Blumen, Messer und ein Albtraum

Geschäfte wollen mit ihren Schaufenstern Aufmerksamkeit erregen. Auf einem Spaziergang durch die Basler Innenstadt haben wir uns nach hervorstechenden Kreationen umgeschaut.

Au Bouquet 3
Au Bouquet fällt mit seinen riesigen Blumen auf. (Quelle: Ladina Tschurr)

Obwohl der Herbst eigentlich noch gar nicht so richtig angekommen ist, ist er definitiv das Sujet Nummer eins in den Schaufenstern der Basler Innenstadt. Überall herbstliche Farben, Gräser, Kürbisse und Pilze.

Die Geschäfte, die wir auf unserem Stadtspaziergang besuchen, betonen immer wieder, wie wichtig das Schaufenster für ihre Sichtbarkeit ist. Sie wenden dafür oft viele Ressourcen auf. Denn erst, wenn sie herausstechen, werden Passant*innen auf sie aufmerksam.

Was haben sie sich also einfallen lassen? Auf einem Stadtspaziergang haben wir uns die Schaufenster genau angeschaut und tragen jene für dich zusammen, die besonders auffallen. Auf geht’s!

Au Bouquet
Die Gräser sind so filigran wie die Vergänglichkeit des Herbstes. (Quelle: Ladina Tschurr)

Au Bouquet

Der Blumenladen Au Bouquet fällt schon seit Wochen auf. Seit dem Flaneur Festival im September schmücken nämlich riesige (unechte) Blumen die Eingangstüre. Sie sind ein beliebtes Fotosujet und definitiv ein Eye-Catcher. 

Der Türschmuck hat aber nicht viel mit dem eigentlichen Schaufenster zu tun. Wenn man sich auf die deutlich weniger pompöse Dekoration links und rechts des Eingangs achtet, entdeckt man viele von der Decke lose hängende Hölzer, aus denen herbstliche Gräser zu wachsen scheinen. 

Die Dekoration sei auf ein Minimum heruntergesetzt und soll so filigran wie der Herbst selbst sein, wenn alles vertrocknet, erklärt Floristin Mirjam. Die Beweglichkeit der Hölzer, in denen das Gras steckt, imitiert das Wogen der Wiesen und fühle sich an, als würde man in den Herbst hineintanzen, so Mirjam.

Adresse: Elisabethenstrasse 15, 4051 Basel

La Cucina
Die Gitter neben dem Schaufenster erregen Aufmerksamkeit. (Quelle: Ladina Tschurr)

La Cucina

La Cucina ist ein Küchenladen im Gerbergässlein, in dem so ziemlich alles für die Küche zu finden ist. Die Schaufenster von La Cucina seien besonders während der Fasnacht bedeutend, meint Mitarbeiter Beni. Dann versuche man, eine Fasnachtsblaggedde im Grossformat abzubilden. 

Im Moment ist die Dekoration aber sehr funktional: Messerserien sind an diagonal verlaufenden Stäben befestigt. Pro Serie ein Stab, so die Idee. Alle paar Jahre kehre dieses «Messer-Schaufenster» zurück, denn der Laden führe eine grosse Messerkollektion, die aussergewöhnlich ist, erklärt Beni.  Aber auch die Siebe, Spachteln und Eislöffel, die aussen an den Gittern angebracht sind, erregen Aufmerksamkeit und führten dazu, dass die Leute hereinkommen.

Adresse: Gerbergässlein 14, 4051 Basel.

Fleurs des Rois
«Opluent, aber pur» lautet das Motto von Fleurs des Rois. (Quelle: Ladina Tschurr)

Fleurs des Rois

Der Blumenladen Fleurs des Rois fällt mit seinem aufwändigen Arrangement definitiv ins Auge. Man gebe sich Mühe, anders zu sein, als die anderen Blumenläden, so die Mitarbeiterin und Schaufensterdekorateurin Christina. «Opulent, aber pur» sei hier das Motto.

Fleurs des Rois gehört zum Hotelleriebetrieb Les Trois Rois und gestaltet seine Schaufenster oft in Übereinstimmung mit der Dekoration des Hotels. Was im 5-Stern-Hotel präsentiert wird, kann im Blumenladen gekauft werden.

Schmuckstücke des aktuellen Schaufensters sind metallene Pilze, Kürbisse und Hülsen. Sie sind Abgüsse aus der Natur. Weil sie aus Metall sind, oxidieren sie und ändern mit der Zeit die Farbe – passend zum Herbst.

Adresse: Stadthausgasse 7, 4051 Basel

Hutatelier Schwarz
Stroh ist in der Hutproduktion wichtig. Es wird im Herbst geliefert. (Quelle: Ladina Tschurr)

Hutgeschäft Schwarz/Atelier Risa

Das traditionsreiche Hutgeschäft Schwarz am Spalenberg hat sich vor einigen Jahren mit dem Atelier Risa aus Hägglingen im Kanton Aargau zusammengeschlossen. Ihre Hüte haben eine grosse Reichweite und sind sogar auf den Köpfen der Bundesweibel*innen zu sehen.

Der Herbst ist für die Hutproduktion eine bedeutende Jahreszeit, denn dann entsteht eines der wichtigsten Produktionsmaterialien: Stroh. Mitarbeiter Phillip erzählt, dass das Stroh für die Hüte eigentlich der Abfall der Gerstenproduktion sei. Im Herbst würden jeweils grosse Mengen an Strohbündeln ins Hutatelier geliefert.

Deswegen sei Stroh gerade auch ein wichtiger Teil der Schaufensterdekoration. Verschiedene Hüte schweben zwischen hohen Halmen und ergänzen farblich nicht nur die Herbstpalette, sondern auch die Hausfassade.

Adresse: Spalenberg 23, 4051 Basel

Glubos
Glubos hat die Plüschtiere aus der Brocki verwendet, um einen Albtraum darzustellen. (Quelle: Ladina Tschurr)

Brockenbude Glubos

Das Schaufenster der Brockenbude Glubos ist mehr Schauraum als Fenster. Die Brocki ist für ihre abwechslungsreichen und aufwändig inszenierten Darstellungen bekannt, sagt zumindest einer der Mitarbeiter stolz.

Aktuell ist ein Kinderzimmer abgebildet. Eine Puppe schläft friedlich in den Armen eines grossen Teddybärs. Auf den zweiten Blick fällt aber auf, dass über der Idylle gruselige, von Pappmaschee überzogene Plüschtiere von der Decke hängen. Einer der Dekorateure erklärt, dass das einen Albtraum darstellen soll. Einen Albtraum davon, zu viele Spielzeuge zu besitzen und in ihnen unterzugehen.

Diese Idee sei aus seiner Irritation darüber entstanden, wie viele Geschenke Kinder erhalten. Weiter erklärt er, dass sie von der ersten Idee, die Plüschtiere in Vampire zu verwandeln, abgekommen seien: zu düster, so Glubos. Düsterer, als ein Kinderalbtraum? 

Die Plüschtiere sind alle aus dem Fundus der Brockenstube. Auch diejenigen, die mit Pappmaschee überzogen sind und bedrohlich über der schlafenden Puppe schweben. Die Idee der Überhäufung habe aber nichts mit der Brockenstube zu tun, sondern sei eher eine allgemeine Beobachtung.

Adresse: Rappoltshof 12, 4057 Basel

Galerie Eulenspiegel
Ein leeres Schaufenster lenkt nicht von der Ausstellung ab. (Quelle: Ladina Tschurr)

Galerie Eulenspiegel

Das Schaufenster der Galerie Eulenspiegel ist leer. Gerade das macht es besonders. Auf Anfrage sagt Inhaber Gregor Muntwiler, das sei nur deswegen so, weil die derzeitig ausstellenden Künstler*innen nichts mitgebracht hätten, das man im Schaufenster hätte zeigen können. Nur eine Broschüre liegt aus, und eine Skulptur hängt an der Seitenwand des Schaufensters. 

Muntwiler findet das aber gar nicht so schlecht. Gegenstände im Schaufenster können ablenken und den Blick nach innen stören. Jetzt sehe man direkt in die Ausstellung, und wenn man diese etwas genauer anschauen wolle, müsse man halt wirklich die Galerie betreten. Und dass nichts im Schaufenster steht, sei aus künstlerischer Sicht auch eine Aussage. 

Adresse: Gerbergässlein 6, 4051 Basel

Goldschmiedin
Claudia Hedigers Schmuck ist von der Natur inspiriert. (Quelle: Ladina Tschurr)

Claudia Hediger Schmuck

Claudia Hediger verkauft in ihrer Goldschmiede Schmuck, der von den fliessenden Bewegungen der Natur inspiriert ist. Deswegen sei es ihr wichtig, dass die Natur auch in ihrem Schaufenster einen Platz findet. 

Sie schmückt saisonal: Der Strauss aus getrockneten Gräsern bildet den Herbst ab. Wie vom Wind davongetragen, scheinen einige Gräser aus dem Strauss davonzufliegen. Damit wolle sie den Herbstwind und die Vergänglichkeit der Natur darstellen, erklärt Hediger, die grossen Wert auf ein ästhetisches Schaufenster legt.

Adresse: Spalenberg 61, 4051 Basel

Molemin
Oft schlagen sich die Trends von Social Media in der Gestaltung von Geschäften nieder, so die Inhaberin von Molemin. (Quelle: Ladina Tschurr)

Molemin

Der Name des Kindergeschäfts «Molemin» entstammt dem Kurdischen «Mol e Min» und heisst übersetzt «mein Zuhause» oder «mein ein und alles». So ist der Laden auch Rückzugsort mit Spiel- und Stillecke.

Inhaberin Jana Colak erzählt, dass sie in ihrem Schaufenster in erster Linie eine Geschichte erzählen will, um die Emotionen der Leute anzuregen. Im Moment ist es auch hier herbstlich, mit getrockneten Gräsern und Schaufensterpuppen, die Windjacken und Schals tragen. 

Trockene Pflanzen seien praktisch, weil sie sehr langlebig sind, sagt Colak. Es sei aber auch ein Trend von Social Media, der sich in der Gestaltung von Geschäften und Schaufenstern niederschlage. 

Colak gehe bei ihrem Schaufenster gerne Kooperationen ein, zum Beispiel aktuell mit dem Kinderschuhladen MüKi. Eine Art Schaufenster-Austausch, der sich für beide auszahlt.

Adresse: Spalenberg 13, 4051 Basel

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