich für Riehen, weil ich das Glück hatte, hier geboren zu werden, hier aufzuwachsen und hier mein Leben mit persönlichem und beruflichem Erfolg zu führen. Ich weiss sehr genau, was ich unserem stabilen und fortschrittlichen Gemeinwesen zu verdanken habe. Heute bin ich in einer anderen Lebensphase angekommen und möchte Riehen, das mir so viel ermöglicht hat, etwas zurückgeben und politische Verantwortung übernehmen, damit auch meine Töchter von einem prosperierenden Gemeinwesen profitieren können.

Was kann Basel von Riehen lernen?

Riehen profitiert von seiner Überschaubarkeit. Der politische Umgang ist persönlicher und direkter, die Wege zwischen Politik und Bevölkerung sind kurz. Das führt dazu, dass politische Akteure stärker im direkten Austausch stehen – aber auch unter unmittelbarer Beobachtung der Bevölkerung. Diese Nähe schafft Vertrauen, Verantwortung und Bodenhaftung. Davon könnte auch Basel profitieren.

Was möchte ich im Einwohnerrat erreichen?

Brücken zwischen den politischen Polen sind mir wichtig. Deshalb möchte ich hier die bisherige Arbeit der Grünliberalen weiterführen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, sowohl als Fraktion wie auch als einzelnes Einwohnerratsmitglied aktiv gestaltend einzuwirken. Mein Ziel ist eine Politik, die ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich verantwortungsvoll und damit langfristig tragfähig ist.

Lieber Steuern erhöhen oder Ausgaben streichen?

Als Liberaler widerstrebt es mir grundsätzlich, Steuern zu erhöhen. Gleichzeitig halte ich eine zunehmende Verschuldung für noch problematischer. Es gibt aber auch ein Mindestmass an staatlichen Leistungen, das nicht unterschritten werden darf. Deshalb braucht es eine gesunde Balance zwischen tiefer Verschuldung, angemessenen Steuern und zurückhaltenden Ausgaben. Ich werde diesen Punkt ergebnisoffen analysieren und entscheide situationsbezogen, pragmatisch und ohne ideologische Scheuklappen.

Noah Weber, Grüne

Noah Weber, Grüne, ER Riehen
Im ersten Wahlgang der Gemeinderatswahl versuchte Weber für die Grünen einen Sitz zu ergatttern, im zweiten liess er der SP den Vortritt. (Bild: zVg)

Jahrgang:

1999

Wieso engagiere ich mich in Riehen?

Ich bin in Riehen verwurzelt und möchte dazu beitragen, dass sich die Gemeinde nachhaltig, lebenswert und generationengerecht weiterentwickelt – insbesondere in den Bereichen Umwelt, Klima und öffentliche Räume.

Was kann Basel von Riehen lernen?

In Riehen funktioniert Politik oft direkter und persönlicher. Basel könnte davon profitieren, Entscheidungswege zu verkürzen und den Dialog mit der Bevölkerung zu stärken.

Was möchte ich im Einwohnerrat erreichen?

Mir ist wichtig, ökologische Anliegen mit sozialer Verantwortung zu verbinden und konkrete Fortschritte bei Klimaadaptation, Biodiversität und nachhaltiger Infrastruktur zu erzielen. Zusätzlich möchte ich mich gegen eine generelle Abbaupolitik und für soziale Errungenschaften der letzten Jahre einsetzen

Lieber Steuern erhöhen oder Ausgaben streichen?

Weder noch pauschal: Entscheidend ist eine ehrliche Prioritätensetzung – notwendige Investitionen für die Zukunft sollen möglich sein, während ineffiziente Ausgaben kritisch überprüft werden.

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Ernst Field Autorenbild

Das ist Ernst (er/ihm):

Ernst hat als Praktikant bei Bajour gestartet, wurde dann vom Studieren abgehalten und als Trainee verpflichtet. Bis Ende 2025 war er mit dem rosa Mikrofon in der Stadt unterwegs am Glühwein Testen oder Biber Jagen. Jetzt ist er für unseren Ausbau in Gemeinden rund um Basel zuständig. 2024 wurde Ernst vom Branchenmagazin Journalist:in unter die «30 unter 30» gewählt.

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