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Wegen Floss und co.

BScene und Polyfon: «Basler*innen sind nicht sehr zahlungsbereit»

Basel hat acht grosse Gratis-Festivals. Vor allem jene in der Innenstadt locken Scharen an. Das kostenlose Vergnügen gefällt aber nicht allen.

10/27/22, 03:00 AM

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Bei den Veranstaltern der Basler Festivals spielen nicht alle im gleichen Tackt.

Bei den Veranstaltern der Basler Festivals spielen nicht alle im gleichen Tackt. (Foto: Samuel Bosshardt)

Floss, Pärkli Jam, Jugendkulturfestival, Imagine: Im Sommer können die Basler*innen viel Musik im Freien geniessen: gratis. Das sorgt bei anderen Veranstalter*innen für Kritik.

Beispielsweise beim Polyfon Festival: «In Basel sind die Besucher*innen aufgrund der ‹Gratiskultur› nicht sehr zahlungsbereit», sagt Caroline Faust, Co-Festivalleiterin. Sie habe das am eigenen Event festgestellt. Das Polyfon konnte zwar Tickets verkaufen, aber vor allem an nationale und internationale Besuchende. Und die Basler*innen? Hielten sich meist vor der kostenlosen Aussenbühne auf. 

Das lag wohl auch am attraktiven Line-up im Aussenbereich, doch: «Die Kollekten fielen eher schmal aus», sagt Faust. 

Acht der zwölf grösseren Musikveranstaltungen, in Basel und der Region, sind für Besucher*innen kostenlos. Das ist deutlich mehr als in anderen Schweizer Städten.    

Die rückgängige Zahlungsbereitschaft merkt auch Jeroen Van Vulpen, Präsident des BScene Musikfestivals. «Der Markt ist übersättigt.» Früher seien 50 Prozent der Kosten der BScene durch Ticketverkäufe gedeckt gewesen. Dieser Anteil auf aktuell 20 Prozent geschrumpft. 

«Der Markt ist übersättigt. (...) Die Besucher*innen sind weniger bereit, Geld für ein Ticket auszugeben.»

Jeroen Van Vulpen, Präsident BScene

Die Besucher*innen verlieren aus seiner Sicht an Entscheidungskraft: «Wenn alle Veranstaltungen gratis sind, entscheiden die Geldgeber und Sponsoren welche Events stattfinden. Und das sollte unbedingt vermieden werden», erklärt Van Vulpen.

Eine weitere Befürchtung: Die Gratisfestivals könnte die kulturelle Vielfalt schmälern. Van Vulpen: «Der Markt und die Risikobereitschaft der Organisation von kulturellen und kommerziellen Veranstaltungen wird durch die kostenfreien Veranstaltungen erschwert.» Vor allem Künstler*innen aus der Region spielen teilweise mehrmals pro Sommer an verschiedenen Orten.

Ein weiteres Argument: Wertschätzung wird in unserer Gesellschaft auch durch Geld ausgedrückt. Laut Van Vulpen vergisst das Publikum, dass Kultur etwas kostet, wenn sie gratis zu haben ist. Caroline Faust vom Polyfon stimmt ihm zu. In den Augen vieler Menschen verliere die Kunst dadurch an Wert. «Das finde ich problematisch.» 

Keine Gratiskultur in Basel   

Ganz anders sieht das Tino Krattiger, Gründer des Floss Festivals: «Es gibt keine Gratiskultur, dieser Ausdruck ist beschränkt», sagt er. Denn: «Das Floss ist nicht gratis. Es wird durch Sponsorengelder und die Sammelnetze finanziert.»

Elena Conradt, Geschäftsleiterin des Jugendkulturfestivals Basel (JKF) sieht das ähnlich. Sie findet Festivals ohne Eintritt unproblematisch, ebenso Benjamin Strassenmeyer vom Pärkli Jam Festival Basel: «Die Diskussion über die ‹Gratiskultur› wird in der Basler Kulturbranche schon seit längerem geführt.» 

Tino Krattiger sieht sogar Vorteile bei Festivals, die keinen Eintritt verlangen, sondern sich hauptsächlich durch Spenden, Sponsoring und Subventionen finanzieren. «Wir verdienen kein Geld mit dem Floss, das machen wir besser. So werden wir nicht reich mit unserer Veranstaltung, sondern sehen den Auftrag der Kulturförderung im Zentrum», sagt Krattiger. Er findet: «Ausgrenzung im öffentlichen Raum und damit Geld verdienen, geht in der heutigen Zeit nicht mehr.» Ausserdem habe das Floss keine Corona-Unterstützungsgelder erhalten, im Gegensatz zu Veranstaltern von kostenpflichtigen Events. «Darum finde ich das ewige Gedöns dieser Veranstalter so langweilig wie die Covid-Massnahmen.» 

Trotzdem: Van Vulpen vom BScene sieht durchaus einen Wert in Gratisveranstaltungen wie dem Pärkli Jam – als frei zugängliches Quartierfest: «Dort stellt sich die Frage, ob das Line-Up der Künstler*innen sich dem der kostenpflichtigen Veranstaltungen anpassen sollte.» 

Eins ist offenbar klar, wie Katrin Grögel, Kulturchefin von Basel-Stadt bestätigt: «Grundsätzlich ist die Konkurrenz in Basel sehr hoch um die Gunst des Publikums, vor allem für Acts, die weder international bekannt noch regional verankert sind.»

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