«Bücher sind Waffen für die Bildung»

Das Literaturhaus Basel und andere Kulturinstitutionen sind in finanziellen Nöten. Sollte der Kanton für strauchelnde Kulturbetriebe in die Bresche springen? Unsere Frage-des-Tages-Community findet: Ja.

Literaturhaus
Das Basler Literaturhaus von Intendantin Katrin Eckert braucht einen finanziellen Zustupf. (Quelle: zvg/Collage: David Rutschmann)

Das Geld ist knapp beim Verein LiteraturBasel, zu dem das Literaturhaus Basel und das Literaturfestival BuchBasel gehören. Die Erhöhung der Staatsbeiträge um mehr als 100’000 Franken will die Kantonsregierung nur teilweise gewähren. Deshalb müsste das Angebot um rund ein Fünftel reduziert werden. Dort haben wir am Beispiel des Literaturhauses diskutiert, ob der Kanton für strauchelnde Kulturbetriebe in die Bresche springen soll. Denn LiteraturBasel ist nicht der einzige Kulturbetrieb in finanziellen Nöten – erst kürzlich wurde bekannt, dass das Hip-Hop-Festival AM Jam nächstes Jahr wegen tiefroter Zahlen nicht stattfinden kann.

Hat das Literaturhaus über seine Verhältnissen gelebt, wie in der BaZ suggeriert wird? Nein, findet die Intendantin Katrin Eckert. «Unsere Finanzen waren bisher im Lot, aber Strompreise, Papierpreise etc. können wir nicht beeinflussen», schreibt die Intendantin des Literaturhauses Katrin Eckert bei unserer Frage des Tages

2023-01-11 Frage des Tages-1
Die Diskussion

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Zur Debatte

Eckert erinnert daran, dass schon im Februar 2023 das Netzwerk der Literaturhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Appell verfasst und vor massiven Einschnitten ins literarische Leben gewarnt hat. Damit die massive Kostensteigerung in vielen Bereichen (Technik, Energie, Papier, Honorare) aufgefangen werden könne, müsste die öffentliche Hand helfen.

In der Frage-des-Tages-Diskussion pflichtet ihr die Autorin Verena Stössinger bei: «Wenn man alle diese konjunkturellen Aspekte von Corona bis zu den Kostensteigerungen sieht, und dabei anerkennt, wie professionell das Team das Literaturhaus und die BuchBasel führt, wie gross und breit und tief das Programm ist, das sich auch der Begegnung, dem gesellschaftlichen Diskurs und der Innovation öffnet, verstehe ich den Vorwurf nicht, es lebe halt einfach über seine Verhältnisse und soll das Angebot zusammenstreichen.»

Die Energiepreis-Explosion und die Pandemie betreffen alle gleichermassen, gibt der GLP-Grossrat Johannes Sieber zu bedenken: «Die öffentliche Hand kann nicht für finanzielle Defizite von Leistungserbringer-Organisationen aufkommen, wenn diese durch eigenes Verschulden (fehlerhafte Planung oder Budgetierung) zustande kam. In diesen Fällen ist eine temporäre Reduktion des Angebots der Weg. Nachschubsfinanzierung wäre ein falsches Signal und ein Anreiz für Defizitbudgetierung.» Dennoch sieht er die Literatur in Basel als unterfinanziert und würde mehr Fördermittel für das Literaturhaus begrüssen.

«Statt Waffen produzieren – Lesen fördern»

Andere, wie Chris Frei auf Facebook, finden, dass es keinen Grund gebe, warum ausgerechnet die Kulturbetriebe so stark gefördert werden. Sabine Knosala, Redaktionsleiterin des Basler Kulturmagains PROZ, hält dagegen, dass Kulturbetriebe eben nicht mit KMU vergleichbar seien, weil viel Arbeit ehrenamtlich geleistet wird: «Oft wird von der Hand in den Mund gelebt. Daher ist es nicht möglich, grössere Reserven zu bilden. In der Kultur ist man bereits mit einer schwarzen Null extrem glücklich!»

Žak Lina schreibt auf Facebook, dass es eben nicht der Kanton sei, der im Endeffekt die Kulturbetriebe fördere, «es geht immer zu Lasten des Steuerzahlers. Wer entlastet und unterstützt die Steuerzahler?» Und auch Christian Müller schreibt, dass sehr viel Geld für Kultur ausgegeben wird: «Die Frage ist aber: Wird auch das Richtige gefördert?»

Die ehemalige Mitte-Grossrätin Beatrice Isler findet: «Kultur ist Seelennahrung – vor allem in schwierigen Zeiten. Lesen bildet, fördert Verständnis, bietet Diskussionsstoff, was wichtig ist in unserer schnelllebigen Zeit. Das Literaturhaus gehört unterstützt! Wie so viele andere kulturelle Betriebe auch.» Sie schliesst ihren Appell mit dem Slogan «Statt Waffen produzieren – Lesen fördern». Bücher seien auch Waffen – für die Bildung sowie die Horizonterweiterung und «somit letztlich für den Frieden».

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